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RWJ 09/2020: Kommentar

Sperren im Kopf lösen

Angesichts aktuelller Herausforderungen braucht es neue Jagdstrategien – doch dafür müssen zunächst innere Bremshebel gelöst werden.

breuer ricke kitz winter id47640

Klar wiegen solche Winterkitze aufgebrochen sicher rund 3 kg mehr als ...

Ein Blick auf die beiden Bilder oben verdeutlicht, worum es in den nächsten Jahren v. a. an und um die riesigen Aufforstungsprojekte geht:

 

Links eine Ricke mit Kitz im Winterhaar – eine Gelegenheit, bei der die meisten Jäger wenig Hemmungen haben, zumindest das Kitz, wenn nicht sogar beide Stücke zu erlegen.

 

Ganz anders sieht’s da schon bei dem Sprung aus, der in diesen Spätsommerwochen fotografiert wurde. Die noch jungen Kitze verlieren gerade ihr Kindheitsfell, wirken deutlich schwächer – und „niedlicher“. Diese Bremse in unseren Köpfen ist hochwirksam ... und fatal zugleich. Jedes Reh, was wir JETZT zum Aufgang des Weiblichen, nicht konsequent erlegen (warum auch immer), bleibt ja auf der To-do-Liste. Und diese Liste wird immer länger, bis die Aufforstungen aus dem Äser sind. Nachdem die Frühjahrspflanzung auf den riesigen Borkenkäferflächen im Sauerland, Sieger land, Bergischen Land bis zur Eifel kaum möglich war, kommt es dort im Herbst zum Schwur. Wenn die mit Milliardenaufwand aus öffentlichen Mitteln geförderten Jungpflanzen eine Chance haben sollen, müssen dort Jagddruck und Abschusszahlen erkennbar erhöht werden.

 

Um das tierschutz- und waidgerecht hinzubekommen, sollte die Bejagung mit dem Kalenderjahr enden.

 

Um aber nicht noch im Januar fehlenden Rehen nachstellen zu müssen – und sie damit bei heruntergefahrenem Stoffwechsel unnötig zu stressen – gibt es keine Alternative zur frühzeitigen Jagd jetzt ab September.

 

Neben der inneren Bremse wegen der „niedlichen“ Bambis sind für viele Jäger aber auch scheinbare Verwertungsgründe Auslöser dafür, im Spätsommer den Finger gerade zu lassen – die Kitze sollen doch erst noch mal „’n bisschen Speck auf die Rippen“ kriegen.

 

Wie man den Bildern oben entnehmen kann, ist da sicher was dran.

 

Zumindest auf den ersten Blick.

 

Klar wiegt ein Winterkitz aufgebrochen um die 3 kg mehr als jetzt im September. Allerdings musss man dabei schon etwas genauer hinschauen – rund zwei Drittel dieses Mehrgewichts finden sich nämlich in der dicken Winterdecke wieder, die man in der Regel ja gar nicht nutzt !

 

Vor allem mit dem Einsatz von Schalldämpfern (aus Gehörschutz- und Rückstoß- Gründen sowieso zu empfehlen) steigt dabei wegen der offenbar fehlenden Orientierung die Chance signifikant, nicht nur das Kitz, sondern gleich die Ricke mitzuerlegen. Musste eine solche nämlich schon ein paar Mal erleben, wie man ihr den Nachwuchs nimmt, werden Du bletten allein schon unter handwerklichen Gesichtspunkten deutlich schwerer.

 

ricke kitze k-h volkmar aug id47641

... solche September-Bambis – und doch gibt es gute Gründe, in diesen Wochen mit der Bejagung von Kitzen und Ricken zu beginnen.

Dass dabei selbstverständlich immer unser ewiges, ungeschriebenes Gesetz „Erst Kitz, dann Ricke“ zu gelten hat, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt ... „Grau is‘ alle Theorie, entscheidend is‘ auf‘m Platz“ lautet eine der legendären Fußball-Weisheiten aus dem Kohlenpott – übertragen auf unsere Herausforderungen für die Reviere zwischen Rhein und Weser kann das nur eines heißen:

 

Ganz egal, welche Erklärungen unser Jagdverband auch unterschrieben hat – entscheidend wird sein, dass an und um die Kulturen der Zukunft auf jeden Fall erkennbar mehr Rehe erlegt werden !

 

Ich wünsche Ihnen und besorgten Waldbauern, dass möglichst viel schon jetzt im September gelingt.

 

Matthias Kruse


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