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RWJ 06/2020: Grünland als Wildäsung

Rotwild-Schäden außerhalb des Waldes?

Schäden auf landwirtschaftlichem Grünland verursachen meist Sauen – in bestimmten Situationen aber auch wiederkäuendes Schalenwild.

Rotwild-Schäden außerhalb des Waldes?

Im deutschen Kulturraum bedeutet Grünland als wirtschaftsgeographischer Begriff alle Bodennutzungssysteme, die aus einer kontinuierlichen Vegetationsdecke aus Gräsern und Kräutern bestehen und keine Ackernutzung sind. International versteht man unter „Grasland“ ausdauernde Futterpflanzenbestände mit einer großen Variabilität der Standort- und Pflanzenbestände.

 

Pflanzengemeinschaften, die sich durch eine einheitliche Anpassung an Boden- und Klimaverhältnisse auszeichnen, werden unabhängig von ihrer Artenzusammensetzung als Formation bezeichnet.

 

Alle Grasformationen sind wichtige Äsungsflächen nicht nur für Wiederkäuer. Das saisonal wechselnde Äsungsangebot dieser grasbestimmten Pflanzengemeinschaften hat erheblichen Einfluss auf das räumliche Verteilungsmuster wiederkäuender Wildarten. Jeder Praktiker weiß, wie sehr Wild nach dem Winter im Erstfrühling aufs erste Grün zieht. Alle unter dem Einfluss des Menschen entstandenen Grasformationen sind zu ihrer Erhaltung weiter auf unsere Tätigkeit angewiesen – gerade auch für Hochgebirge wie die Alpen, die ohne Nutzung besonders erosionsgefährdet sind.

 

Natürliche Wiesen, die nicht durch menschliche Einflüsse entstanden, gibt es in Mitteleuropa nur außerhalb der Waldzone, etwa im Bereich alpiner Matten. Wiesen dienen der Stallfuttergewinnung und werden meist mehrfach gemäht. Mulchen eignet sich nur in Rot-, Dam- und Schwarzwildrevieren für intensiv genutzte Klee-Grasgemische. In (Mäh)Weiden wird die Pflanzenzusammensetzung durch Viehverbiss bestimmt. Weiden sind kurzrasiger als Wiesen.

 

Wie man Schäden berechnet

Rotwild-Schäden außerhalb des Waldes?

Besonders bei landwirtschaftlichem Grünland, das in Wälder ragt, kann es durch Beäsung zu Wildschäden kommen.

Da Grünland langfristig angelegt ist, beschäftigten sich schon frühzeitig Untersuchungen mit seiner Qualität unter dem Gesichtspunkt des Futterwerts. Prinzipiell lassen sich aus Futterzahlen für Nutztiere auch Qualitäten für Wild ableiten.

 

Wenn auch dazu Tabellen geeignet sind, gibt es doch beim Wild deutliche Unterschiede – abweichend zur früher oft geäußerten Behauptung, Sauergräser würden nicht angenommen, werden bestimmte Seggenarten und auch Binsen durchaus beäst, wie der unmittelbare Vergleich von Rasenschmiele und Winkel-Segge in einem Wald zeigt (s. Fotos).

 

Charakteristisch für Grünland ist der Zuwachs in der Vegetationsperiode. Ertrag wird im Grünland immer in Trockensubstanz gemessen, nur darin ist die Sonnenenergie gebunden.

 

Zum Vergleich verschiedener Standorte muss man gewissermaßen das Wasser abziehen. Der Trockengehalt liegt in der Größenordnung von 10 bis 12 Prozent. Der Mineralstoffgehalt von Kräutern ist beachtlich, Schmetterlingsblütler wie Kleearten binden im Jahr 30 bis 100 kg Stickstoff je ha.

 


Sonderfälle

Rotwild-Schäden außerhalb des Waldes?

Schnitthöhe 12 cm auf einer gut bewirtschafteten Grünlandfläche für Wild.

Bei Wald teils vorgelagertem Grünland stellt sich öfter die Frage der Erstattung von Ertragsausfall durch intensive Rotwild- Beäsung (also nicht um Schwarzwildschäden). Unter üblichen Revierverhältnissen ist die allgemeine Vegetationsnutzung – auch von Grünland – bereits mit der Jagdpacht abgegolten.

 


Rotwild-Schäden außerhalb des Waldes?

Winkel-Segge beäst.

Es gibt jedoch immer wieder Sonderfälle, wo sich das gesamte Wild im Frühjahr auf wenigen Grünäsungsflächen versammelt, sodass der Weideauftrieb später erfolgt. Vergleichen lässt sich ein möglicher Einfluss gutachterlich durch die unterschiedliche Wuchshöhe von Grünland in waldnahen oder -fernen Bereichen. Der tägliche Zuwachs in der Vegetationsperiode ist beachtlich.

 

Eine genaue Ermittlung ist mit sog. Fraßkäfigen möglich, als Faustzahl gilt, dass 1 cm laufende mittlere Höhe des Grünlandbestandes abzüglich der mittleren Schnitthöhe 100 kg Trockenmasse Ernteertrag je ha entspricht – bei 12 cm Schnitthöhe und 20 cm Wuchshöhe des Bestandes wären das 800 kg je ha.

 


Rotwild-Schäden außerhalb des Waldes?

Rasenschmiele im selben Bestand, nicht beäst.

Zu tiefes Schneiden erschwert die Regeneration der Narbe, verschärft die Auswirkungen von Trockenzeiten im Sommer und fördert Parasitenkreisläufe: Zwischenstadien leben häufig in Bodennähe, tiefes Schneiden fördert die Infektion u. a. mit Magen- und Lungenwürmern.

 

Dr. Michael Petrak

 

 

LANUV NRW
Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung
Pützchens Chaussee 228
53229 Bonn
E-Mail: michael.petrak@lanuv.nrw.de


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Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 06/2020 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

RWJ 06/2020: Forschungsstelle


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