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RWJ 10/2012: Tuberkulose bei Wildschweinen im Siegerland

Vorsicht bei auffälligen Sauen!

Aufgrund aktueller Erlegungen tuberkulosebefallener Sauen in den Gemeinden Neunkirchen und Daaden (Kreis Siegerland-Wittgenstein) beantwortete Kreisveterinär Dr. Wilhelm Pelger Fragen der Kreisjägerschaft.

Nach der Beprobung eines auffälligen Wildschweins bei Neunkirchen wurden erstmals Bakterien des Mycobakterium tuberculosis-Komplexes festgestellt. Dazu zählen Erregertypen, die bei Mensch wie Tier Tuberkulose hervorrufen können, aber auch atypische Erreger, die in der Regel keine Erkrankungen bewirken. Es handelt sich um eine meldepflichtige Erkrankung, Sperrmaßnahmen und staatliche Bekämpfung sind rechtlich nicht vorgesehen.

1. Welche Auswirkungen hat diese Art der Tuberkulose auf Menschen, welche Schutzmaßnahmen sollten Jäger beim Aufbrechen treffen?

Tuberkulose zählt zu den Zoonosen, d. h., es ist grundsätzlich ein Infektionsweg vom Tier zum Menschen und umgekehrt vorhanden. In den meisten Fällen wird der Erreger über die Atemluft aufgenommen.

Daher ist es beim Aufbrechen abgemagerter Stücke besonders wichtig, Handschuhe und Mundschutz zu benutzen.

Weiter ist zu empfehlen, verdächtige Tiere bei guter Beleuchtung in einem leicht zu reinigenden/desinfizierenden Raum wie einer Wildkammer aufzubrechen. Im Zweifelsfall ist die Hinzuziehung eines amtlichen Tierarztes dringendanzuraten. Weitere Abstimmungen mit dem Veterinäramt zur Verfahrensweise bei der Einsendung von Proben sind erforderlich. In der Regel werden Proben von allen Organen eines Aufbruchs benötigt, auf eine dichte, auslaufsichere Verpackung des Probenmaterials ist unbedingt zu achten.

Anhaltspunkte für tuberkulosebedingte Organveränderungen erkrankter Sauen können stark mit verkalkten Knötchen durchsetzte Lymphknoten sein (s. Foto oben). Ähnliche Knötchen verschiedener Größe können auch in Lunge, Leber oder Milz gefunden werden.


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Vorsicht bei auffäligen Sauen!

2. Ist die Gefahr der Tuberkulose geringer als bei Schweinepest oder Trichinen?

Wildkrankheiten RWJ 10/2012

Stark verknoteter Lymphknoten eines Wildschweins mit Tuberkulosebefall.

Im Gegensatz zur Tuberkulose können Infektionen von Menschen durch klassische Schweinepest sicher ausgeschlossen werden. Die besondere Gefahr der klassischen Schweinepest liegt im extrem hohen Ansteckungspotenzial für Schweine untereinander und damit der Gefährdung landwirtschaftlicher Nutztierbestände. KSP entwickelt eine hohe Ausbreitungsgeschwindigkeit und richtet in Hausschweinebeständen große Schäden durch hohe Sterblichkeitsraten an. Dabei sind enorme wirtschaftliche Auswirkungen zubedenken, weil betroffenen Staaten von der EU grundsätzlich Handelsrestriktionen auferlegt werden.


3. Wie stufen Sie die Gefahr für Menschen durch den Dunker’schen Muskelegel ein, wieso untersucht man erlegtes Schwarzwild nicht darauf?

Beim Dunker’schen Muskelegel handelt es sich um die Larve eines Saugwurms (Alaria alata), der im Darm von Füchsen, Mardern oder Katzen vorkommen kann. Die Eier dieses Wurms werden mit dem Kot ausgeschieden und benötigen zur weiteren Entwicklung eine Süßwasserumgebung. Dort werden sie von Schnecken aufgenommen (1. Zwischenwirt). Die Larven verlassen die Schnecken nach einer Entwicklungszeit und werden über Frösche oder Kaulquappen (2. Zwischenwirt) weitergegeben. Da diese auch zur Nahrung von Sauen zählen, werden so Larven übertragen und können beim Verzehr von infiziertem Fleisch auch Menschen befallen.

Je nach Anzahl aufgenommener Larven sind erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen bis zum tödlichen Verlauf des Parasitenbefalls zu befürchten.

Fleisch mit Befall durch Dunker’schen Muskelegel ist absolut untauglich zum menschlichen Verzehr, deshalb wird bei der Trichinenuntersuchung gleichzeitig auf Dunker’schen Muskelegel geprüft.


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