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RWJ 04/2022: Editorial

Darf man jetzt an Böcke denken?

Der Leitartikel im März an dieser Stelle hieß Unruhige Zeiten – doch wer hätte ernsthaft gedacht, dass Russland unter Putins Regie einen furcht-
baren Angriffskrieg auf die Ukraine und ihre Zivilbevölkerung starten würde und dramatische Ereignisse, menschliche Tragödien und Schicksale, die wir in Europa nicht mehr für möglich gehalten hätten, auch unser Leben auf unabsehbare Zeit bestimmen würden?

Heitzig Nicole

Viele Menschen flüchten, finden auch bei uns herzliche Aufnahme und eine

Welle der Solidarität. Unser Dank und Respekt gilt allen, die sich nun tatkräftig engagieren, Spenden sammeln, Wohnraum zur Verfügung stellen oder auf andere Weise helfen, das Leid der Betroffenen zu lindern. Wer helfen möchte, dem seien Aktionen des CIC (www. payment.cic-wildlife.org/purchasable/760) oder des Landwirtschaftsverlags, in dem der RWJ erscheint (www.topagrar.com/ukraine2022) empfohlen.

Wir haben Mühe, uns angesichts täglicher Bilder aus dem Kriegsgebiet und spürbarer Auswirkungen im eigenen Alltag, auf eigene Prioritäten und Aufgaben zu konzentrieren. Wir hoffen auf eine diplomatische Lösung und ein Ende des Krieges – und versuchen gleichzeitig, nicht rund um die Uhr allein schrecklichen Nachrichten zu folgen, sondern draußen im Revier den Frühlingsanfang zu genießen und in diesen Wochen einfach anstehende Arbeiten zu erledigen, wie etwa die Kontrolle der Treffpunktlange unserer Waffen.

Während wir erste Böcke bestätigen, stellt sich die berechtigte Frage, ob man in solchen Zeiten überhaupt noch (Vor-)Freude auf jagdliche Aktivitäten empfinden darf.

Ich sage dazu ganz klar JA, wir können und dürfen nicht in Trübsinn verfallen, sondern sollten uns gerade auch in dieser unruhigen Zeit an dem freuen, was uns bewegt – und an dem arbeiten, was uns weiterbringt!

Bereits in wenigen Wochen stehen bei uns am 15. Mai wichtige Landtags-

wahlen an. Wir Jäger zwischen Rhein und Weser fanden bei der aktuellen Landesregierung stets Gesprächspartner auf Augenhöhe und konnten so gemeinsam einiges bewirken:

Das Jagdgesetz wurde weiterentwickelt und von ideologischen Verboten befreit, wir erhielten Unterstützung für unsere Kitzrettungs-Teams, und die Jagd wurde selbst in der pandemischen Lage als systemrelevant anerkannt. Dafür dürfen wir DANKE sagen.

Doch nun gilt es im Hinblick auf die anstehende Wahl, kritisch zu hinterfragen, welche Parteien auch in Zukunft an unserer Seite wichtige Aufgaben rund um Arten- und Wildtierschutz, Jagd und Natur angehen wollen. Wir haben dafür Wahlprüfsteine versandt und werden die Antworten im Mai-RWJ vorstellen. Gerade in unruhigen Zeiten muss jede Jägerin und jeder Jäger ihre/seine Stimme bei der Landtagswahl nutzen, um damit für unsere Interessen einzutreten! Wenn Sie dies schon vor dem 15. Mai per Briefwahl tun wollen, finden Sie Antworten auf unsere Wahlprüfsteine bereits ab Mitte April auf der LJV-Homepage. Darüber hinaus möchte ich Sie ermutigen, bei Wahlveranstaltungen und auf der Straße auf Ihre Kandidatinnen und Kandidaten zuzugehen, den Kontakt zu suchen und unsere Themen anzusprechen.

Das Aktionsbündnis Ländlicher Raum hat ein gemeinsames Thesenpapier zu den Forderungen der Partnerverbände erarbeitet, das wir Mitte März gemeinsam vorgestellt haben, Sie finden es ebenfalls auf der LJV-Homepage www.ljv-nrw.de.

Hoffen wir also auf den Frieden, helfen wir den Flüchtlingen – und leben dennoch unsere Freude an der Jagd und unserem Einsatz in der Natur weiter!

 

Editorial

Zum Titelbild: Solche Aktionen bringen derzeit in vielen Revieren „Leben in die Bude“ – neben einem erhöhten Adrenalinspiegel bei Beteiligten und Beobachtern besteht aber leider gerade in diesen Wochen die große Gefahr, dass die wilde Jagd im Straßenverkehr endet. Daher sollte man v. a. rund um Kalamitätsflächen auch im April schon Rehe entnehmen ... anstatt sie aus dem Graben zu entsorgen (s. Forschungsstelle).

 

Titelbild: K. - M. Breuer

 


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