Seite 1

RWJ 05/2013: Im Kreuzfeuer von Tierschutz und Waidgerechtigkeit

Haltlose Strafanzeigen gegen Drückjagdveranstalter

Jagdgegner versuchen nach den jüngsten Teilerfolgen vor höchsten EU-Gerichten offenbar an allen rechtlichen Fronten, Grundlagen des Waidwerks auszuhebeln. LJV-Justiziar Hans-Jürgen Thies berichtet von zwei besonders abstrusen Fällen.

rwj0513 ruj drückjagd-mbreuer

Wird bei Bewegungsjagden „richtig Strecke gemacht“, ist dies nicht nur hinzunehmen, sondern das gewünschte Ziel. Und zwar gerade aus Tierschutzgründen - um dem Wild im Rest des Jahres maximale Ruhe zu gönnen!
Foto: M. Breuer

Mehrere sog. Tierschutzorganisationen (u. a. PETA), die die Jagd in Deutschland grundsätzlich infrage stellen, haben im Februar/März 2013 in zwei Fällen bei den Staatsanwaltschaften Kassel und Pader­born Strafanzeige gegen Veranstalter von Drückjagden wegen Verstoßes gegen § 17 Tierschutzgesetz erstattet. 

 

  • Die erste Anzeige betrifft eine revier­übergreifende, von mehreren nord­hessischen Hegegemeinschaften veranstaltete Drückjagd auf Schwarzwild, in deren mehrtätigem Verlauf (Januar 2013) insgesamt 71 Füchse erlegt worden sein sollen. 
  • Die zweite Anzeige bezieht sich auf eine Drückjagd im Dezember 2012 in einer 565 ha umfassenden, forstlich genutzten Eigenjagd im Kreis Höxter, bei der 47 Rehe zur Strecke gekommen sein sollen.

 

Im Kern berufen sich die Anzeigen­erstatter darauf, in beiden Fällen habe es sich um eine Massentötung von Wirbeltieren gehandelt, die nicht den Grundsätzen waidgerechter Jagd entspreche – und deshalb keine nach dem Tierschutz­gesetz gerechtfertigte Tötung von Wildtieren darstelle.

 

Das weitere Vorgehen der beteiligten Staatsanwaltschaften bleibt abzuwarten.

 

Aus Sicht des Landesjagdverbandes NRW sind diese von sog. Tierschutz­organisationen erstatteten Strafanzeigen rechtlich unbegründet und völlig haltlos.

Seite 2

Seite 2

Haltlose Strafanzeigen gegen Drückjagdveranstalter

Die Durchführung von Gesellschafts- sowie revierübergreifenden Bewegungsjagden stellt ein effizientes Mittel zur jagdlichen Regulierung von Wildbeständen dar. Neben anderen Jagdarten sind gerade derartige Bewegungsjagden besonders geeignet, Wild relativ störungsarm und großflächig auf die Läufe zu bringen, um es wirksam zu bejagen.

 

Dabei ist es durchaus zielführend, ja gewollt, auf solchen Gesellschaftsjagden „Strecke zu machen“. Werden bei einer solchen revierübergreifenden Jagd Dutzende oder gar Hunderte Individuen einer freigegebenen Art wie Federwild, Füchse oder Sauen erlegt, hat dies nichts mit „Massentötung von Wirbeltieren“ zu tun, sondern stellt genau das gewünschte Ergebnis erfolgreichen Jagens dar – auch unter modernen jagdwissenschaftlichen und wildbiologischen Erkenntnissen.

 

Um einen Verstoß gegen die Grundsätze waidgerechten Jagens handelt es sich dabei nicht. Deshalb machen sich Veranstalter einer Gesellschaftsjagd auch nicht gem. § 17 Tierschutzgesetz strafbar, wenn sie es zulassen oder sogar befördern, dass auf ihrer Jagd „reichlich Strecke“ gemacht wird.

Unbeschadet dieser strafrechtlichen Bewertung bleibt es natürlich dabei, dass jeder Jäger und Revierinhaber stets dem Hegegedanken und dem Prinzip der Nachhaltigkeit verpflichtet ist. Die daraus abzuleitenden Grundsätze verpflichten alle Jäger zur Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepassten artenreichen und gesunden Wildbestandes. Demgemäß verbieten sich eine Überjagung oder gar Ausrottung einzelner Wildarten.

 

Bei der Schalenwildbejagung auf Drückjagden haben die Veranstalter besonders den gültigen Abschussplan zu beachten, dessen vorsätzliche oder auch nur fahrlässige Überschreitung kann eine Ordnungswidrigkeit gem. § 39 Abs. 2 Nr. 3 BJG darstellen.

 

Im Übrigen gehört es zur waidgerechten Durchführung von Gesellschaftsjagden, auch auf berechtigte Belange von Reviernachbarn Rücksicht zu nehmen. Demgemäß sind Vorkehrungen zu treffen, die ein Überjagen von Hunden möglichst verhin­dern. Hochsitze und Drückjagdstände an der Reviergrenze sind nur mit Zustimmung des Reviernachbarn zulässig. Auch das „Leerschießen“ einer ganzen Gebietskulisse, um diese „rehwildrein“ zu machen, hat unter dem Gesichtspunkt waidgerechten Verhaltens gegenüber den Reviernachbarn zu unterbleiben.

 

Rechtsanwalt Hans-Jürgen Thies,

Justiziar des Landesjagdverbandes NRW


Aktiv nur für Mitglieder!

Bitte melden Sie sich an, oder werden Sie Mitglied.