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RWJ 03/2022: Editorial

Unruhige Zeiten

Als wir am 1. Februar aufwachten, war nichts mehr wie am Abend zuvor. Entsetzt, schockiert und sprachlos stand eine ganze Nation vor der furchtbaren Gewalttat von Kusel, bei der eine junge Polizistin und ihr Kollege ermordet wurden.

Heitzig Nicole

In Abscheu, Ekel und Trauer mischten sich für uns aber noch ganz andere Gefühle, als die Medien schnell spekulierten, die mutmaßlichen Täter stammten aus dem „Umfeld der Jagd“. Heute weiß man, dass wohl skrupellose Wilderer die jungen Polizisten geradezu „hingerichtet“ haben. Schlimm genug, was in Kusel passierte – aber nicht auszudenken, diese Schreckenstat wäre von jemand mit Jagdschein, mit legalen Waffen verübt worden. Vor diesem Hintergrund dürfen wir dankbar dafür sein, dass die Pressestelle des Deutschen Jagdverbandes in diesen extrem angespannten Tagen im Hintergrund einen wirklich tollen Job gemacht hat. Ich würde mich auch sehr darüber freuen, wenn die Jägerinnen und Jäger in Nordrhein-Westfalen über die Trauer der ersten Tage hinaus ein Zeichen der Solidarität mit den getöteten Polizisten und ihren Familien geben – Hinweise dazu finden Sie hier.

Auch alles andere als von uns gewünscht sind Entwicklungen in Brandenburg und Rheinland-Pfalz, wo jagdrechtliche Novellen in die völlig falsche Richtung laufen und mögliche weitere Verschärfungen im Waffenrecht (mehr dazu in den nächsten Ausgaben des RWJ). Auch wenn im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung erfreulich wenig Anti-Jagd-Parolen zu finden sind, sollten wir uns nichts vormachen – der Wind für Jagd und Jäger kommt weiter von vorn, und zwar heftig. Ermuntert von geistigen Brandstiftern à la PETA fuhren die Grünen in Dortmund eine Attacke gegen die Messe Jagd & Hund: Die Stadt als Besitzerin der Messegesellschaft solle dafür sorgen, dass dort keine Trophäen-Jagdreisen mehr angeboten werden dürften. Mithilfe fundierter Stellungnahmen von LJV, DJV, CIC und Jagdorganisationen aus dem süd lichen Afrika (etwa der namibische Berufsjägerverband NAPHA) konnte eine Mehrheit im Stadtrat erfreulicherweise davon überzeugt werden, diesen Antrag abzulehnen.

Auch rund um den Wolf kommt es nicht zur Ruhe – während Übergriffe auf Nutztiere von Gloria und ihrem unseligen Rudel am Nordrand des Ruhrgebiets kein Ende nehmen, läuft im Düsseldorfer Landtag die Anhörung der Verbände zu einer NRW-Wolfsverordnung. Der Landesjagdverband stellt sich dabei eindeutig auf die Seite der Betroffenen im ländlichen Raum – aber auch vor Jäger, die im Falle behördlich beschlos sener Entnahmen auf den strikten Schutz ihrer Anonymität angewiesen sind.

Von elementarer Bedeutung für die Zukunft der Jagd hier bei uns sind die Landtagswahlen am 15. Mai – im April- und Mai-RWJ werden wir Ihnen dazu alle nötigen Infos und die Antworten der Parteien auf unsere Wahlprüfsteine liefern.

Leider zwingen uns all‘ solche Entwicklungen immer wieder zu Reaktionen, Antworten und Rechtfertigungen – ohne selbst einmal positiv in die Schlagzeilen zu kommen. Umso wertvoller war daher in den letzten Wochen die Meldung von der Rückkehr des Fischotters in die Lippe-Auen. Darüber können gerade wir Jäger uns freuen, denn dahinter steckt auch eine Erfolgsgeschichte der immer wieder kritisierten Fangjagd in NRW (s. „Otter-Nachweis an der Lippe"). Der Landesjagdverband betreibt nicht nur Krisenmanagement – wir werden uns weiter mit aller Kraft für die Zukunft der Jagd einsetzen. Versprochen!

 

Editorial

Zum Titelbild: Das Frühjahr ist die klassische Zeit der Revierarbeiten.

 

Titelbild: K. - M. Breuer

 


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