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RWJ 05/2022: Staupe in NRW

Tödliche Gefahr für Raubwild und Hunde

Seit im RWJ das letzte Mal zur Staupe berichtet wurde (1/2015) tat sich viel. Bis 2012 traten in bestimmten Gebieten lediglich gelegentliche Einzelfälle auf, während das Virus bis 2015 westlich des Rheins fehlte, sind heute alle NRW-Kreise betroffen.

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Jäger sollten kleines Raubwild zur Untersuchung bei den CVUA abgeben, um das Staupe-Monitoring dieser Arten zu verbessern.

Staupe ist weltweit verbreitet und wird durch das Canine Distemper (deutsch: Hunde-Staupe) Virus hervorgerufen. Übertragen wird der Erreger vor allem durch direkten Kontakt, jedoch ist auch eine indirekte Übertragung über Ausscheid-

ungen infizierter Tiere möglich. Das Virus kann eine Vielzahl an Raubwildspezies sowie in menschlicher Obhut gehaltene Hunde, Frettchen und Nerze befallen.

Zu den bei uns betroffenen Wildtieren gehören Iltis, Marder, Dachs, Fuchs, Waschbär und Luchs, in anderen Ländern gab es nachgewiesene Fälle auch bei Wolf, Bär und Fischotter. Zahlreiche weitere Raubtierspezies stehen in Verdacht, das Virus übertragen zu können. Ein enger Verwandter verursacht zudem eine ähnliche Erkrankung bei Seehunden u. a. an Nord- und Ostsee.

Aufgrund ihrer stabilen Populationen ist das Gefährdungspotential der Staupe für heimisches Raubwild eher gering, doch bedrohte Arten wie der Schwarzfuß-Iltis (Nordamerika) können durch Infektionen stark gefährdet werden.

Bei einer Staupe-Infektion werden v. a. Lunge, Magen-Darm-Trakt, Gehirn und Haut geschädigt. Infizierte Tiere zeigen grippeähnliche Symptome wie Fieber, Schwäche, Atemprobleme, tränenden Augen-/Nasenausfluss, Durchfall und ggf. Erbrechen. Bei Marderartigen stehen v. a. Hautveränderungen im Vordergrund, was bei akut erkrankten Individuen nicht von schweren Infektionen mit Hautpilzen/Bakterien zu unterscheiden ist. In besonders schweren Fällen kommt es zudem zu Bewegungsstörungen und untypischem Verhalten, manchmal auch zu Sehstörungen. Betroffene Wildtiere wirken teilnahmslos, unaufmerksam und zeigen eine verminderte Scheu vor dem Menschen, so wurden erkrankte Waschbären in Medien bereits fälschlicherweise als betrunken beschrieben.

Bei Tieren, die eine Infektion überstehen, kann es zur übermäßigen Verhornung von Fußballen, Nase, Augenlidern und Ohren kommen, auch das bei Hunden vorkommende sog. Staupe-Gebiss kann eine überstandene Infektion anzeigen.

Bei Wildtieren werden diese Zahnveränderungen allerdings eher selten beobachtet. Besonders betroffen sind Jungtiere, ein Großteil der erkrankten Tiere stirbt innerhalb eines Monats.

Problematisch ist, dass einige Individuen nach Ansteckung keine Symptome zeigen, das Virus jedoch einige Monate lang ausscheiden und andere Tiere so anstecken können.

Tiere mit Krankheitsanzeichen (Koordinationsstörungen, Wesensveränderungen) sollte man – allein schon um einen Tollwutverdacht auszuschließen – immer entnehmen (also auch in der Schonzeit/ einzige Ausnahme: Elterntiere während der Aufzuchtzeit) und den Chemischen und Veterinäruntersuchungsämtern zuleiten.

Bei der Bergung solcher Kadaver sollte man unbedingt durch Einmalhand schuhe direkten Kontakt vermeiden, Kleidung danach heiß waschen und Ausrüstung desinfizieren – durch solche Hygienemaßnahmen lässt sich das Virus leicht töten.

Auch den Kontakt von Jagdhunden mit potenziell infiziertem Raubwild gilt es dringend zu vermeiden – eine wirksame Therapie gegen Staupe gibt es nicht.

Empfängliche Haustiere wie Jagdhunde und Frettchen sollten daher unbedingt regelmäßig geimpft werden, um sie vor der Erkrankung ausreichend zu schützen (in Deutschland Pflichtimpfung f. Hunde) ! So sollte bereits im Jungtieralter eine Grundimmunisierung und alle drei Jahre eine Wiederholungsimpfung erfolgen.

Durch diese Maßnahmen tritt Staupe bei Hunden bei uns heute nur noch selten auf.

Auch Frettchen sollte man ab acht Wochen unbedingt jährlich impfen (Achtung – anderer Impfstoff-Typ als für Hunde).

Insgesamt ist es schwierig, die tatsächliche Verbreitung in Deutschland abzuschätzen, da infizierte Tiere oft unbemerkt verenden und nicht jedes verendete/ erlegte Raubwild standardmäßig auf Staupe untersucht wird.

In NRW wurde die Staupe in den letzten zehn Jahren immer häufiger bei Füchsen nachgewiesen, auch Waschbären, deren Population in den letzten Jahren stark anstieg, stehen in Verdacht, maßgeblich an der Verbreitung beteiligt zu sein. In Niedersachsen wurde Staupe bereits beim Marderhund nachgewiesen, im Taunus wurde ein Luchs, der untypisch zutraulich war, eingefangen, untersucht und eingeschläfert, da er an einem besonders schweren Verlauf mit bleibenden Hirnschäden litt. Auch Wölfe sind grundsätzlich empfänglich für Staupe-Infektionen.
 

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Die rot gekennzeichneten Landkreise zeigen die Gebiete, in denen im Jagdjahr 2020/21 Staupe-Fälle beim Raubwild gemeldet wurden.


Wie Jäger helfen können

Gerade bei Marderartigen ist die Relevanz des Staupe-Virus schwierig abzuschätzen, da jährlich nur wenige Tiere zur Fallwilduntersuchung gelangen.

Um die Verbreitung dieser kleinen Raubsäuger sowie ihre Rolle in der Verbreitung verschiedener Wildkrankheiten besser abschätzen zu können,

wird ausdrücklich darum gebeten, jedes erlegte und tot aufgefundene Tier zur pathologischen Untersuchung (nicht ausschließlich zur Tollwutuntersuchung!)

an die CVUÄ zu geben!

So kann Jagd maßgeblich zum Monitoring von Iltis, Hermelin, Marder und Dachs beitragen!

Gila Sauspeter (stud. med. vet.)

Dr. Luisa Fischer

LANUV NRW, Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung, Pützchens Chaussee 228, 53229 Bonn, E-Mail: luisa.fischer@lanuv.nrw.de

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