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RWJ 09/2021: Editorial

Staatsbürger in Jägergrün

Was erwarten Sie wohl von der LJV-Präsidentin für einen Leitartikel im Monat der Bundestagswahl? Mancher wünscht sich da eine deutliche Richtschnur – welches Parteiprogramm entspricht am ehesten den Forderungen und Wünschen der Jäger?

Editorial

Nicole Heitzig Präsidentin des Landesjagdverbandes NRW, Bild: K.-H. Volkmar

Antworten darauf sucht der DJV auf einer speziellen WahlHomepage (s. Flutkatastrophe in NRW). Doch Sie und ich wissen, wie sehr sich die politische Realität von Wahlprogrammen unterscheidet. Daher halte ich es für mindestens genauso wichtig, wie glaubwürdig Parteien uns vor der Wahl vermitteln, dass ihnen unsere Interessen wirklich wichtig sind, wenn‘s in den Koalitionsverhandlungen nach der Wahl ernst wird mit der Umsetzung von Wahlversprechen.

Ich kenne allerdings keine Jägerin und keinen Jäger, die oder der seine beiden Kreuze am 26. September ausschließlich aufgrund jagdpolitischer Äußerungen von Parteien abgibt. Analog zum zentralen Selbstverständnis unserer Bundes-

wehrsoldaten („Staatsbürger in Uniform“) ist auch jeder Jäger ein Staatsbürger in Jägergrün: Alle Bundesbürger – und damit auch alle Jäger – sind politisch frei. Frei und unabhängig, zur Wahl zu gehen (oder auch nicht) und frei im Urteil ihrer Stimmabgabe. Und das ist sicher auch gut so.


Also – auch wenn Sie persönlich als Jägerin und Jäger in NRW von mir erwarten, dass Ihnen der Landesjagdverband eine Richtschnur gibt, bleibt dennoch die unbedingte parteipolitische Neutralität einer unserer höchsten Werte. Man braucht kein Insider zu sein, um meine eigene politische Heimat zu ergründen – und dennoch würde ich diese niemals in eine Wahlempfehlung münden lassen. Genauso wenig wie unser Vizepräsident Hans-Jürgen Thies, der als Abge-

ordneter im Bundestag in diesem RWJ die Jagdpolitik der abgelaufenen Legislaturperiode Revue passieren lässt (s. Jagdpolitischer Rück- und Ausblick).

Der LJV NRW ist überparteilich und neutral, wir sind aufgerufen, nach Wahlen

auf Bundes- und Landesebene (2022) mit jeder Regierung um die besten Wege für Jagd und Jäger zu ringen. Ganz egal, wer diese Regierung auch stellen mag, wird es dabei um die Kunst des Machbaren gehen. Insofern müssen wir dialog-

fähig sein mit allen Parteien des politischen Spektrums – allerdings mit einer nicht ganz unwichtigen Einschränkung: Sie müssen auf dem Boden unserer demokratischen Grundordnung stehen.


Wie wenig bestimmte gesellschaftliche Gruppierungen davon beseelt sind, konnte man vor wenigen Tagen beim sog. Nationalen Waldgipfel bei Exförster Wohlleben erfahren: Bei einer Diskussion um die Zukunft der Jagd fabulierte eine selbsternannte Wildtier-Expertin von PETA abstruseste Thesen zu generellen Jagdverboten, der Leiter der Lübecker Forsten forderte gar, jede Diskussion über neue Jagdgesetze generell ohne Beteiligung der Jäger zu führen! Ob gegenüber PETA, Fridays for Future, NABU oder BUND, im parteipolitischen Diskurs, egal ob im Fernsehen, der Zeitung oder über Social Media – wir Jäger werden die Verantwortlichen immer daran erinnern, dass wir erstens in einer Kulturlandschaft leben und zweitens in einem Rechtsstaat – und nicht im Pippi-Langstrumpf-Land, das wir uns machen können, grad’ wie es uns gefällt!

Wenn Sie uns dabei unterstützen wollen, dann machen Sie bitte am

26. September von Ihrem Recht als Staatsbürger in Jägergrün Gebrauch und gehen zur Bundestagswahl – Sie werden schon wissen, wo unsere Interessen

am nachhaltigsten vertreten werden!

 

Zum Titelbild:

Editorial

Im Nebel... fasziniert uns in diesen Tagen nicht nur die Brunft mit manch geisterhafter Begegnung. Im Verborgenen liegt auch der Ausgang der Bundestagswahl...und seine Konsequenzen für Jagd und Jäger.

 

Titelbild: M. Breuer


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