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RWJ 09/2022: Krankheiten bei Klein-Prädatoren

Noch viele Fragezeichen bei Iltis, Marder & Co.

In den letzten Jahren wurden nur sehr wenige kleine Raubsäuger (Stein- und Baummarder, Iltis, Hermelin und Mauswiesel) untersucht und auch um das Monitoring zu Verbreitung und Gesundheitsstatus dieser Arten ist es sehr schlecht bestellt. Dabei spielen auch kleine Raubsäuger in heimischen Revieren eine wichtige Rolle und können bedeutsame Erkrankungen aufweisen.

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Foto: K.-H. Volkmar

Wegen zurückgehender Bestände befindet sich der Baummarder auf der sog. Vorwarn-Stufe der Roten Liste und der Iltis musste deutschlandweit erstmals sogar als gefährdet eingestuft werden. Zu Hermelin und Mauswiesel liegen zu wenig Daten für eine Einstufung vor. Zwar können Jagdstrecken Hinweise auf die Verbreitung einer Art geben, aber nur, wenn man sie sehr vorsichtig interpretiert. So hängt die Strecke etwa von Art und Intensität der Bejagung ab. Dazu sind Arten wie Baummarder und Mauswiesel ganzjährig geschont und tauchen daher nur als Fallwild in der Jagdstatistik auf. Außerdem ist allein das korrekte Ansprechen einer Art nicht immer einfach – so kann man Baum- und Steinmarder auf den ersten Blick leicht verwechseln (s. u.)!

Baummarder sind eher heimliche Waldbewohner, die Laub- und Mischwälder

mit hohem Totholzanteil bevorzugen, während Steinmarder als Kulturfolger in Siedlungen relativ häufig Hausdächer und Motorräume unsicher machen.

Baummarder weisen eine geringe Bindung zum Heimatgebiet auf, was ein erhöhtes Wanderverhalten bedingt. V. a. Rüden nutzen zur Jagd und während der Ranz große Aktionsräume – und werden daher mit Fallen eher gefangen

oder kommen im Straßenverkehr zu Tode.

Zum Monitoring bringt man attraktive Gerüche an Lockstöcken vor Wildkameras an. In NRW liegen bislang leider nur wenige gezielte Monitoring-Studien vor, so wurden Baummarder im Münsterland und im Teutoburger Wald (GT/BI) dokumentiert.

 

Baummarder

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Foto: K.-H. Volkmar

  • kastanienbraune Grundfärbung mit dunkelgrauer Unterwolle
  • i.d.R. sattgelber Kehlfleck (beschränkt auf Brust und Kehle,
    nach unten V-förmig zusammenlaufend)
  • längere Hinterbeine, sodass im Lauf die Hüfte die höchste Stelle bildet
  • größere Ohren mit auffällig hellem Rand
  • langer spitz zulaufender Kopf
  • brauner Nasenspiegel

Steinmarder

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Foto: stock.adobe.de

  • kaltbraun gefärbt mit weißlich-grauer Unterwolle
    (hellerer Gesamteindruck des Fells)
  • i.d.R. rein weißer Kehlfleck (deutlich weiter ausgedehnt,
    von der Kehle über die Brust bis auf die Vorderläufe)
  • kleinere Ohren mit hellem Rand (weniger auffällig wegen
    heller wirkendem Fell)
  • breiter, gedrungener Kopf
  • fleischfarbener Nasenspiegel

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Parasitär bedingte Löcher am Schädelknochen eines Baummarders | Foto: M. Peters/CVUA Westfalen


Krankheiten als Bio-Indikator

Insgesamt wissen wir sehr wenig über den Gesundheitsstatus unserer kleinen Raubsäuger, maßgeblich bedingt durch die sehr geringe Zahl von Anlieferungen an die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUÄ). Während dort etwa zum Tollwut-Monitoring jährlich zahlreiche Füchse untersucht werden, waren es in den letzten Jagdjahren nur sehr wenige Steinmarder und Iltisse (Jagdjahr 2016/17: 11 Steinmarder, 1 Iltis, 2017/18: 13 Steinmarder, 2 Iltisse, 2018/19: 9 Steinmarder, 2 Iltisse, 2019/20: 8 Steinmarder, 1 Iltis, 2020/21: 15 Steinmarder, 1 Baummarder, 1 Iltis).

Hermeline oder Mauswiesel wurden seit Jahren nicht mehr untersucht.

Dabei sind diese Wildkörper weder zu groß für den Versand noch werden sie nach dem Erlegen in der Regel vollständig verwertet. Erlegte Tiere (Fallwild und erlegte Individuen) können durch Untersuchung an den CVUÄ wichtige Hinweise auf den Gesundheitszustand heimischer KleinPrädatoren liefern und so wenigstens einen Beitrag zur Forschung darstellen!

Neben Erkrankungen wie Tollwut und Staupe, die auch bei größeren Prädatoren wie Fuchs, Dachs und Waschbär vorkommen und ein Ansteckungsrisiko für Jagdhunde und Frettchen darstellen, gibt es auch Besonderheiten: So lassen sich am Schädel von Marderartigen manchmal seltsame Knochenveränderungen beobachten (s. Foto o.). Solche Löcher rufen Parasiten wie Saug- oder Rund-

würmer hervor, die in Nasennebenhöhlen parasitieren, nicht selten als Misch-infektion. Beide Würmer sind in ihrer Entwicklung auf bestimmte Schneckenarten als Zwischenwirt angewiesen. Eine Infektion muss jedoch nicht immer zur Ausbildung sichtbarer Deformationen am Schädelknochen führen. Das Vorkom-men des Parasiten ist eng an das des Zwischenwirts (Schnecke) geknüpft. So findet man Saugwürmer v. a. bei Iltissen in Höhenlagen über 400m, da die Zwischenwirt-Schnecken meist in bergigem Gelände in der Nähe von Quell-bächen vorkommen.

Spitzmäuse oder Kleinnager können als sog. Stapelwirte fungieren, wenn sie sich von infizierten Schnecken ernähren. Durch das Fressen so infizierter Spitzmäuse können sich auch Iltisse als Hauptwirt dieser Parasiten anstecken. Daneben können aber auch Mauswiesel, Marder und Dachse sowie europäische Nerze und Minke infiziert werden.

Auch andere chronische Erkrankungen kleiner Raubsäuger können Hinweise auf die Gesundheit des Biotops geben – als Prädatoren von Amphibien, Reptilien und Nagern reichern etwa Iltisse Giftstoffe und andere Umwelt-Substanzen im Körper an – und können so als Indikator für evtl. Umweltverschmutzungen dienen. Bisher ist noch unbekannt, ob solche Umstände für den Rückgang von Baum-

marder und Iltis verantwortlich sein könnten.

Durch die Einsendung von erlegtem Raubwild können Jäger aktiv zur Forschung und Aufklärung solcher Fragen beitragen – nutzen Sie diese Chance, um zu zeigen, wie wichtig Ihnen die Hege und wie groß das Interesse an Ihrem Wild ist!

Dr. Luisa Fischer

Europ. Fachtierärztin für Wildtierpopulationsgesundheit, Fachtierärztin für Wirtschafts-, Wild- und Ziergeflügel, Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung
E-Mail: luisa.fischer@lanuv.nrw.de

 

Untersuchungsämter in NRW

Zum Gesundheits-Monitoring kleiner Raubsäuger kann man erlegtes und Fallwild an folgende Untersuchungsämter senden. Geben Sie bitte dabei mit an, dass eine vollständige Untersuchung (nicht nur Tollwut-Monitoring) durchgeführt werden sollte.

 

CVUA Westfalen
Zur Taubeneiche 10–12
59821 Arnsberg
Tel. 0234/9571940

 

CVUA Münsterland-Emscher-Lippe
Albrecht-Thaer-Str. 19
48147 Münster
Tel. 0251/98210

 

CVUA Ostwestfalen-Lippe
Westerfeldstr. 1
32758 Detmold
Tel. 05231/9119

 

CVUA Rhein-Ruhr-Wupper
Deutscher Ring 100
47798 Krefeld
Tel. 02151/8490

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