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Aus RWJ 10/2019

Die waffenlose Zeit in Wort und Karikatur

Wer zu Beginn des Zweiten Weltkriegs schon gelebt hat, ist heute mindestens 80 Jahre und wird die Nachkriegszeit im 1946 gegründeten Bundesland Nordrhein- Westfalen oft nur in kindlicher Wahrnehmung bewusst erlebt haben.

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Zeitzeugen wie Günther Schlieker gibt es kaum noch, und deshalb ist seine im Heider Verlag in Bergisch Gladbach erschienene Schrift „Die Jagd in Nordrhein- Westfalen nach dem 2. Weltkrieg“ eine Rarität (ISBN 978-3-947779-05-5). Es war für Deutsche die „waffenlose“ Zeit der britischen Sieger- und Besatzungsmacht. Der Autor der Broschüre im DIN A 4- Format beschreibt die für die entwaffneten Jäger schwierige Situation. Während die Wildbestände in die Höhe gingen, standen auf Waffenbesitz schwere Strafen der Besatzungsmacht. Abgesehen vom interessanten Stück Jagdgeschichte aus jener Zeit waren die damals von dem legendären Karikaturisten Heinz Geilfus gefertigten, ebenso einfallsreichen wie humorvollen Zeichnungen ein passender Anlass für die Veröffentlichung Schliekers. Zu den zwölf abgedruckten Zeichnungen gehört jener subtile Jäger, der mit Schmetterlingsnetz und Hund auf Insektenjagd geht, oder ein anderer Nimrod, der sich des groben Keilers mit seinem Sitzstock erwehrt.

 

Nicht zuletzt sind jene tiefen Lagerstätten, in denen manch liebevoll geölte Jagdwaffe ihrer Wiederauf erstehung harrte, Gegenstand der gezeichneten Geilfus-Werke. Längst nicht alle hatten ihre Jagdwaffen den Briten komplett übergeben, sondern sie unter irdisch zur hoffentlich vorübergehenden Ruhe gebettet. 1952 war dieser Teil der Nachkriegszeit endgültig vorbei, und in Nordrhein-Westfalen hatten die Jäger die Jagdhoheit samt Flinten und Büchsen wiedererlangt.

 

Ludger Baumeister

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