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RWJ 01/2013: Rückgang von Feldhase und Fasan

Ursachenklärung als Aufgabenschwerpunkt 2013

Vitale, nachhaltig nutzbare Niederwildbesätze (NRW ist das Hasen- und Fasanenland) sind nicht nur Grundlage jeder nachhaltigen Jagd, sondern auch Indikatoren für einen intakten ländlichen Raum. Die Ursachenklärung zu den Strecken­einbrüchen ist Voraussetzung zu einer Lösung.

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Der Rückgang von Fasan und Hase steht 2013 im Mittelpunkt der Wildforschung. Foto: M. Breuer

Der dramatische Streckeneinbruch 2011/12 mit Tiefstwerten bei allen Niederwildarten (außer Gänsen/bei Hase und Fasan niedrigste Werte seit Mitte des 20. Jahrhunderts) und der massive Rückgang der Besätze im laufenden Jagdjahr waren Schwerpunkt der 70. Sitzung des Beirates der Forschungsstelle Ende November 2012. In den Arbeitsbereichen bereits vorgesehene Untersuchungen werden danach zu einem Schwer­punktprojekt zusammengeführt. In der FJW haben sich nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit anderen Instituten in Deutschland und dem benachbarten Ausland Schwerpunkte gebildet. Forschungsnetzwerke sind zur Bearbeitung komplexer Fragestellungen wie des Strecken­rückgangs beim Niederwild nötig.

 

Dank der Kooperation mit dem Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin zur Erforschung der Fortpflanzung des Feldhasens kann man davon ausgehen, dass das Fortpflanzungssystem selbst beim Hasen sehr robust ist, sodass Ursachen für Rückgänge im Lebensraum und populations­dynamischen Faktoren zu suchen sind.

 

Für den Fasan ist die Kooperation mit dem Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung (Tierärztliche Hoch­schule Hannover) zu nennen (Schwerpunkt Epidemiologie). Dieses Projekt ist praktisch startklar und kann bei entsprechender Finanzierung unmittelbar beginnen. Untersuchungsräume sind das nordwestliche Niedersachsen und das nord­rhein-westfälische Tiefland. Das Vorhaben wird von der Forschungsstelle durch Koordination und Probennahme in NRW besonders unterstützt. Die bundesweit ers­te Pilotstudie zu Revier- und Lebensraumqualitäten und zum Rückgang des Fasans im Frühjahr 2009 des Arbeitsbereiches Niederwild (Dr. Gehle) bietet mit aktuellen Referenzerhebun­gen einen ersten Mosaikstein zur weitergehenden Analyse.

 

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RWJ 01/2013 - Niederwildmisere

Ursachenklärung als Aufgabenschwerpunkt 2013

Belastungen des Wildes mit Pflanzenschutzmitteln, Umweltschad stoffen und Toxinen sowie die Auswirkungen von Verkehr- und landwirtschaftlichen Maschinen und grundlegende Untersuchungen zu Gesundheitszustand und Fallwild sind Schwerpunkte des Arbeitsgebiets Schutz des Wildes (Dr. Lutz). Die Wildbiologische Landschaftsinformation (Dr. Eylert) greift auf eine differenzierte Streckenanalyse zurück.

 

Als mögliche Ursachen für den Rückgang bei Hase und Fasan werden diskutiert Pflanzenschutzmittel, die Behandlung von Saatgut, das Ausbringen von Gärresten und die Gülleausbringung, das Ausbringen von Champignonmist, Botulismus (Schlachtung von Rinderbeständen) und Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft, nicht zuletzt durch industrielle Nutzungsformen (Energiepflanzenanbau).

 

Das interdisziplinäre und sachgebietsübergreifende Projekt erfordert neben präziser Konzeption die mit anderen Fach institutionen wie dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW und den Jägern abgestimmt wird, einen differenzierten Kosten- und Zeitplan, so dass im Interesse einer effektiven und effizienten Realisierung die Projektpartner jeweils die Aufgaben übernehmen, die sie am besten realisieren können.

 

Alle Untersuchungen zu Wildkrankheiten sind auf die Einsendung von Fallwild angewiesen. Inhaber des Jagdrechts und Jagdausübungsberechtigte können das Gesamtvorhaben durch aktive Mitarbeit vor Ort, besonders die Bereitstellung von Daten und Material unterstützen. Über das Schwerpunktprojekt wird Anfang 2013 informiert werden, sobald die von den Projektpartnern übernommenen Aufgaben konkret feststehen.

 

Dr. Michael Petrak

Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung


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Packen wir es an ...

In der offenen Landschaft klagen nicht nur Jäger über stark zurückgehende Niederwildbestände (s. RWJ 12/2012), auch die Deutsche Ornithologen-Gesellschaft und der Dachverband Deutscher Avifaunisten beklagen einen dramatischen Bestandsrückgang bei den Vögeln der Agrarlandschaft (s. FAZ vom 22.11.2012).

 

Beim Fasan wie bei vielen Zugvögeln in der Agrarlandschaft fehlen häufig die Jungvögel. Die Agrarvögel sind zur Brut und zum Nahrungserwerb auf die Vielfalt landwirtschaftlich genutzter Flächen wie Äcker, Grünland, zeitweilige Brachen, Hecken, Baumgruppen und Feldraine angewiesen.

 

Die gesetzliche Flächenstilllegung bis 2007 führte etwa zu einer vorübergehenden Bestandsteigerung bei Grauammer, Goldammer und Feldlerche.

 

Die Anlage von Lerchenfenstern steigerte den Bruterfolg der Feldlerche. All diese biotopverbessernden Maßnahmen wirkten sich auch positiv auf Niederwildarten wie Fasan, Rebhuhn und Feldhase aus.

 

Als weitere Ursachen der besorgniserregenden Zustände werden u. a. Krankheiten, Gärreste, Pflanzenschutzmittel (z. B. Beizmittel) vermutet.

 

Um Licht ins Dunkle zu bekommen, werden ab 2013 verschiedene Vermutungen durch die Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung (FJW) in Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen untersucht. Aber wir sind weiter auf Ihre Unterstützung vor Ort angewiesen. Denn bei allen Anstrengungen darf in unserem nicht intakten Ökosystem die Prädatorenbejagung nicht vergessen werden.

 

Nur zusammen mit allen Beteiligten, Naturnutzern, Naturschützern und der Wissenschaft können wir versuchen, mit vereinten Kräften die vermeintlichen Ursachen für den dramatischen Bestandsrückgang der Niederwildarten und der Agrarvögel in der offenen Landschaft zu finden und frei lebende Wildtiere für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Packen wir es an …

 

LJV NRW


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