Seite 1

RWJ 11/2013: Feldhasen zwischen Rhein und Weser

Spiegel der Lebensumwelt

Unter dem Blickwinkel des Wildes als Bioindikator wird den Erkrankungs- und Todesursachen von Feldhasen 2012/13 eine einfache Betrachtung von drei Arten auf der Grundlage von Untersuchungen von Fallwild vorangestellt

Hasen M. Breuer

Im Jagdjahr 2008/09 wird der Fasanenrückgang offenkundig. 2008 bis 2010 erfolgten mehr Einsendungen von Rehen als in den Vorjahren und 2009 bis 2011 mehr von Feldhasen als in den Vorjahren – besonders aus dem Münsterland. Die Feststellung wird ohne Wertung getroffen. Die Anzahl untersuchten Wildes, gemessen an den Fallwildangaben der Streckennachweisungen, ist zu gering für eine belastbare Interpretation. Erfahrungen aus der Vergangenheit sprechen jedoch dafür, dass beim Auftreten von viel Fallwild auch mehr zur Untersuchung angeliefert wird. Die meisten Feldhasen kommen von Oktober bis Dezember in die Untersuchungsämter, einen kleinen Peak zeigt die Betrachtung im Jahresverlauf noch im März und April.

 

Erkrankungs- und Todesursachen im Jagdjahr 2012/13

Im Berichtsjahr werden mit 75 weniger Befunde für Hasen als im Vorjahr (95) erhoben. Die Einsendungen erfolgten überwiegend in die Untersuchungsämter Krefeld und Münster. Die Hasen stammen somit überwiegend aus der Rheinschiene und dem Münsterland. Die Befunde sind vielfältig – häufig ist eine Zuordnung (besser die Reduktion der mitgeteilten Befunde) auf eine Todesursache (Hauptbefund) nicht eindeutig.

 

Typischen Hasenkrankheiten kommt als alleinige Todesursache im Berichts- jahr keine große Bedeutung zu: Pasteurellose (2), Yersiniose (8) und Kokzidiose (3) sowie EBHS (1, virologisch positiv). Hinzu kommen drei Verdachtsfälle für EBHS.

 


Seite 2

Erkrankungen von Lunge und Magen-Darm-Trakt

Zwei Fälle mit Lungenwürmern als Todesursache sind eindeutig. Hinzu kommt der Nachweis von Lungenwürmern in weiteren vier Fällen (2 x Geseke, Delbrück, Schlangen, Paderborn, Lengerich).

 

Unter 13 mit Darmentzündung gelisteten Hauptbefunden sind ein Fall mit Amyloidose von Milz und Nieren und ein Fall mit Amyloidose von Leber und Nieren sowie Nachweis von E. coli hochgradig in Lunge, Nieren und Darm.


Erkrankungen der Leber

Auffallend sind Leber-Erkrankungen in Verbindung mit denen weiterer Organe (15), davon besonders der Lunge. Drei Fälle mit bösartigen Geschwulsten verdienen Erwähnung, davon ein Fall mit multiplen Tumormetastasen (Leber) und ein Fall mit Metastasen in der Lunge. Amyloidosen (in der Regel Nachweis von Amyloid) werden überwiegend als bereits länger bestehende immunologische Abwehrprozesse interpretiert. Auch im vorangegangenen Jagdjahr war die zunehmende Anzahl an Amyloidosen augenfällig.

 

Von vier geprüften Feldhasen waren zwei im Hemmstofftest (Antibiotika-Resistenz) positiv – je einer aus Paderborn und Gütersloh.


Tularämie - Hasenpest

rwj1113-tularaemie feldhasen

In der Regel sind Ausbrüche von Tularämie mit dem vermehrten Auftreten von Nagern assoziiert. Die Ursache für das Auftreten in NRW und die Zunahme der Fälle sowie die Verbreitung sind nicht geklärt. Die indirekte Übertragung durch blutsaugende Ektoparasiten wie Stechmücken, Stechfliegen, Zecken, Läusen, Flöhen oder Wanzen ist möglich. Manche mögen „echte“ Vektoren mit Erregervermehrung sein, andere mechanische wie etwa Bremsen. In Skandinavien sollen Bremsen eine Rolle bei der Verbreitung der Tularämie spielen (Mittlg. Dr. Tomaso , FLI Jena).

 

Im aktuellen Jagdjahr werden sieben Fälle bei Feldhasen verzeichnet. Einen Überblick über Fundorte und -daten seit 2009/10 gibt die Abbildung.

 

In Deutschland wurde bisher nur Francisella tularensis subsp. holarctica nachgewiesen. Für den Menschen sind die Subspezies, der Übertragungsweg, die Eintrittspforte des Erregers und schließlich die Erregermenge maßgeblich für den Krankheitsverlauf.


Seite 3

Hasenfeindliche Lebensumwelt

Der allgemeine Rückgang der Arten der Feldflur, betroffen sind vor allen anderen Vogelarten, macht auch vor Säugetieren und besonders Hasen nicht halt. Seine Erkrankungs- und Todesursachen (darunter eine auffällige Zunahme der Amyloidosen und Lebererkrankungen) lassen den Gedanken zu, dass Meister Lampe zunehmend weniger Chancen hat, sich gesund zu ernähren. Die Armut an Pflanzenvielfalt (erinnert sei an die bekannte Hasenapotheke), also der Rückgang einer Vielzahl von Heilkräutern, die Verkeimung der Böden und die Belastung verfügbarer Äsungspflanzen mit systemisch wirkenden oder auf den Pflanzen haftenden Schutzmitteln mögen Anteil haben am chronischen Schadstoffwechsel der Leber und chronischen immunologischen Abwehrprozessen.

 

Abhilfe ist vonnöten.


Ein Wort zu Prädatoren

In den vergangenen Jahren haben bei den Füchsen nach erfolgreicher Be- kämpfung der silvatischen Tollwut durch Impfung Räude und Staupe die Rolle der Begrenzung der Population übernommen. Von der Staupe sind auch weitere Wildarten betroffen.

 

„Alles will den Hasen fressen“ – diese Wahrheit Raesfelds ist noch immer gültig. Zur Erhaltung eines artenreichen und gesunden Wildbestandes gehört daher auch die Reduktion der Populationen von Prädatoren auf ein Niveau, das Erkrankungen wie Räude und Stau- pe weitgehend ausschließt. Auch der Tierschutz sollte vermeidbares Leiden und Sterben an Krankheiten wie Räude oder Staupe im Blick haben. Dazu gehört auch, dass dem Jagdbetrieb zur Umsetzung effektive Instrumente erhalten bleiben.

 

Dr. Walburga Lutz

Landesbetrieb Wald und Holz NRW,

Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung,

Pützchens Chaussee 228,

53229 Bonn

Der ausführliche Fallwildbericht wird auf Anfrage digital oder gedruckt zugesandt.

 

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 11/2013 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

 

RWJ_11/13_Forschungsstelle


Aktiv nur für Mitglieder!

Bitte melden Sie sich an, oder werden Sie Mitglied.