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RWJ 02/2021: Mountainbiker im Jagdrevier

Muss man sich alles gefallen lassen?

Viele Jagdreviere leiden unter dem rücksichtslosen Querfeldeinfahren von Mountainbikern – mit welchen rechtlichen Mitteln kann man sich dagegen wie zur Wehr setzen?

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Foto: Maurice Müller/pixabay.com

Frage: Als Jagdpächter ärgere ich mich zunehmend über Mountainbiker, die abseits der Wege kreuz und quer durch mein Revier fahren und das Wild beunruhigen. Kürzlich habe ich eine App entdeckt, die das perfekte Abenteuer verheißt – egal, wo der Radfahrer auf Entdeckungs tour gehe, die App zeige die maßgeschnei derte Route für das geplante Outdoor-Erlebnis, ob auf steinigen Single-Trails oder einsamen Pfaden, navigiere sie verlässlich durch die Natur, heißt es. Routenplaner lotsen folglich Mountainbiker in mein Revier und wem die Wege nicht abenteuerlich genug sind, der verlässt sie eben! Ist so etwas legal? Welche Befugnisse habe ich, solches Handeln zu unterbinden?

 

 

Antwort: In NRW sind etwa zwei Drittel Wälder in Privatbesitz, der Rest gehört Kommunen, Land und Bund. Daher sind Radfahrer im Wald quasi zu Besuch bei den Waldeigentümern – und so sollten sie sich auch benehmen. Wenn sich auch Radfahrer in den Wäldern zwischen Rhein und Weser zur Erholung durchaus aufhalten dürfen (§ 14 I S. 2 BWaldG, § 2 II LForstG NRW), so gilt dies nicht abseits von Straßen und festen Wegen – verboten ist das Fahren im Wald mit Ausnahme des Radfahrens auf Straßen und festen Wegen (§ 3 I e LForstG NRW).

 

Dazu können Waldeigentümer bei der Forstbehörde die Sperrung ihres Waldes beantragen, wenn das etwa zur Jagdausübung nötig ist (§ 4 LForstG NRW). Aller dings kann so eine Genehmigung nur befristet und kurzzeitig erteilt werden, etwa zur Durchführung einer Jagd.

 

Feste Wege sind naturfeste oder künstlich befestigte Wege, die breit genug sind, damit Radfahrer an anderen Waldbesuchern vorbeifahren können (VG Köln, 14 K 5008/07 vom 2.12.08).

 

Rückewege zum Abtransport gefällter Bäume zählen nicht dazu – und illegale Mountainbike-Trails erst recht nicht. Wer abseits fester Wege fährt, handelt also ordnungswidrig (§ 70 I Nr. 1a LForstG NRW).

 

Wer abseits der Wege obendrein durch Wildeinstände fährt, verstößt zusätzlich gegen das Jagdrecht, wonach es verboten ist, Wild an Zufluchts- und Wohnstätten durch Aufsuchen zu stören (§ 19 a BJG). Jede vorsätzliche Verletzung dieses Verbots ist eine Ordnungswidrigkeit, Vorsatz liegt bereits vor, wenn Radfahrer die Möglichkeit einer Störung erkennen und ihren Eintritt in Kauf nehmen.

 

Bei Verletzung jagdrechtlicher Vorschriften dürfen Jagdausübungs- und Jagdschutzberechtigte Radfahrer anhalten, Personalien feststellen und dazu wenn nötig auch den Weg versperren.

 

Mit diesen Personalien kann man Anzeige bei der Unteren Jagdbehörde oder Polizei erstatten (§ 19 a, 39 I Nr. 5 BJG), bei erstmaligen Verstößen sollte man es allerdings bei einem aufklärenden Hinweis auf die Rechtslage belassen.

 

Wenn man über Personalien eines Störers verfügt, bietet sich im Wiederholungsfall zur Abwehr künftiger Verstöße auch eine Unterlassungsklage an. Selbstverständlich gelten diese Regeln und Vollzugsmöglichkeiten auch im Privatwald.

 

Das Jagdausübungsrecht, also die Befugnis, das Jagdrecht in einem Bezirk tatsächlich auszuüben, Wild zu hegen und es sich anzueignen, ist ein absolutes Recht unter dem Schutz des BGB (§ 823 I). Es beinhaltet auch das Recht zum Erhalt eines gewissen Wildbestandes. Demnach können Jagdausübungsberechtigte Schadenersatz verlangen, wenn dem Aneignungsrecht unterliegendes Wild rechtswidrig gestört wurde und es dadurch zu einem nachweisbaren Schaden kam (§ 823 I BGB).

 

Außerdem hat man auch einen Anspruch auf Unterlassung künftiger Störungen (§ 823 I, 1004 BGB analog).

 

Gestützt auf diese Rechtsgrundlagen können sich Jäger gegen das Wegegebot verstoßende Radfahrer wehren – sofern man sie denn ertappt.

 

Dr. Susanne Selter
Rechtsanwältin, Fachanwältin für Strafrecht, weitere Arbeitsgebiete: Jagd- und Waffenrecht


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