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RWJ 05/2021: Befriedete Bezirke und örtliche Verbote

Wo darf man jagen – und wo nicht ?

Klassiker bei Rechtsstreitigkeiten ist die Frage, ob eine Fläche als befriedeter Bezirk gilt – oder eben nicht. Weniger im Bewusstsein ist die Tatsache, dass bestimmte Situationen etwa bei Erntejagden de facto zum Verbot führen.

jagd am raps (036) k-h volkmar  aug

In befriedeten Bezirken ruht die Jagd (§ 6 Satz 1 BJG), in NRW sind dies nach
§ 4 Abs. 1 BJG:
a) Gebäude, die zum Aufenthalt von Menschen dienen und solche, die mit diesen räumlich zusammenhängen – danach darf man etwa auch in an Wohnhäuser angebauten Stallungen/ Scheunen keine Fallen aufstellen.
b) Hofräume und Hausgärten, die unmittelbar an eine Behausung stoßen und durch irgendeine Umfriedung begrenzt oder sonst vollständig abgeschlossen sind. Mit voller Absicht spricht der Gesetzgeber von „irgendeiner Umfriedung“ – nicht von Einfriedigung und nicht von Zaun. Es reicht also die Hecke am Vorgarten, die Rasenkante, eine Beet-Einfassung o. Ä. Erkennbar muss in der Gelände- oder Vegetationsstruktur nur eine Art Kante sein, die den Garten von einer Wiese o. a. landwirtschaftlichen Fläche abgrenzt. Im Garten darf dann nicht gejagt werden, auch keine Falle gestellt werden – jenseits der Kante schon.
c) auf Friedhöfen versteht sich von selbst, dass man dort nicht jagen darf,
d) Wildgehege, soweit sie nicht jagdlichen Zwecken dienen, gemeint ist etwa die Haltung von Schlachtwild,
e) Autobahnen – nicht nur auf der Fahrbahn selbst, sondern auch an Böschungen, um zu verhindern, dass durch Bejagung Wild in Verkehr mit hoher Geschwindigkeit gerät,
f) auch in Kleingartenanlagen und Dauerkleingärten mit kleinräumigen Strukturen und dem regelmäßigen Aufenthalt von Menschen ruht die Jagd.
All diese befriedeten Bezirke darf man nur im Rahmen von Ausnahme-
genehmigungen durch die Untere Jagdbehörde bejagen, etwa wenn dort Marder und Waschbären ihr Unwesen treiben oder Kaninchen auf Friedhöfen überhand nehmen (§ 4 Abs. 3 LJG NRW).

Die Verwendung von Schusswaffen ist dabei die Ausnahme, in der Regel werden Ausnahmegenehmigungen zur Fangjagd erteilt (nicht notwendig beim Fang von Wildkaninchen durch Sachkundige in Gärten/§ 4 Abs. 4 LJG NRW).

Krankgeschossenes oder sonst schwerkrankes Wild darf man nachsuchen und erlegen, außer in Gebäuden, die dem Aufenthalt von Menschen dienen (§ 4 Abs. 5 LJG NRW).

Es reicht also nicht, irgendwo willkürlich Zäune zu ziehen, um damit befriedete Bezirke zu schaffen. Es entscheidet auch nicht der Grundeigentümer selbst, ob auf seinem Dachboden, in seiner Scheune oder seinem Garten eine Marderfalle aufgestellt werden darf. Befriedete Bezirke sind eindeutig gesetzlich definiert und unterliegen nicht der Dispositionsfreiheit von Haus- und Grundeigentümern, mit Ausnahme des Kaninchenfanges durch Sachkundige.

 

 

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