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RWJ 11/2021: Editorial

Respekt vor der Schöpfung

Am Hubertustag (3. November) gedenken wir Jäger in Nordrhein-Westfalen und ganz Deutschland unseres Schutzpatrons Sankt Hubertus, dem Pfalzgraf von Burgund.

Editorial

Nicole Heitzig Präsidentin des Landesjagdverbandes NRW, Bild: K.-H. Volkmar

Der Legende nach war Hubertus ein wilder und maßloser Jäger, den erst die Begegnung mit einem Hirsch bekehrte, zwischen dessen Geweihstangen ein Kreuz erschien. Hubertus erkannte, dass Jagd eben gerade kein Selbstzweck ist, sondern ein Dienst an der Natur mit großer Verantwortung.

Heute kann man die Hubertus-Geschichte als Grundstein für die nachhaltige und waidgerechte Jagd ansehen. Überall im Lande finden zum Gedenken an den HeiligGesprochenen traditionelle Hubertusmessen statt, bei denen in feierlich geschmückten Kirchen Jagdhörner hell erklingen. Nachdem im letzten Jahr aufgrund der CoronaAuflagen all diese Messen ausfallen mussten, können nun endlich wieder die Hörner im ganzen Land von unserer Passion künden – und nicht nur bei Jägern erzeugen diese Klänge häufig Gänsehaut.

Der Hubertustag bildet vielerorts auch den „Startschuss“ für die ersten Treib-

und Drückjagden, endlich können wir mit Freunden wieder gemeinsam unserer Passion nachgehen und ernten, was wir gehegt haben. Das Abschöpfen des Zuwachses und der Genuss des erbeuteten Wildbrets stehen nicht etwa im Widerspruch zum Grundsatz der Hege, sondern gehen mit diesem Hand in Hand.

Nordrhein-Westfalens Jägerinnen und Jäger leisten ganzjährig ihren Beitrag für die Allgemeinheit und gehen mit großem Sach- und Fachverstand nicht nur auf die Jagd. Sie schaffen Lebensräume, um vielen Arten – von der Wildbiene über Schmetterlinge und Feldhasen bis hin zu Fasan und Rebhuhn in unseren landwirtschaftlich genutzten Feldfluren noch eine Chance zu bieten. Sie legen Wildäcker und Wildwiesen an, sorgen für Blühstreifen und abwechslungsreiche Hecken. Sie bejagen Prädatoren und invasive Arten. Sie handeln dabei aus Respekt vor der Schöpfung und zeigen ihre innere Einstellung im täglichen Handeln in den Revieren.

Wir verstehen uns nicht als reine „Wildtiermanager“, die nur für die Reduktion

des Schalenwildes oder zur Schadenminderung zur Jagd gehen. Nein, wir sind passionierte Jäger, die mit Freude Beute machen und dabei nachhaltig und waidgerecht handeln. Als Tugend ist Waidgerechtigkeit eine innere Haltung einer Jägerin oder eines Jägers. Wer waidgerecht handelt, empfindet Freude an der Jagd, ist fähig zur Selbstbeschränkung und zeichnet sich durch Treffsicherheit aus.

Jagen wir also mit Herz und Verstand und mit handwerklichem Können – wer bis jetzt noch nicht auf dem Schießstand oder im Schießkino war, für den wirds nun allerhöchste Zeit, nicht nur den Übungsnachweis zu erbringen.

Waidmannsheil !

 

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Zum Titelbild: Zwischen Rhein und Weser liegt mittlerweile DAS Gänseland in Deutschland. In dieser Ausgabe befassen wir uns in einem Schwerpunkt mit der Bejagung von Nil-, Kanadaund Graugänsen – von der richtigen Ausrüstung und Strategie bis zur sinnvollen und leckeren Verwertung.

 

Titelbild: M. Breuer

 


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