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RWJ 06/2021: Editorial

Grenzen überwinden

Jagd und Naturschutz sind für manchen Jäger sicher ein Spannungsfeld, für mich dagegen ein Themenbereich, der unabdingbar zusammengehört.

schorn

Lutz Schorn – Vizepräsident des Landesjagdverbandes NRW

Nur zur Klarstellung – ich bin kein weichgespülter Naturschutz-Ideologe, sondern von Herzen aus passionierter Jäger, der für sein Handwerk (nicht Hobby !) mit Überzeugung eintritt. Natürlich liefert die Jagd an sich schon viele überzeugende Argumente (Eigentumsrecht, Wildschadenverhinderung, nachhaltige Nutzung), die sie alternativlos machen. Aber gerade heute, in einer zunehmend jagdkritischen Zeit, ist es auch nötig, über den inneren Kreis der Jagd hinauszudenken.

Ich weiß noch zu gut, dass es nach meiner Wahl zum Vorsitzenden der Jägerschaft Bonn gleich eine der ersten Ideen war, sich bei den örtlichen Naturschutzverbänden als neues Team vorzustellen, um gemeinsam etwas für Natur und Umwelt zu bewegen. Zusammen mit meiner engagierten Stellvertreterin gingen wir auf NABU und BUND zu und ... mussten erstaunt feststellen, dass bei denen kein großes Interesse am gegenseitigen Kennenlernen bestand. Eigentlich ein No-Go.

Doch wir räumten Vorurteile beiseite und blieben hartnäckig, sodass schließlich zwei konstruktive Treffen stattfanden. Als ersten Erfolg schafften wir es, trotz mancher Vorbehalte Respekt füreinander zu entwickeln. Mittlerweile hat sich der Kontakt weiter verbessert. Neben einem gemeinsamen Steinkauz-Projekt ist man im gelegentlichen Austausch – sicher noch keine Glanzleistung, aber doch ein zartes Pflänzchen mit Wachstumspotenzial. Miteinander zu reden, ist allemal besser als übereinander.

Eine weitere Erkenntnis war, dass es in Naturschutzverbänden immer auch Personen gibt, die der Jagd durchaus positiv gegenüberstehen – diese Gruppe gilt es zu finden, um gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, zum Wohle von Natur und Umwelt ! Ideologisch Verbohrte bekommt man sowieso nicht bekehrt.

Sendungsbewusstsein nach dem Motto „Wir sind die besseren Naturschützer“ sollte von keiner Seite ernsthaft gelebt werden – dem Steinkauz ist es grundsätzlich egal, ob Nistkasten und Biotopverbesserung von NABU, BUND oder den Jägern kommen. Einzig die Tatsache, dass es dank gemeinsamer Anstrengungen schon auf Kreisebene vielleicht zwei oder gar drei solcher Projekte gibt, hilft ihm wirklich.

Ich möchte daher alle Jäger ermuntern, auf Naturschutzverbände in ihrem Umkreis zuzugehen, um im respektvollen Gespräch miteinander nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Es gibt sicher auch bei Ihnen einige.

Zudem möchte ich Sie bitten, sich selbst für den Naturschutz einzubringen, wo es zeitlich noch möglich ist. Es gibt viele Wirkungsfelder – mit Nistkasten-Projekten, Drohnen-Kitzrettung, Krötenschutzzaun-Betreuung, Pflege von Streuobstwiesen oder der Anlage von Blühstreifen setzt man selbst im urbanen Umfeld Meilensteine in puncto Öffentlichkeitsarbeit. Beherzigen sollte man dabei das altbewährte Motto Tu Gutes und rede darüber – bieten Sie diesen Einsatz also vor Ort der Presse an, oft sind Lokalzeitungen dankbar dafür. Sie prägen damit in der Öffentlichkeit ein Bild von Jägern, die sich ganz klar für Naturschutz engagieren, was leider vielen in unserer Gesellschaft gar nicht bewusst ist. Gerade mit diesem neuen Bild des Jägers findet die Jagd viel höhere Akzeptanz. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir Jäger diese Akzeptanz gerade im urbanen Umfeld in NRW mehr denn je dringend brauchen, um politisch nicht ins Abseits zu geraten – letztlich entscheiden parlamentarische Mehrheiten auch über unser Tun. Die uns Jägern eigene Begeisterungsfähigkeit für alle Bereiche der Natur wird uns für solche Naturschutzarbeit stets belohnen. Es macht wirklich Freude, eine „etwa andere Beute“ von 117 Erdkröten im Eimer zum nächsten Teich zu tragen, das weiß ich aus diesjähriger eigener Erfahrung.

Gehen wir‘s also mit Herzblut und Passion an – zum Wohle von Natur und Jagd !

 

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