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RWJ 08/2013: Kleiner Jäger-Knigge - Jeder Jäger ist Botschafter der Jagd

Respekt vor der Natur und Kreatur und den Mitmenschen

Begegnungen mit Nichtjägern passieren ständig und überall – in der Familie, unter Freunden, am Arbeitsplatz, im Verein und nicht zuletzt auf der Jagd selbst. Ob diese Begegnungen positiv oder negativ verlaufen, können wir zumeist selbst steuern.

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Besonders in der Nähe von Wohnbebauung sollte man bei Gesellschaftsjagden mit äußerster Vorsicht vorgehen - die Anwohner informiert man sicherheitshalber schon im Vorfeld.
Foto: M. Breuer

Die ethische Grundhaltung der Jäger ist eng verknüpft mit dem Begriff Waidgerechtigkeit. Verstand man ursprünglich darunter die handwerklich fachgerecht ausgeübte Jagd, bezieht sich der Begriff heute auf drei Schwerpunkte:

 

  • Der Tierschutzaspekt betrifft unsere Einstellung zum Tier als Mitgeschöpf, dem man vermeidbare Schmerzen erspart.
  • Der Umweltaspekt fordert die Einbeziehung der Umwelt in ihrer Gesamtheit in unser Denken und Handeln.
  • Der mitmenschliche Aspekt betrifft anständiges Verhalten gegenüber anderen Jägern u. der nicht jagenden Bevölkerung.

 

(Aus dem DJV-Positionspapier zur Waidgerechtigkeit 2000)

 

Kurz – Waidgerechtigkeit drückt sich aus durch den Respekt vor der Kreatur, der Natur und dem Mitmenschen!

 

Wer diesen Grundsatz beherzigt, wird auch in der heutigen, oft der Natur entfremdeten Gesellschaft Jagd und Jäger bestens repräsentieren.

 

Der überwiegende Teil der Bevölkerung steht der Jagd positiv oder neutral gegenüber. Gehen wir offen auf die Fragen ein, die uns gestellt werden, sie rühren in aller Regel von ehrlichem Interesse.

 

Information gegen falsche Klischees

Wer offen informiert, hat die besseren Karten – und wer informiert wird, muss seine Meinung nicht auf Annahmen und Klischees gründen. So ergaben empirische Untersuchungen, dass Menschen eine positivere Einstellung zur Jagd haben, wenn sie sich darüber gut informiert fühlen. Respekt und Empathie gegenüber jedermann sollten wir auch ausdrücken, indem wir bei unserem Tun überlegen, wer davon betroffen ist und diesen dann möglichst in den Entscheidungsprozess einbinden, zumindest aber vorab informieren – wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.

 

Wer etwa Gesellschaftsjagden plant, tut gut daran, die wichtigsten beteiligten Grundeigentümer, betroffene Anlieger und Entscheidungsträger über Zeitpunkt und Ort der Jagd persönlich zu informieren. Dabei kann auch geklärt werden, wie man Interessenskonflikte bereits im Vorfeld vermeidet. So sind durchgegangene Pferde sowohl für die Besitzer als auch für beteiligte Jäger sehr ärgerlich – und zwar ganz unabhängig von der Schuldfrage.

 

Schön dagegen, wenn im Vorfeld klar ist, auf welchen Weiden und Koppeln noch Vieh steht. Manche Viehhalter werden gerne bereit sein, ihre Tiere für den Jagdtag in den Stall zu treiben.

 

In Naherholungsgebieten sollte man im Zweifelsfall alle jagdlichen Aktivitäten auch der Polizei vorab melden. Das ist keine Pflicht, kann aber eine Menge Ärger ersparen. Besonders in Stadtnähe steigt nämlich die Wahrscheinlichkeit, dass Passanten die Ordnungshüter anrufen, wenn sie Schüsse hören. Dazu hat der LJV bereits vor Jahren ein Merkblatt herausgegeben (s. a. Artikel: Tarnen ja, Vermummen nein).

 


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Kleiner Jäger-Knigge - Jeder Jäger ist Botschafter der Jagd

Freundlichkeit gewinnt

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Passanten und Pferdehalter weist man vor und nach einer Treibjagd freundlich auf geplante Aktivitäten und mögliche Gefahren hin - der Ton macht die Musik.
Fotos: M. Breuer

Denken Sie daran, egal was passiert, immer und überall – der Jogger, der Sie beim Abendansitz stört, weiß sicher nicht, dass vor ihm schon drei Mountainbiker, ein Liebespärchen und die Gruppe vom Ponyhof unter Ihrer Leiter vorbeigekommen sind.

 

In der Nähe von Friedhöfen, Krankenhäusern und ähnlich sensiblen Bereichen ist natürlich besonders darauf zu achten, dass die öffentliche Ruhe und Ordnung nicht gefährdet wird. Dies gebietet schon das Bundesjagdgesetz (§ 20). Unter Umständen ist dort gar keine Jagd möglich. Bei Krankenhäusern und ähnlichen Institutionen empfiehlt sich ein Gespräch mit der zuständigen Verwaltung, bevor man in deren Umfeld jagdliche Aktivitäten entwickelt. Selbstverständlich wird bei Bewegungsjagden von solch sensiblen Bereichen immer weggetrieben.

 

Passanten und Anwohner fühlen sich oft gefährdet, wenn in ihrer Nähe geschossen wird. Unabhängig von der Schussrichtung wird der Knall beim Abschießen von Jagdmunition als Gefahr empfunden. Damit kann einem die Freude über einen sauber erlegten Hasen schnell vergehen, wenn der Presse erklärt werden muss, warum dieser Schuss gerade keinen Spaziergänger gefährdet hat.

 

Also im Zweifelsfall lieber eine Chance auslassen. Gleiches gilt für Schrotgarben, die man besser erst gar nicht auf nah gelegene Siedlungen niederregnen lässt.


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Ruhig bleiben bei Jagdstörern

Diskussionen mit fanatischen oder gar militanten Jagdgegnern haben in der Regel keinen Sinn. Lassen Sie sich in keinem Fall provozieren und bleiben Sie besonnen. Bei Begegnungen mit solchen Zeitgenossen bei der Jagd entlädt und öffnet man sofort seine Waffe – man hat ohnehin keinen Anlauf mehr.

 

Die besten Hilfsmittel sind in diesem Fall Fotoapparat und Handy. Achten Sie im Hinblick auf mögliche spätere Rechtsstreitigkeiten auf mögliche Zeugen, bei Gesellschaftsjagden kann dies etwa auch der Nachbarschütze sein.

 

Wenn die Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist, muss die Jagd abgebrochen werden, egal ob Einzelansitz oder revierübergreifende Bewegungsjagd mit langer Vorbereitungszeit.

 

Zögern Sie nicht, die Polizei um Hilfe zu rufen. In solchen Fällen handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit nach § 55 Abs. 1 Landesjagdgesetz.

 

Durch solch einen Jagdabbruch belegt man seine eigene Zuverlässigkeit sowie die Tatsache, dass von Jagd und Jägern eben keine Gefahr ausgeht und wir selbst auch mit unseren Gegnern respektvoll umgehen.

 
Landesjagdverband NRW

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