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RWJ 12/2018: Jagdhaftpflicht 2019/20

Richtig versichern!

Rein statistisch gesehen muss wieder ein Drittel aller Jäger zum 1. April 2019 seinen „grünen Lappen“ verlängern. Ohne den Nachweis einer gelösten Jagdhaftpflichtversicherung (JHV) läuft dabei nichts. Doch es gibt viel mehr als einen Grund, warum jeder Jäger wenigstens dies eine Mal genauer auf seine eigene Versicherung schauen sollte – und zwar nicht nur auf die Kosten dafür.

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Ohne brauchbare Hunde geht oft gar nichts – doch leider verursachen Vierbeiner auch den Großteil der Schäden – was angesichts solcher Situationen auch kein Wunder ist … Foto: M. Breuer

Beginnen wird auch das neue Jagdjahr mit einer „Dauer-Baustelle“: Noch immer kommt der Gesetzgeber nicht „in die Pötte“, uralte und längst überfällige Deckungssummen der JHV („500 000 € für Personen- und 50 000 € für Sachschäden“) an heutige Gegebenheiten anzupassen, wie es etwa bei der KFZ-Haftpflicht bereits vor Jahrzehnten passierte. Damit kann ich als verantwortlicher Jagdleiter bis heute nicht ausschließen, dass meine Gäste an Gesellschaftsjagden trotz gültigen Jagdscheins (!) de facto unterversichert sind und so für den Rest der Gesellschaft zum unkalkulierbaren Risiko werden.

 

Dazu muss das Bundesjagdgesetz geändert werden (§ 17 (1) 4) – eigentlich nur eine längst überfällige Lapalie. Sollte man meinen. Dennoch passiert auch nach Jahrzehnten eines erkannten Missstandes ... nix. Nach unzähligen Hintergrundgesprächen mit Versicherungsexperten der Branche und jagd-affinen Bundestagsabgeordneten bestätigt einem wirklich JEDER, dass man damit recht hat – und die Politik „das Problem natürlich längst erkannt hat“. Diese Formulierung und die damit verbundene Nicht- Umsetzung erinnert an fatale Verdrängungsmechanismen in der DDR, wo man auch immer „alle Probleme erkannte“... Eine „große“ Jagdrechtsnovelle, die wegen Abstimmungsproblemen zwischen Landwirtschafts- und Umweltministerium sowie dem „Fingerhakeln“ unter den Bundesländern sowieso bis auf den St. Nimmerleinstag verschoben wird, bräuchte es dazu gar nicht. Warum man das Ganze aber nicht durch ein einfaches Artikelgesetz (kleines Einmaleins im parlamentarischen Alltag) lösen kann, weiß auch in Berlin so recht keiner.

 

Somit bleibts auch 2019 beim Skandal, dass die Mindestdeckung der JHV noch immer nicht auf ein vernünftiges Maß angehoben ist. Wir werden diesen Missstand auch weiter so lange beim Namen nennen, bis das Jagdgesetz an dieser Stelle endlich geändert wird!

Kleingedrucktes für Fortgeschrittene

Wie der Name „Haftpflicht“ schon sagt, handelt es sich bei so einer Versicherung nicht um irgendetwas frei Wählbares. Genauso, wie man kein Auto anmelden kann, ohne die entsprechende Police nachzuweisen, wird hierzulande auch kein Jagdschein ausgestellt, wenn dieses Papier fehlt. Dabei hat sich der Gesetzgeber auch etwas gedacht – so wird sichergestellt, dass bei grundsätzlich „schadensgeneigten Tätigkeiten“ wie der Teilnahme am Straßenverkehr oder der Jagdausübung Geschädigte nicht auf erheblichen Forderungen (Schmerzensgeld, Schadenersatz, Verdienstausfall, Berufsunfähigkeit u. v. m.) sitzen bleiben, wenn der Verursacher des Schadens dafür nicht aufkommen kann. Deshalb hat der Gesetzgeber Konditionen festgelegt, damit genau das nicht passiert. Elementarer Bestandteil davon sind Mindestdeckungssummen, die zur Regulation zur Verfügung stehen müssen – laut Pflichtversicherungsgesetz im Kfz- Bereich für Personenschäden 7,5 Mio. €, üblich sind aber sogar 50 bis 100 Mio. €. Spätestens an dieser Stelle wird die Dimension der lächerlichen 500 000 € bei der JHV überdeutlich. Bis auf diese Überwachung, die schon lange keine mehr ist, lässt das Gesetz den Versicherungen völligen Freiraum. Kein Wunder, dass diese Freiheit exzessiv genutzt wird – durch die unzähligen Verästelungen des berüchtigt Kleingedruckten steigt man kaum noch durch. Deshalb hier noch einmal Bestandteile, die eine vernünftige JHV 2019 enthalten sollte:

 

  • Deckungssumme mindestens 5, besser 10 oder 15 Mio. €
  • Forderungs-Ausfalldeckung („am besten ohne Selbstbeteiligung/SB“):

Dieses Kunstwort kann die Rettung für Opfer schwerer Jagdunfälle sein (nicht medizinisch – keine noch so gute Versicherung kann das unendliche Leid aufwiegen, das schwer verletzte, gar ihr Leben lang erwerbsunfähige Opfer von Jagdunfällen überkommt). Zu diesem Drama kann aber wegen der skandalösen Untätigkeit des Gesetzgebers noch ein weiteres kommen – unverschuldete Opfer von Jagdunfällen bleiben nämlich auf den Kosten für Behandlung, Reha und erst recht Verdienstausfall sitzen, wenn der Verursacher nur zur gesetzlichen Mindestdeckung versichert war. Angesichts heutiger Krankenhaus- und Reha-Kosten, erst recht jahrzehntelanger Rentenzahlungen sind 500 000 € im Nu weg. Wenn der Schädiger dann mit seinem Privatvermögen haftet, gucken Opfer ganz schnell in die Röhre! An dieser Stelle kann ausnahmsweise die eigene Jagdhaftpflicht einspringen – bei einer „Forderungsausfall-Deckung kommt meine eigene Versicherung für Ansprüche auf, die mir als Geschädigtem zustehen, wenn weder der Verursacher noch dessen Versicherung aufkommt. Diese werden mir dann bis zur Höhe meiner eigenen Deckung von meiner Versicherung erstattet. Auf diese „Krücke“ sollte man so lange nicht verzichten, wie man nicht wissen kann, wie viele unterversicherte Mitjäger als „tickende Zeitbomben“ noch in unseren Revieren unterwegs sind – Insider gehen davon aus, dass durch gedankenlos fortgeschriebene Altverträge noch bis zu 20 Prozent aller Jäger zu dieser Risikogruppe gehören könnten, genaue Zahlen dazu gibts leider nirgendwo. Gottseidank werden neue Verträge mit gesetzlicher Deckung nahezu überhaupt nicht mehr angeboten.

 

  • Glasklare Aussagen zum Deckungsumfang von Schäden durch Jagdhunde

Nach wie vor verursachen Hunde vier Fünftel aller gemeldeten Schäden (!) in der JHV – meist Bagatellschäden außerhalb des Jagdbetriebs, für die „normale“ Halter sonst Hundehaftpflichtversicherungen abschließen müssen (die ein Mehrfaches der Jagdhaftpflicht kosten). Hundeführer sollten auf jeden Fall klären, „wie viele“ Hunde maximal mitversichert sind (meistens zwei, bis zu fünf). Ebenso wichtig ist die Frage, bis zu welchem Alter Welpen als mitversichert gelten (mind. 12, besser 24 Monate). Dauerstreit-Thema ist die Frage, welche Hunde überhaupt mitversichert sind, in schöner Regelmäßigkeit kommt es dabei zu Streit um den Begriff „brauchbar“: Als brauchbar gelten unzweifelhaft Jagdhunde mit entsprechender Prüfung (Brauchbarkeitsprüfungen und gleichbzw. höherwertigere Prüfungen der Zuchtvereine). Solange nichts passiert, will ihre Gesellschaft dafür auch keinen Nachweis, Ärger droht in der Regel erst im Schadensfall. Daher sollte man schon „vor“ Abschluss einer Versicherung wissen, wie die Brauchbarkeit von Hunden nachzuweisen ist. Ob die formlose Bescheinigung eines „Fachmanns“, wonach Ihr Hasso zweifelsohne brauchbar sei, vom Versicherer genauso formlos anerkannt wird, als würde Hasso vor einen vollbesetzten Reisebus laufen, darf im Einzelfall bezweifelt werden …

 

Wer mit ungeprüften Hunden (versicherungsrechtlich) auf Nummer sicher gehen will, sollte nach einer Gesellschaft suchen, die diese gegen geringen Aufpreis von vornherein mitversichert. Die HDI etwa verzichtet auf Prüfungsnachweise und sieht jeden Hund als mitversichert an, der einer „anerkannten Jagdhunderasse“ angehört – noch besser.

 

  • Ausschluss vom Einwand des Verschuldens- Prinzips bei Waffengebrauch

Im Versicherungsrecht gilt generell das Verschuldens-Prinzip, was im Einzelfall fatale Folgen haben kann: Stellt ein Gutachter fest, dass durch einen Unfall mit einer Schusswaffe den Unglücksschützen gar keine Schuld trifft – etwa weil infolge des Schusswinkels nicht zu erwarten war, dass jemand gefährdet werden konnte … zahlt die Versicherung keinen Euro! Dass es durch diese völlig legale Rechtsauslegung zu höchst ungerechten Folgen für alle Beteiligten kommen kann, braucht man nicht näher zu erläutern. Um sich davor zu schützen, sollte man eine Versicherung abschließen, die auf den „Einwand der Verschuldenshaftung bei Schusswaffengebrauch“ verzichtet. Die nämlich reguliert im Schadensfall für mich auch Schäden, die ich streng formal nicht verschuldet habe.

 

Zum Wohle aller. Während die Deckungserweiterung für das Inverkehrbringen von Wildbret (Produkthaftung) oder beim Schuss auf nicht dem Jagdrecht unterliegende Arten (Bisam, Nutria, Kormoran) heute erfreulicherweise von nahezu allen Versicherern vollzogen wurde („traurige Ausnahmen 2019: ARAG, Alte Leipziger, HDI, Signal Iduna, Die Bayerische, Lippische, R&V kein Kormoran“), lauern anderswo noch Fußangeln:

 

  • Mitversicherung von Drohnen
  • Deckungserweiterung für mitjagende Verwandte (sog. Verwandten-Klausel)
  • Deckung für Auslandsjagden

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Worauf man sonst noch achten muss

Ein Blick auf die aktuellen Prämien zeigt, dass man schon für unter 50 € einen Schutz erhält, der seinen Namen auch verdient. Weil in Schießkinos nicht mit Laserwaffen geübt wird, sondern echte Geschosse durch die Gegend fliegen, kommt es durch oft viel zu hart stehende Abzüge leider immer wieder zu Wand-, Boden- und Decken treffern. Dafür ist man meist mit rund 100 Euro dabei, vor Ort zu zahlen. Solche Schäden erstattet Ihre Jagdhaftpflicht zwar in der Regel anstandslos, doch ist es in jüngster Vergangenheit leider auch zu ganz anderen Schadensverläufen gekommen. So geistert im abgelaufenen Jagdjahr ein Fall durch die Statistiken, bei dem ein Schütze im Kino nicht nur die aufwendige Lüftungsanlage zerstörte, sondern durch den Rückpraller auch noch eine Aufsicht schwer verletzt wurde – mit horrenden Arzt-, Reha- und Rentenforderungen.

 

Sie sollten generell keine Tarife mit Selbstbeteiligungen abschließen. Die einfache Rechenaufgabe, was wohl besser ist – 20 € mehr Jahresprämie oder allein 100 € für jeden Allerweltschaden im Schießkino, von Kleidungsschäden durch Hunde ganz zu schweigen – wird sicher jeder selbst lösen können …

 

Auch als Nicht-Hundehalter sollte man keinen Tarif ohne Hundehaltung wählen. Zum einen schaffen Sie sich ja vielleicht doch in der Laufzeit einen an, andererseits sprengen solche Tarife die Solidargemeinschaft aller Jäger, also auch der, die dringend auf Hunde anderer Jäger angewiesen sind. Wer seinen Hund anderswo betreuen lässt oder schon mal geliehene Autos bewegt (alles Fälle, in denen es zu Schäden kommen kann, die nicht jede JHV ohne Weiteres abdeckt !), sollte sich ausführlich mit dem Kleingedruckten auseinandersetzen – oder gleich einen freundlichen Agenten in Anspruch nehmen.

 

 


Wie man sparen kann

Bei Gruppenverträgen ziehen Hegeringe und Kreisjäger schaften die Prämien in eigener Regie ein, Versicherer sind da zu Abschlägen bereit. Makler bieten meist interessante Rahmenverträge (s. Tabelle Makler). Aber auch die Unterschiede normaler Verträge sind enorm – bei der 5 Mio. €-Deckung zahlt man für die teuerste Gesellschaft fast 100 € mehr!

 

Die jeweils günstigsten und teuersten Anbieter 2019/20:

3 Mio. € pauschal:

Inter (sogar 6 Mio. !!) 34,75 €

Concordia 54,74 €

 

5 Mio. € pauschal:

Gegenseitigkeit/GVO 29,77 €

Ergo 92,21 €

 

10 Mio. € pauschal:

ArGe Baden-Württemberg 41,00 €

Ergo 97,06 €

 

Viele Gesellschaften bieten Nachlässe für Berufsjäger, Förster, Jagdaufseher, Polizisten und den öffentlichen Dienst und ab fünf Jahren Laufzeit sollten mind. drei Prozent Rabatt drin sein.

 

Fazit: Bezogen auf die jährlichen Gesamtausgaben bei der Jagd sind Versicherungskosten verschwindend gering. Dennoch können Sie mit unseren Übersichten und Tipps sparen – aber tun Sie dies an der richtigen Stelle !

 

Matthias Kruse

 

 

 


Weitere Vergünstigungen für LJV-Mitglieder

Gothaer (Hunde unbegrenzt)

 

3 Mio. €

38,85 statt 50,50 €

3 Jahre: 110,24 statt 143,90 €

 

6 Mio. €

43,04 statt 56,80 €

3 Jahre: 122,31 statt 161,90 €

 

15 Mio. €

57,96 statt 73,71 €

3 Jahre: 165,20 statt 209,99 €

 

20 Mio. €

62,17 statt 79,71 €

3 Jahre: 177,18 statt 227,16 €

alle Preise bei Vertragsabschluss bis 31.3.2019, danach 5 Prozent mehr

 

Ansprechpartner:

Abt. KP-Spez,

Servicebereich Jagd/Göttingen

Tel. 05 51/7 01-5 42 65 o. 01 60/8 89 58 36

E-Mail: dirk_van_der_sant@gothaer.de, www.gothaer.de/jagd

 

 

LVM (Hunde unbegrenzt)

 

5 Mio. €

46,17 statt 62,65 €

3 Jahre: 138,52 statt 187,96 €

 

10 Mio. €

55,41 statt 75,18 €

3 Jahre: 166,22 statt 225,55 €

 

Ansprechpartner:

jede LVM-Agentur vor Ort oder LVM,

Abt. Haftpflicht,

Herr Bertelt,

Tel. 02 51/7 02-11 74, Fax: 02 51/7 02-99 11 74,

E-Mail: a.bertelt@lvm.de s. a. www.ljv-nrw.de

 

 


Wenn man wechseln will

  • Die Kündigungsfrist beträgt drei Monate. Wer zur Lösung seines nächsten Jagdscheins (1. 4. 2019) die Versicherung wechseln will, muss spätestens bis zum 31. 12. 2018 seiner jetzigen Versicherung kündigen.
  • Kündigen kann man nur zum Ablauf des Jagdscheins. Wer einen Dreijahres-Jagdschein gelöst hat, kann also erst zum Ende der Laufzeit kündigen.
  • Eine formlose Kündigung könnte etwa so aussehen:
    Kündigung meiner Jagdhaftpflichtversicherung Vertr.-Nr. 123 „Hiermit kündige ich meine o. g. Versicherung fristgemäß zum 31. 3. 2018. Ich bitte um eine kurze Bestätigung.“
  • Sicherheitshalber sollte die Kündigung per Einschreiben verschickt werden.
  • Bitten Sie Ihre neue Versicherung rechtzeitig vor Verlängerung des Jagdscheins um eine Bestätigung.

 


Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 12/2018 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

RWJ_12/2018:Jagdhaftpflicht_2018


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