Seite 1

RWJ 03/2021: Waffenpflege

Andere Laufreinigung für Bleifrei-Geschosse?

Unter Jägern wird häufig über Art und Häufigkeit der Waffenreinigung bei bleifreier Munition diskutiert. Dabei stehen viele sich widersprechende Aussagen im Raum – Peter Jeuken vom technischen Labor der DEVA klärt auf.

deva 2 laufreiniger id134309

Fotos: N. Klups

Im DEVA-Labor werden jährlich etwa 130 Läufe von .22 Hornet bis .500 N.E, zusammen etwa 5 000 Schuss mit unterschiedlichsten Geschossen von Bleikugeln bis experimentellen Konstruktionen verschossen, meist allerdings Büchsengeschosse zur Jagd mit und ohne Blei. Die Läufe sind schnellstmöglich ohne nutzlosen Aufwand zu reinigen und wieder einzulagern. Zur Prüfung der Läufe und der Reinigungsergebnisse steht der DEVA ein Endoskop zur Laufinnenbetrachtung zur Verfügung. Aus dieser ständigen Reinigung der Läufe haben wir verschiedene Erkenntnisse gewonnen, die sich auf Jagdwaffen und Jäger übertragen lassen. Drei Gründe sprechen für eine regelmäßig durchgeführte Reinigung und Pflege von Jagdwaffen:

 

1. Sicherheit;

2. Tierschutz;

3. Werterhalt.

 

 

Wenn man seine Waffe zur Reinigung handhabt, betrachtet man sie von allen Seiten und bemerkt so Veränderungen wie lose Teile oder Schrauben, anfangende Risse im Schaftholz, anliegende Vorderschäfte. Mögliche Gefahren erkennen und abstellen (lassen) dient der Sicherheit wie eine Auto-Inspektion.

 

Jäger haben das Privileg, Tiere töten zu dürfen. Daraus erwächst die hohe ethische Verpflichtung, dabei unnötige Schmerzen und Qualen zu vermeiden. Nur mit einer präzis schießenden Waffe lässt sich Wild unter Vermeiden von Schmerzen töten.

 

Waffen können durch Schießen zunehmend unpräziser werden, die Streuung der Geschosse nimmt deutlich zu. Verantwortlich dafür können Ablagerungen im Lauf sein. Diese werden durch Reinigen entfernt und die Streuung verringert sich.

 

Jagdwaffen sind nicht billig, ihr Wert sollte erhalten werden. Waffen sind auch den Einflüssen der Witterung und Schussbelastungen ausgesetzt. Diese Belastungen führen zu Korrosion. Dies kann durch regelmäßige Pflege und Reinigung der Waffen verlangsamt oder gestoppt werden.

 

 

Was passiert in Waffenläufen ?

deva 3 poliermittel id134307 kopie

Mit Polierpaste geht es auch auf mechanischem Weg. Dazu werden Filz­propfen benutzt, auf die die Paste aufgetragen wird.

Beim Schuss verbrennt die Treibladung der Patrone unter großer Hitzeentwicklung und treibt das Geschoss mit hohem Druck durch den Lauf. Die Verbrennung hinterlässt Asche und das Geschoss Abrieb vom Mantel in der Laufbohrung. Nach dem Schuss kann noch Wasser aus der Luftfeuchtigkeit hinzukommen.

 

Wasser reagiert mit Asche zu einer elektrisch leitenden Flüssigkeit, die mit dem Geschossmantelabrieb und dem Eisen im Laufstahl ein sog. elektrochemisches Korrosionselement bildet. Darin fließt Strom, der das Eisen im Laufstahl in Rost auflöst und Lochfraß hinterlässt. Dadurch wird die Oberfläche der Laufbohrung rau, Geschossmantel-Material kann sich leichter abreiben (= mehr an der Oberfläche anlagern), weitere Korrosion und Lochfraß werden beschleunigt.

 

 


Einfluss des Geschossmaterials

Die Entstehung dieser Ablagerungen und daraus folgender Korrosion hat noch nichts mit bleihaltig oder bleifrei zu tun. Lediglich der Mantel oder die Oberfläche kommen mit der Laufbohrung in Kontakt.

 

Bei Mantelgeschossen kann der Kern aus Blei oder anderem Material sein. Es hat geringen oder keinen Einfluss auf das Korrosionsgeschehen im Lauf. Dies beeinflusst nur das Mantelmaterial.

 

Geschossmäntel aus Kupfer(legierungen) hinterlassen deutlich sichtbare rote Spuren im Lauf. Kupfer und Eisen bilden ein Korrosionselement, bei dem das Eisen verliert und schnell gelöst wird.

 

Daneben gibt es auch silbrige, mit Nickel überzogene Geschossmäntel. Nickel haftet weit weniger gut an Läufen und bildet schwächere Korrosionselemente aus (wenn überhaupt), so wie auch verzinnte Geschosse.

 

Vollgeschosse aus Kupfer oder Legierungen mit hohem Kupferanteil weisen ein ähnliches Korrosionsverhalten auf wie kupferhaltige Geschossmäntel.

 

Jeder Lauf reagiert mit der jeweiligen Geschossoberfläche mit Ablagerungen, die die Streuung beeinflussen können. Es liegt in der Verantwortung des Jägers, sich mit Waffe und Munition so vertraut zu machen, dass nur technisch einwandfreie und präzise schießende Waffen auf Lebewesen benutzt werden. Wenn die Streuung abhängig ist von der Anzahl an Schüssen, die abgegeben wurden, muss man dies erkennen und wissen – dies ist keine Frage von Blei oder bleifrei.

 

 


Wie man Läufe pflegt

deva 4 patch id134308

Um Verbrennungsrückstände zu entfernen, den Lauf zu ölen oder vor der Jagd wieder zu entölen, sind Patches sehr gut geeignet.

Im Lauf entstehen durch den Schuss Verbrennungsrückstände und Geschossablagerungen. Beides muss neutralisiert und entfernt werden.

 

Verbrennungsrückstände: Die Waffe muss entladen sein! Möglichst schnell nach dem Schießen den Lauf mehrmals mit Öl durchziehen. Dazu sind Einweghilfsmittel (sog. Patches) oder Reinigungsfilze besser geeignet als Wollwischer und Bürste. Mehrwegmittel sammeln Rückstände der vorherigen Anwendungen und verteilen sie gleichmäßig im Lauf.

 

  • Filze vor der Laufmündung vom Stock nehmen, damit gelöste Verunreinigungen nicht wieder in den Lauf gelangen,
  • gezogenen Laufteil und Patronenlager ölen,
  • Waffe mit der Mündung nach unten abstellen, damit kein Öl in den Verschluss läuft,
  • Einbringen eines Ölfilms verhindert, dass Feuchtigkeit an die Kontaktstelle von Kupfer und Laufmaterial gelangt, so unterbindet der Ölfilm kurzzeitig die Korrosion,
  • vor dem nächsten Schießen Lauf und Patronenlager mit sauberen, trockenen Filzen oder Wergpolstern entölen. So bleibt nur ein leichter Ölfilm im Lauf, der die Waffe auch bei der Jagdausübung vor Korrosion schützt,
  • mit Probeschuss prüfen, ob das Öl die Trefferlage beeinflusst.

 

 


Entfernung von Geschossablagerungen

deva 1 ablagerungen id134306 kopie

Steckt man etwas Watte in den Lauf und leuchtet hinein, sind Ablagerungen sehr gut zu erkennen.

Zusätzlich dazu sollte der Lauf regelmäßig (mind. einmal im Jahr oder nach max. 50 Schüssen) von Geschossablagerungen befreit werden. Dazu haben sich zwei Verfahren als brauchbar erwiesen:

 

1. chemisches Entfernen mit ammoniakhaltigen Mitteln;

2. mechanisches Entfernen mit Schleif-/Polierpasten.

 

Chemische Tombak-Löser wandeln kupferhaltige Ablagerungen durch ihren hohen Ammoniakanteil in leicht lösliche Kupfersalze um. Diese sind an ihrer blauen bis grünen Farbe zu erkennen und lassen sich leicht aus dem Lauf schieben. Mit folgenden Produkten hat die DEVA gute Erfahrungen gemacht: Barnes CR 10, Robla Solo Mil, Sweet’s 7,62, Hoppe’s No. 9 BR, Shooters Choice (Gebrauchsanweisungen und Einwirkzeiten beachten).

 

1. Mit einem Kombinationsreiniger wie Hoppes No. 9 BR den Lauf von Verbrennungsrückständen befreien,

2. mit Tombak-Löser Lauf bearbeiten, bis Filze/Patches sich nicht mehr grün oder blau verfärben (Einwirkzeit beachten),

3. Reste von Laufreiniger mit Lösungsmittel bzw. dünnflüssigem Öl ausspülen,

4. danach die Waffe leicht ölen und mit der Mündung nach unten verwahren. Anschließend müssen die Läufe mit Öl wie Brunox konserviert werden.

 

Mechanische Laufreiniger werden auf stramm sitzende Werg-/Filzpolster aufgebracht und weiche Geschossablagerungen aus dem Lauf „geschmirgelt“. Da die Schleifkörper weicher sind als der Laufwerkstoff, ist eine Waffenschädigung bei sachgerechter Anwendung auszuschließen. In der DEVA-Werkstatt haben sich Gold Medallion, JB Bore- und VfG-Paste bewährt.

 

Nach dem Entfernen der Ablagerungen werden Reste des Schleifmittels mit Waschbenzin oder dünnflüssigem Öl aus dem Lauf gewaschen und dieser mit Rostschutzöl konserviert. Sollten sich Rückstände von Geschossmaterial in Unebenheiten im Lauf befinden, werden diese nicht entfernt, da die Reinigungsmittel nur im zylindrischen Laufteil gleiten und nicht in Vertiefungen wirken.

 

Wie sich das Reinigen auf die Treffpunktlage und Streuung auswirkt, muss man auf dem Schießstand herausfinden.

 

Zusammenfassung: Schießen hinterlässt Spuren in der Waffe. Diese können die Präzision beeinträchtigen. Werden sie sachgerecht beseitigt, verschwinden die Beeinträchtigungen. Die DEVA konnte keine Unterschiede feststellen, die sich mit bleifreien oder bleihaltigen Geschossen erklären lassen. Unterschiedliche Geschoss-Typen hinterlassen unterschiedliche Spuren im Lauf.


Aktiv nur für Mitglieder!

Bitte melden Sie sich an, oder werden Sie Mitglied.