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RWJ 02/2021: Hochansteckende Viren bei Wildvögeln erfordern Hygiene und Abstand

Vogelgrippe ist zurück

Als klassische Geflügelpest wird eine besonders schwer verlaufende Form der aviären Influenza bezeichnet – aus den Medien auch als Vogelgrippe bekannt.

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Kanadagänse erschließen zunehmend auch kleinere Gewässer in den Mittelgebirgen. Foto: Dr. M. Petrak

Sie wird durch sehr virulente (stark krank machende) Stämme der Influenza- A-Virus-Subtypen H 5 und H 7 hervorgerufen. H (Hämagglutinin) bezeichnet dabei ein Eiweiß in der Hülle der Viren (sog. Oberflächen-Protein), von denen es 17 verschiedene Typen gibt. Ein zweites bekanntes ist die Neuraminidase (N/10 verschiedene Typen). In Kombination ergeben H und N die häufig in Pressemeldungen auftauchende genaue Bezeichnung – so sind H5N1 oder H5N8 bekannte Beispiele, die in den vergangenen Jahren in Deutschland und weltweit zu Ausbrüchen der Geflügelpest führten.

 

Problematisch und kompliziert ist, dass sich unterschiedliche H- und N-Typen bunt mischen und durch Mutation ständig verändern können, sodass die Viren das Immunsystem des Wirts unterwandern und neue Wirte infizieren können. So können auch zunächst schwach krank machende Viren innerhalb des Vogelkörpers zu hochvirulenten Erregern mutieren (v. a. bei H5- u. H7-Subtypen).

 

Insgesamt scheint das Auftreten der Geflügelpest in den letzten Jahren weltweit zugenommen zu haben. Asien und der Mittlere Osten stellen dabei nach wie vor Hotspots dar, aber auch in Europa kommt es v. a. im Winter regelmäßig zu Ausbrüchen bei Wildvögeln und gehaltenem Geflügel. Eine Impfung gegen den Erreger ist dabei in den meisten Ländern, so auch in Deutschland, verboten:

 

Einerseits will man so sicher infizierte von geimpften Tieren unterscheiden können. Andererseits könnte es auch zu einer Mutation des Impfvirus kommen, sodass sich das daraus entstehende Virus eventuell potenziert oder gar für Menschen gefährlich wird.

 

Besonders empfindlich auf Infektionen reagieren Hühnerartige, so können ganze Bestände von Hühnern und Puten nach einer Ansteckung mit hochvirulenten Influenzaviren innerhalb von Stunden erkranken und versterben. Dies hat hohe wirtschaftliche Verluste für den betroffenen Betrieb, für alle Betriebe der Region und gar die gesamte Geflügelwirtschaft des Landes zur Folge, weshalb die Erkrankung weltweit anzeigepflichtig und damit staatlich bekämpfungspflichtig ist.

 

Bekämpfungsmaßnahmen werden in Deutschland durch die Geflügelpest-Verordnung und die EU-Richtlinie 2005/94/ EG geregelt. Geflügel eines betroffenen Bestandes wird häufig bereits bei begründetem Verdacht, spätestens nach Feststellung der Tierseuche umgehend getötet und unschädlich beseitigt, wobei der Halter nach einer sog. Keulung auf Entschädigung durch die staatliche Tierseuchenkasse hoffen kann. Unverzüglich wird zudem ein Sperr- (3 km) und Beobachtungsbezirk (7 km-Radius) um den Ausbruchherd festgelegt, um eine Verbreitung des Virus zu verhindern.

 

Wasservögel wie Enten und Gänse erkranken oft weniger schwer, sodass eine Erkrankung leicht übersehen werden kann. Sie scheiden das Virus aber dennoch aus. Wildes Wassergeflügel stellt daher die Quelle (Reservoir) für diese Viren dar. Daher sollte man Hühner und Puten nicht zusammen mit Wassergeflügel halten.

 

Menschen und andere Säugetiere (v. a. Schweine, Marderartige, Katzen und Hunde) können sich durch intensiven Kontakt mit infizierten Vögeln ebenfalls infizieren. Die Übertragung erfolgt durch virushaltige Tröpfchen oder (Kot-) Staub, weshalb man Augen, Nase und Mund schützen muss.

 

Persönliche Hygienemaßnahmen ähneln denen, die wir durch Corona kennen. Bei einer Infektion kann es zu grippeähnlichen Symptomen bis zu schweren Lungenentzündungen mit Todesfolge kommen.

 

 

Vorsicht bei toten Wildvögeln!

Kommt es bei frei lebenden Vögeln zu Infektionen, sind einige Arten häufiger betroffen, so ist historisch ein lokales Aussterben von Rebhühnern durch Geflügelpest dokumentiert. Daher sollte man besonders Totfunde von Hühnervögeln (Fasane, Rebhühner), Gänse, Schwäne, Reiher-, Tafel- und Bergenten, aber auch Reihern, Haubentauchern, Kiebitzen, Greifvögeln, Eulen und Rabenvögel dem zuständigen Veterinäramt melden.

 

Nur nach vorheriger Absprache darf ein Kadaver (unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen wie Einmalhandschuhe und Mundschutz!) geborgen werden.

 

Die Kadaver sollte man in dicht geschlossenen, auslaufsicheren Behältnissen transportieren (z. B. verschlossene Plastiktüten).

 

Beim Sammeln mehrerer Kadaver lohnt sich das Tragen eines Einmalschutzanzugs, um eigene Kleidung vor Kontamination zu schützen. Kontaminierte Kleidung kann man bei 60° C waschen, Schuhe reinigen und desinfizieren.

 

Aviäre Influenzaviren werden durch gängige Desinfektionsmittel (Liste bei der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft) sowie durch Hitze (etwa beim Durchgaren von Eiern u. Geflügelfleisch) rasch abgetötet. Zum Aufbrechen benutzte Messer lassen sich anschließend mit kochendem Wasser und handelsüblichen Reinigungsmitteln reinigen und desinfizieren.


Winter 2020/21

Vogelgrippe in Deutschland

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Besonders in Gebieten, in denen Geflügelpest auftrat (und angrenzende) sollten Jäger Folgendes beachten:

 

  • grundsätzlich sollte jeder den direkten Kontakt zu toten/kranken Wildvögeln vermeiden,
  • beim Umgang mit erlegtem Wild sollte man Einmalhandschuhe tragen,
  • dazu empfiehlt sich vor dem Rupfen ein Abbrühen des Wildkörpers,
  • beim Bergen von tot aufgefundenem Wasserwild sollte auf das Apportieren durch Jagdhunde verzichtet werden; stattdessen empfehlen sich Kescher,
  • nach Federwildjagden (bes. Wassergeflügel) sollte man grundsätzlich keine Geflügelbetriebe aufsuchen,
  • in Bereichen mit Virusnachweisen, wo totes Wasserwild gefunden wurde, sollte man die Wasserjagd aussetzen, um nicht durch Vergrämung die Virusverbreitung zu forcieren,
  • vor Betreten einer Geflügelhaltung sollte man Hygienemaßnahmen wie das Tragen bestandseigener Schutz kleidung (Overall/ Schuhe) und die Nutzung von Desinfektionswannen an Aus- und Eingängen streng einhalten.

 

Dr. Luisa Fischer
EU-Fachtierärztin für Wildtierpopulationsgesundheit,Fachtierärztin f. Wirtschafts-, Wild- u. Ziergeflügel
LANUV NRW, Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung,
Pützchens Chaussee 228,
53229 Bonn,
E-Mail: luisa.fischer@lanuv.nrw.de


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Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 02/2021 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

RWJ 02/2021: Forschungsstelle


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