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RWJ 12/2019: Jagdhaftpflichtversicherung 2020/21

Was wichtig ist

Rein statistisch gesehen muss zum 1. April wieder ein Drittel aller Jäger seinen „grünen Lappen“ verlängern. Ohne den Nachweis einer gelösten Jagdhaftpflichtversicherung (JHV) läuft dabei nichts. Doch es gibt viel mehr als einen Grund, warum jeder Jäger wenigstens dies eine Mal genauer auf seine eigene Versicherung schauen sollte – und zwar nicht nur auf die Kosten dafür.

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Ohne brauchbare Hunde geht oft gar nichts. Weil Vierbeiner aber auch den Großteil der Schäden verursachen, ist die Solidarität aller Jäger gefragt. Foto: K.-H. Volkmar

Noch immer kommt der Gesetzgeber nicht „in die Pötte“, die uralte und längst überfällige Deckungssummen der JHV („500 000 € für Personenund 50 000 € für Sachschäden“) an heutige Gegebenheiten anzupassen, wie es etwa bei der Kfz.-Haftpflicht bereits vor Jahrzehnten passierte. Damit kann ich als verantwortlicher Jagdleiter bis heute nicht ausschließen, dass meine Gäste an Gesellschaftsjagden trotz gültigen Jagdscheins (!) de facto unterversichert sind und so für den Rest der Gesellschaft zum unkalkulierbaren Risiko werden. Dazu muss das Bundesjagdgesetz geändert werden (§ 17 (1) 4). Auch wenn die Politik das Problem angeblich längst erkannt hat, passierte auch im abgelaufenen Kalenderjahr ... nichts. Somit bleibts auch 2020 beim Skandal, dass die Mindestdeckung der JHV noch immer nicht auf ein vernünftiges Maß angehoben ist. Wir werden diesen Missstand weiter so lange beim Namen nennen, bis das endlich geändert wird !

 

 

ASP, Nachtzieltechnik und Schießkinos

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In Schießkinos kommt es leider häufiger zu Boden-, Wand- und Deckentreffern – wenn es das Kino mit den Pauschalen übertreibt (z. B. in Bergkamen) droht Ärger mit der Versicherung. Foto: N. Klups

Unter Experten gilt es nahezu als Wunder, dass die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Deutschland noch nicht ausgebrochen ist – auch wenn Mitte November nur noch 80 km vor der brandenburgischen Grenze neue bestätigte Fälle in Westpolen hinzukamen. Nach dem potenziell möglichen Ausbruch können auf uns Aufgaben zukommen, die nach bisherigem Verständnis nicht mehr unter „Jagd“ fallen werden. Tätigkeiten im Umfeld der Seuchenbekämpfung (etwa auch der Einsatz von Fahrzeugen) werden voraussichtlich „nicht“ von der Jagdhaftpflicht mitversichert sein. Im Zweifel sollte man sich daher genau erkundigen, welche Risiken von den zuständigen Landes-Wildseuchen-Stellen übernommen werden, wenn diese uns Jäger um die Übernahme bestimmter Aufgaben (Kadaversuche/-sammlung) bitten.

 

Ein ganz heißes Eisen ist und bleibt sicher der Einsatz moderner Nachtsicht- und Wärmebildtechnik in der Jagdpraxis. Solange man damit lediglich beobachtet, dürften Schäden an solcher Technik bei entsprechenden Verträgen ebenso mitversichert sein wie bei herkömmlichen Ferngläsern. Erhebliche Probleme wird man sich einhandeln, wenn man diese Technik (z. B. Vorsatzgeräte) zum „Zielen“ einsetzt: Nicht nur, dass dies bis auf Weiteres schlicht verboten ist (Waffen- u. Jagdgesetz), auch versicherungsrechtlich droht Ungemach. Auf den Punkt gebracht gilt, dass illegal eingesetzte Ausrüstung niemals mitversichert sein kann!

 

Fahrlässigkeit bei Boden-, Wand- und Deckentreffern in Schießkinos übernimmt Ihre JHV, in der Regel werden dafür Pauschalen zwischen 100 und 200 € fällig. Sollten Kinos für Deckentreffer ohne weitere Begründung deutlich mehr verlangen, wird man damit rechnen müssen, dass die Jagdhaftpflicht dafür „nicht“ aufkommt, sodass man im Schadensfall auf diesen Kosten sitzen bleibt.

 

 


Kleingedrucktes für Fortgeschrittene

Wie der Name „Haftpflicht“ schon sagt, handelt es sich bei so einer JHV nicht um irgendwas frei Wählbares. Wie man kein Auto anmelden kann, ohne die entsprechende Police nachzuweisen, wird auch kein Jagdschein ausgestellt, wenn dieses Papier fehlt. Dabei hat sich der Gesetzgeber etwas gedacht – so wird sichergestellt, dass bei grundsätzlich „schadensgeneigten Tätigkeiten“ Geschädigte nicht auf erheblichen Forderungen (Schmerzensgeld, Schadenersatz, Verdienstausfall, Berufsunfähigkeit u. v. m.) sitzen bleiben, wenn der Verursacher des Schadens dafür nicht aufkommen kann – oder muss (s. u. „Verschuldens-Prinzip).

 

Deshalb hat der Gesetzgeber Konditionen festgelegt, damit genau das nicht passiert. Elementarer Bestandteil ist eine ausreichende Mindestdeckung, die zur Regulation zur Verfügung stehen muss – im Kfz-Bereich sind das für Personenschäden mind. 7,5 Mio. €, üblich aber sogar 50 bis 100 Mio. €. Spätestens an dieser Stelle wird die Dimension der lächerlichen 500 000 € bei der JHV überdeutlich. Bis auf diese Überwachung, die schon lange keine mehr ist, lässt das Gesetz den Versicherern völligen Freiraum. Resultat: Durch die unzähligen Verästelungen des berüchtigt Kleingedruckten steigt man kaum noch durch. Deshalb hier noch einmal Bestandteile, die eine vernünftige JHV 2020 enthalten sollte:

 

  • Deckungssumme mindestens 5, besser 10 oder 15 Mio. €
  • Forderungsausfalldeckung („am besten ohne Selbstbeteiligung/SB„):

Dieses Kunstwort kann die Rettung für Opfer schwerer Jagdunfälle sein. Denn unverschuldete Opfer von Jagdunfällen bleiben auf den Kosten für Behandlung, Reha und erst recht Verdienstausfall sitzen, wenn der Verursacher nur zur gesetzlichen Mindestdeckung versichert war. Angesichts heutiger Krankenhaus-/ Rehakosten und jahrelanger Rentenzahlungen sind 500 000 € im Nu weg. Wenn der Schädiger dann mit seinem Privatvermögen haftet, gucken Opfer ganz schnell in die Röhre! An dieser Stelle kann ausnahmsweise die eigene Jagdhaftpflicht einspringen: Bei einer „Forderungsausfall“-Deckung kommt meine Versicherung für Ansprüche auf, die mir als Geschädigtem zustehen, wenn weder der Verursacher noch dessen Versicherung aufkommt.

 

Diese werden mir bis zur Höhe meiner Deckung von meiner Versicherung erstattet. Auf diese „Krücke“ sollte man so lange nicht verzichten, wie man nicht wissen kann, wie viele unterversicherte Mitjäger als „tickende Zeitbomben“ in unseren Revieren weiter unterwegs sind – Insider gehen davon aus, dass durch gedankenlos fortgeschriebene Altverträge noch bis zu 20 Prozent aller Jäger zu dieser Risikogruppe gehören könnten, genaue Zahlen dazu gibts leider nirgendwo. Gott sei Dank werden neue Verträge mit gesetzlicher Deckung nahezu überhaupt nicht mehr angeboten.

 

  • Glasklare Aussagen zum Deckungsumfang von Schäden durch Jagdhunde

Nach wie vor verursachen Hunde vier Fünftel aller gemeldeten Schäden (!) in der JHV – meist Bagatellschäden außerhalb des Jagdbetriebs, für die Nichtjäger Hundehaftpflichtversicherungen abschließen müssen (die ein Mehrfaches der Jagdhaftpflicht kosten). Hundeführer sollten auf jeden Fall klären, „wie viele“ Hunde maximal mitversichert sind (meistens zwei, bis zu fünf). Ebenso wichtig ist die Frage, bis zu welchem Alter Welpen als mitversichert gelten (mind. 12, besser 24 Monate). Dauerstreit-Thema ist die Frage, welche Hunde überhaupt mitversichert sind, in schöner Regelmäßigkeit kommt es dabei zu Streit um den Begriff „brauchbar“: Als brauchbar gelten unzweifelhaft Jagdhunde mit entsprechender Prüfung (Brauchbarkeitsprüfungen u. gleichbzw. höherwertigere Prüfungen von Jagdhundevereinen). Solange nichts passiert, will ihre Gesellschaft dafür auch keinen Nachweis, Ärger droht in der Regel erst im Schadensfall. Daher sollte man schon „vor“ Abschluss einer Versicherung wissen, wie die Brauchbarkeit von Hunden nachzuweisen ist. Ob die formlose Bescheinigung eines „Fachmanns“ aus Hegering oder Kreisjägerschaft, wonach Ihr Hasso zweifelsohne brauchbar sei, vom Versicherer noch genauso formlos anerkannt wird, wenn Hasso vor einen voll besetzten Reisebus läuft, darf im Einzelfall bezweifelt werden …

 

Wer mit ungeprüften Hunden (versicherungsrechtlich) auf Nummer sicher gehen will, sollte nach einer Gesellschaft suchen, die diese gegen geringen Aufpreis von vornherein mitversichert.

 

- Ausschluss vom Einwand des Verschuldens-Prinzips bei Waffengebrauch Im Versicherungsrecht gilt generell das Verschuldens-Prinzip, was im Einzelfall fatale Folgen haben kann: Stellt ein Gutachter fest, dass durch Unfall mit einer Schusswaffe den Unglücksschützen gar keine Schuld trifft – etwa weil infolge des Schusswinkels nicht zu erwarten war, dass jemand gefährdet werden konnte … zahlt die Versicherung keinen Euro! Um sich (v. a. seine Mitjäger) vor diesem Schicksal zu schützen, sollte man eine Versicherung abschließen, die auf den „Einwand der Verschuldenshaftung bei Schusswaffengebrauch“ verzichtet. Die nämlich reguliert im Schadensfall für mich auch Schäden, die ich streng formal nicht verschuldet habe. Zum Wohle aller. Während die Deckungserweiterung zum Inverkehrbringen von Wildbret (Produkthaftung) oder beim Schuss auf nicht dem Jagdrecht unterliegende Arten (Bisam, Nutria, Kormoran) heute erfreulicherweise von nahezu allen Versicherern vollzogen wurde, lauern anderswo noch Fußangeln:

 

  • Mitversicherung von Drohnen
  • Deckungserweiterung für mitjagende Verwandte (sog. VerwandtenKlausel) Deckung für Auslandsjagden

 


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Worauf man sonst noch achten muss

Ein Blick auf die aktuellen Prämien zeigt, dass man schon für unter 50 € einen vernünftigen Schutz erhält. Weil in Schießkinos nicht mit Laserwaffen geübt wird, sondern echte Geschosse durch die Gegend fliegen, kommt es durch oft viel zu hart stehende Abzüge leider immer wieder zu Wand-, Boden- und Deckentreffern. Dafür ist man meist mit rund 100 Euro dabei, vor Ort zu zahlen. Solche Schäden erstattet Ihre Jagdhaftpflicht zwar in der Regel anstandslos, doch ist es in jüngster Vergangenheit leider auch zu ganz anderen Schadensverläufen gekommen. So geistert im abgelaufenen Jagdjahr ein Fall durch die Statistiken, bei dem ein Schütze im Kino nicht nur die aufwendige Lüftungsanlage zerstörte, sondern durch den Rückpraller auch noch eine Aufsicht schwer verletzt wurde – mit horrenden Arzt-, Reha- und Rentenforderungen. Sie sollten generell keine Tarife mit Selbstbeteiligungen abschließen.

 

Die einfache Rechenaufgabe, was wohl besser ist – 20 € mehr Jahresprämie oder allein 100 € für jeden Allerweltschaden im Schießkino, von Kleidungsschäden durch Hunde ganz zu schweigen – wird sicher jeder selbst lösen können … Auch als Nicht-Hundehalter sollte man keinen Tarif ohne Hundehaltung wählen. Zum einen schaffen Sie sich ja vielleicht doch in der Laufzeit einen an, andererseits sprengen solche Tarife die Solidargemeinschaft aller Jäger, also auch der, die dringend auf Hunde anderer Jäger angewiesen sind. Wer seinen Hund anderswo betreuen lässt oder schon mal geliehene Autos bewegt (alles Fälle, in denen es zu Schäden kommen kann, die nicht jede JHV ohne Weiteres abdeckt !), sollte sich ausführlich mit dem Kleingedruckten auseinandersetzen – oder gleich einen freundlichen Agenten in Anspruch nehmen.

 

 


Wie man sparen kann

Bei Gruppenverträgen ziehen Hegeringe und Kreisjägerschaften die Prämien in eigener Regie ein, Versicherer sind da zu Abschlägen bereit. Makler bieten meist interessante Rahmenverträge (s. Download-Datei). Viele Gesellschaften bieten Nachlässe für Berufsjäger, Förster, Jagdaufseher, Polizisten und den Öffentlichen Dienst, und ab fünf Jahren Laufzeit sollten mind. drei Prozent Rabatt drin sein. Fazit: Bezogen auf die jährlichen Gesamtausgaben bei der Jagd sind Versicherungskosten verschwindend gering. Dennoch können Sie mit unseren Übersichten und Tipps sparen – aber tun Sie dies an der richtigen Stelle!

 

Matthias Kruse

 


Weitere Vergünstigungen für LJV-Mitglieder

Gothaer (Hunde unbegrenzt)

 

3 Mio. €

40,78 statt 53,03 €

3 Jahre: 115,74 statt 151,08 €

 

6 Mio. €

45,18 statt 59,63€

3 Jahre: 128,41 statt 19,97 €

 

15 Mio. €

60,86 statt 77,37 €

3 Jahre: 173,43 statt 220,48 €

 

20 Mio. €

65,27 statt 83,68 €

3 Jahre: 186,03 statt 238,51 €

 

Ansprechpartner:

Abt. KP-Spez,

Servicebereich Jagd/Göttingen

Tel. 05 51/7 01-5 42 65 o. 01 60/8 89 58 36

E-Mail: dirk_van_der_sant@gothaer.de, www.gothaer.de/jagd

 

 

LVM (Hunde unbegrenzt)

 

5 Mio. €

46,17 statt 62,65 €

3 Jahre: 138,52 statt 187,96 €

 

10 Mio. €

55,41 statt 75,18 €

3 Jahre: 166,22 statt 225,55 €

 

Ansprechpartner:

jede LVM-Agentur vor Ort oder LVM,

Abt. Haftpflicht,

Herr Bertelt,

Tel. 02 51/7 02-11 74, Fax: 02 51/7 02-99 11 74,

E-Mail: a.bertelt@lvm.de

 

 

ZURICH (Drei jagdl. ausgebildete Hunde)

 

50 Mio. €

55,26  statt 64,97€

3 Jahre 165,79 statt 195,06€

 

Ansprechpartner:

Zurich Gruppe Deutschland,

Geschäftsstelle Christian Korr,

Malmedyer Str. 30,

52066 Aachen,

Tel. 0241/57901630,

E-Mail: christian.korr@zuerich.de

 

 

s. a. www.ljv-nrw.de

 

 


Wenn man wechseln will

  • Die Kündigungsfrist beträgt drei Monate. Wer zur Lösung seines nächsten Jagdscheins (1. 4. 2020) die Versicherung wechseln will, muss spätestens bis zum 31.12.2019 seiner jetzigen Versicherung kündigen.
  • Kündigen kann man nur zum Ablauf des Jagdscheins. Wer einen Dreijahres-Jagdschein gelöst hat, kann also erst zum Ende der Laufzeit kündigen.
  • Eine formlose Kündigung könnte etwa so aussehen:
    Kündigung meiner Jagdhaftpflichtversicherung Vertr.-Nr. 123 „Hiermit kündige ich meine o. g. Versicherung fristgemäß zum 31.03.2020. Ich bitte um eine kurze Bestätigung.“
  • Sicherheitshalber sollte die Kündigung per Einschreiben verschickt werden.
  • Bitten Sie Ihre neue Versicherung rechtzeitig vor Verlängerung des Jagdscheins um eine Bestätigung.

 


Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 12/2019 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

RWJ 12/2019: Jagdhaftpflichtversicherung 2020


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