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RWJ 09/2019: Ausblick auf die Bewegungsjagden

Vorbereitung bringt Erfolg

In wenigen Wochen beginnen die ersten Bewegungsjagden – besonders in diesem Jahr gilt es, bei Sauen (ASP-Gefahr) und den Wildwiederkäuern (Pflanzaktionen nach Dürrekatastrophen) Strecke zu machen – wir haben zur besseren Vorbereitung Checklisten für Jagdleiter und Teilnehmer zusammengestellt.

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Über solche Strecken freut sich jeder – doch vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Jagdherren und Eingeladene können im Vorfeld viel dafür tun. Machen Sie mit! Fotos: K. - H. Volkmar

Nicht erst mit den Einladungen, die in diesen Tagen in die Post gehen, laufen die Vorbereitungen in den Revieren auf Hochtouren. Die nötigen Einrichtungen (wenn möglich sollte „jeder“ Schütze erhöht sitzen) müssen auf Standfestigkeit geprüft, ggf. freigeschnitten und Sicherheitsbereiche ausgezeichnet werden, für erfolgversprechende neue Stände werden weitere DJ-Leitern besorgt. Schon frühzeitig bemüht man sich um geeignete Hunde, also v. a. Nachsuchen- Gespanne wie auch spurlaute Stöberhunde. Dabei gibts zwar es keinen Rasse-Ausschluss, doch sowohl aus tierschutzrechtlichen (stummes Hetzen) wie jagdpraktischen Gründen (keine Chance bei „tief-fliegendem“ Wild) ist die Definition für brauchbare Stöberhunde sonnenklar – spurlaut jagen müssen sie!

 

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Bei der Begrüßung wird Wichtiges kontrolliert – hier sind 2 nicht richtig gekleidet !

Zur Vermarktung der Strecke knüpft man rechtzeitig Kontakte zu Gastronomie und Wildhandel (ggf. verbunden mit zentralem Aufbrechen), in der Einladung wird darum gebeten, Interesse zur Übernahme eines Stückes schon mit der Anmeldung zu übermitteln. Um haftungsmäßig aus dem Schneider (sprich der Mitverantwortung) zu sein, wird in der Einladung selbstverständlich auf das Mitbringen von gültigem Jagdschein, Warnkleidung und Schießnachweis ebenso verwiesen wie auf das Verbot bleihaltiger Munition (gilt auch für Flintenlaufgeschosse).


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Bei Pausen „im Busch“ (nicht zu Begrüßung u. Streckelegen) sind solche Ständer toll.

Mit Blick auf die unabdingbare Einhaltung der Wildbrethygiene sollte man sich vom Wetter am Jagdtag unabhängig machen. Ganz egal ob Schnee, Frost, Nieselregen oder Hühnerwetter – eine Stunde nach offiziellem Jagdbeginn sollte man in jedem Fall eine viertelstündige Lüftungs- bzw. Aufbrechpause („Hahn in Ruh!“) vorsehen, in der in Sichtweite verendete Stücke (keine Privat-Nachsuchen!!) an den Sitz gezogen und zumindest gelüftet werden. Ggf. muss die Jagd am Ende um diese 15 Minuten verlängert werden, wenn die Treiber ansonsten „nicht durchkommen“. Begrüßung und Streckelegen plant man aus Sicherheitsgründen am besten ohne Waffen, bei Pausen tagsüber freuen sich die Gäste über vorbereitete Waffen-Ständer.


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Nicht die Rasse entscheidet über die Brauch­barkeit von Stöberhunden – nur Spurlaut !

Da beim Schüsseltreiben oft viele Gäste von auswärts dabei sind, ist die Frage nach dem „Wohin mit den Waffen?“ ein Dauerbrenner, der dabei oft verwendete Kofferraum ist eine schlechte Notlösung – ein abschließbarer Raum beim Schüsseltreiben wäre eine deutlich bessere. Sehr hilfreich zur Auswertung (und besseren Planung in Zukunft) sind sog. Standkarten, ein brauchbares Muster dafür kann man sich auf der DJV-Homepage herunterladen. Wenn man seine Bewegungsjagd nicht gleich revierübergreifend plant, sollte man zumindest die Reviernachbarn informieren – allein schon, damit beim Abstellen entlang der Grenzen keine Sicherheitsprobleme entstehen.

 

Um Missverständnisse während der Jagd zu vermeiden, ist im Vorfeld ebenso die Information der Polizei sowie betroffener Landwirte (rechtzeitiges Verbringen von Pferden von Weiden ) anzuraten. Auch die Sicherung von Straßen (i. d. R. durch entsprechende Warnschilder) sowie das Vorhalten dienstbereiter Tierärzte gehören zum kleinen Einmaleins der Vorbereitung von Bewegungsjagden.


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Erfolg ist nicht nur eine Frage von Anlauf…

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Zur Vermarktung größerer (Sauen)Strecken ist gute Vorbereitung gefragt – der Wildhandel besteht dabei oft auf Profi-Versorgung.

Flattert die ersehnte Einladung endlich in Briefkasten oder Mailbox, beginnt nicht nur die Vorfreude, sondern auch die Vorbereitung auf einen schönen und nach Möglichkeit erfolgreichen Jagdtag. Da es sich am laufenden Keiler und im Schießkino in jedem Herbst knubbelt, macht man sich rechtzeitig mit der dicken Pille („und nicht mit der Übungs-Hornet“) vertraut und löst dabei seinen Schießnachweis. Bei der Auswahl der Waffe gehts neben einem schalenwildtauglichen Kaliber viel mehr um die passende Zieloptik für Bewegungsjagden: Dazu zählen nichtvergrößernde Rotpunkt-Visiere (Kompakt- oder Röhren- Bauweise) und spezielle Drückjagd-Zielfernrohre mit 20er, 22er oder 24mm-Objektiv und ein- bis sechs- oder achtfacher Vergrößerung.


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Der DJV bietet solche Standkarten und ein gutes Video zum Thema.

Dazu zählen eindeutig „nicht“ Standard- Zielfernrohre mit 50er oder gar 56 mm- Objektiv – selbst bei kleinster Vergrößerung („da dreh ich dat einfach auf dreifach“) reicht das dann zur Verfügung stehende Sehfeld von vielleicht noch 18 m für flinke Wutze im Nahbereich zu oft einfach nicht (zum Vergleich: moderne Drückjagd-ZFR bieten über 40 m !). Mit seinem Dankeschön und der Zusage verbindet man den Hinweis auf mögliches Interesse an einer Wildbret-Übernahme – über die Planungssicherheit freut sich jeder Jagdherr. Nicht nur bei mehr als 100 km Anreise empfiehlt sich die Anfahrt einen Tag eher und zwei Übernachtungen – nicht zu Unrecht wird schon das Ankommen und Treffen am Freitag als „heiliger Abend“ bezeichnet.

 

Zur Wohlfühl-Atmosphäre am Jagdtag selbst gehört nicht nur ein klarer, ausgeschlafener Kopf, sondern eine möglichst optimale Vorbereitung auf jedes mögliche Wetter wie Wechselklamotten und Thermo- bzw. Funktionsunterwäsche. Um im ungünstigsten Fall selbst für „Sauwetter“ gewappnet zu sein, empfehlen sich regenfeste Umhänge – oder noch besser übergroße Schirme (gibts im Angel- Bedarf), die man mit Kabelbindern an offenen Drückjagd-Böcken fixiert. Darüber sollte man im Übrigen nicht zu früh lachen – komischerweise sind gerade die über die Jahre erfolgreichsten Schützen mit so was ausgestattet ...

 


Zur Warnkleidung – am besten in flecktarn-orange – reichen Hutband und Kappe allein schon lange nicht mehr. Wer sich nicht gleich eine zusätzliche Vollfunktionsjacke kaufen will, ist mit einem weiten, leichten Überwurf-Modell (gibts für unter 50 €) bestens bedient. Apropos erfolgreich – warum bei Bewegungsjagden „immer wieder die Gleichen“ Strecke machen („bzw. warum ich nicht“), darüber wurden schon ganze Bücher geschrieben. Sicher: Jagd ist keine Hallensport art und der individuelle Erfolg dabei letztendlich nicht planbar. Gott sei Dank. Aber: Wer sich auf dem Stand optimal verhält, ist klar im Vorteil. Das bedeutet v. a., sich ruhig zu verhalten, sich also möglichst wenig zu bewegen. Wer dazu körperlich in der Lage ist, sollte während der zwei bis drei Stunden möglichst stehen bleiben. Im Sitzen sind Drehungen und Anschlag erschwert – und man verpasst „auf jeden Fall“ Chancen, die sich hinter einem ergeben (im Stehen auch, aber weniger).

 

Unmittelbar nach dem Besteigen des Sitzes/Bockes verständigt man sich mit seinen Nachbarn, lädt seine Waffe, dreht das Zielfernrohr auf kleinste Vergrößerung (zum Hochdrehen bei Distanz bleibt Zeit genug, umgekehrt nie) und nimmt den Trageriemen ab. In den Rucksack gehören: Ein passendes Fernglas (z. B. 8 x 32 o. ä.), Messer und Aufbrechzange/-säge, Bergehilfe (auch als Behelfsleine für Hunde verwendbar), Erste-Hilfe-Set, 2 Stifte und Papier, Ersatzbrille, Hunde-Leckerlis, warme/ kalte Getränke, Energy-Riegel, Handschuhe, Munition, Wischtuch für Fernglas/ Zieloptik, verschließbare Beutel für Aufbruch und Trichinenproben. Von seinem Ansteller lässt man sich nicht eher Waidmannsheil wünschen, bevor der einen nicht ausdrücklich über Sicherheitsbereiche und (mögliche) Nachbarn aufgeklärt hat. Wer ein Stück mitnehmen will, hat dafür natürlich mit einer entsprechenden Plane oder Wanne vorgesorgt.

 

Auch wenn viele dieser Hinweise „alten Hasen“ unnötig erscheinen mögen – wetten, dass auch „SIE“ bei Beachtung möglichst vieler davon spürbar besser Strecke machen werden ? Dafür ein kräftiges Waidmannsheil ! Matthias Kruse


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