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RWJ 07/2019: ASP-Vorbeugung hilft auch gegen Salamander-Pest

Lurchi in Gefahr

Zur Vorbeugung der Ausbreitung der Salamander-Pest in NRW helfen einfache Hygiene-Regeln – nahezu die gleichen wie gegen das Einschleppen der ASP.

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Auch Jäger können dazu beitragen, die Feuersalamander-Pest einzudämmen – als Naturschützer sollte uns dieses Ziel am Herzen liegen. Foto: pixabay.com

In Belgien und den Niederlanden gingen ab Ende der 1990er-Jahre die Bestände der Feuersalamander-Populationen dramatisch zurück. Als Ursache wurde ein Amphibienhautpilz ermittelt. Pilzinfektionen sind nicht nur für Feuersalamander, sondern auch Kamm-, Berg-, Teich- und Fadenmolche tödlich. Man geht davon aus, dass die Infektion durch den Handel mit asiatischen Molchen nach Mitteleuropa eingeschleppt wurde. 2013 kam es erstmals in Belgien zum Zusammenbruch von Feuersalamander- Populationen. Die biologischen Station im Kreis Düren und der Städteregion Aachen sowie die Uni Trier untersuchen seit 2014 auch auf deutscher Seite in der Eifel Salamander- Populationen auf den Amphibienhautpilz – von 2015 - 17 wurden 10 infizierte Standorte identifiziert.

 

 

Mensch verbreitet Erkrankung

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An den dunklen, punktförmigen Hautveränderungen lassen sich infizierte Feuersalamander erkennen. Foto: M. Vences

Das Vorkommen des Pilzes im Einzugsbereichs des Nationalparks Eifel und im Ruhrgebiet unterstreicht das hohe Ausbreitungsrisiko und zeigt, dass Menschen als Überträger der Erkrankung die entscheidende Rolle spielen. In einem gemeinsamen Projekt der biologischen Stationen, der Universitäten Trier, Gießen und Braunschweig sowie des Bundesamtes für Naturschutz wird aktuell die Ausbreitung näher untersucht. Der Hautpilz ist für Menschen ungefährlich. Er kann von Salamander zu Salamander übertragen werden, aber auch durch Pilzsporen, die im Schlamm von Gewässern lange überleben können. Zur Diagnose ist es wichtig, Totfunde von Salamandern ohne klar erkennbare Ursache (Straßenverkehr) zur Untersuchung zu bringen. Das Projekt der Justus-Liebig- Universität Gießen gibt dazu folgende Informationen:

 

 


Verhalten bei Totfund

  • führen Sie kleine Gefrierbeutel mit sich
  • ist keine auffällige Todesursache erkennbar, frieren Sie den Fund sorgfältig verschlossen ein
  • Meldung an: Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische, Frankfurter Str. 91, 35392 Gießen, Tel. 0641/9938431, E-Mail: kvraf@vetmed.uni-giessen.de

Idealer Lebensraum für Feuersalamander sind Laub(misch)wälder. Am Tag dienen Steinhaufen, Felsspalten, Hohlräume, Totholz und Mauselöcher, aber auch Hohlräume unter provisorisch aufgestellten Hütten als Rückzugsräume. Zur Überwinterung sind frostsichere Quartiere notwendig – alte Bergwerke, Keller und Stollen (Schiefer und Erzgewinnung in der Eifel) oder Quellhöhlen. Dabei ist wichtig, dass die Salamander im Frühjahr wieder herausklettern können. In alten Häusern mit entsprechendem Keller sollte man daher für eine Steinrampe sorgen. Die Paarung findet von Juni bis August statt, also etwa zur Blattzeit des Rehwilds. Feuersalamander sind lebend gebärend. Die Larven werden im Frühjahr in Fließoder Stillgewässern abgesetzt und benötigen etwa 120 Tage bis zum Übergang vom Wasser- zum Landleben (Metamorphose). Dazu genügen auch feuchte Rinnen, tiefe Fahrspuren und große Pfützen im Wald. In der freien Natur können Salamander 20 Jahre alt werden.

 

 


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Ausbreitung verhindern

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– eine Verschleppung durch den Menschen liegt damit nahe.

Mit einfachen Prophylaxemaßnahmen lässt sich die Ausbreitung der Pilz-Infektion wirksam verhindern – im Prinzip dieselben, wie sie für die ASP gelten. 11 einfache Regeln können das Risiko deutlich reduzieren:

 

  • Pilzsporen werden v. a. bei Kontakt mit Wasser und Schlamm gut verbreitet. Vermeidbare Wasser- und Schlammdurchfahrten gilt es, zu vermeiden. Schneisen mit tiefen Furchen von der Holzabfuhr, in denen im Frühjahr Wasser steht, bieten idealen Amphibienlebensraum – und sollten daher umfahren werden. Gerade in Reifenstollen und unter dem Fahrzeug halten sich Pilzsporen sehr lange – genau wie ASP-Viren.
  • Regelmäßige Fahrzeug-Reinigung (mit Unterbodenwäsche !) ist wichtig – auch bei Fahrrädern, mit denen man im Gelände unterwegs ist.
  • Prophylaxe-Maßnahmen sind bei jedem Wechsel des Gewässers erforderlich. Daher sollte man sich bei der Wasserwildjagd auf ein Gewässer beschränken und vor der Jagd am nächsten Gewässer Schuhe und Ausrüstung reinigen.
  • Im Gewässerbereich sind Gummistiefel am besten, weil sie sich leichter reinigen lassen als Ledermodelle.
  • Nach Einsätzen am Gewässer und Schlammtouren sind auch Hunde zu reinigen, am besten mit einem speziellen Hunde-Shampoo.
  • Gegen Salamander-Pest und ASP sollte man stets Stiefel, Hosen sowie alle Geräte und Materialien, die mit Wasser in Berührung kommen, reinigen und desinfizieren. Die Bekleidung ist regelmäßig zu waschen oder in die Reinigung zu geben. Wer in ASP-nahen Gebieten jagt oder an Gewässern arbeitet, sollte keine Kleidung tragen, die in der Waschmaschine nur den Schongang verträgt. Die Pilz-Sporen und das ASP-Virus sind extrem widerstandsfähig.
  • Der erste Schritt ist stets die Reinigung der Stiefel mit Wasser und Bürste – auf einem befestigten Weg, also nie in/an Gewässerlebensräumen! Die Reinigung ist notwendig, wenn das Gewässer gewechselt wird. Analog gilt dies bei der ASP nach dem Besuch von Revieren in der Risikozone. In beiden Fällen sollte man nie mit den „Einsatzstiefeln“ Auto fahren, sondern diese in einer Tüte transportieren und Extra-Schuhe zum Fahren mitnehmen. Gummimatten im Auto sind sinnvoll und können bei Bedarf wie die Stiefel gereinigt und desinfiziert werden.
  • Nach der Grobreinigung Desinfektion mit „Virkon-S“: Stiefel mit 1Prozent-Lösung einsprühen und in eine Plastiktüte stellen (Einwirkzeit mind. 30 Minuten, besser länger). Wer zur Gewässerkartierung oder Jagd am Wasser unterwegs ist, nimmt am besten mehrere Paar Stiefel mit. Das Desinfektionsmittel darf nicht ins Gewässer gelangen: Stiefel also vor dem nächsten Einsatz mit Wasser absprühen (nur auf festem Weg/Landstraße). „Virkon-S“ (erhältlich in Apotheke und Landhandel) nach Anweisung des Herstellers zubereiten, die Lösung ist mehrere Tage stabil und nicht mehr wirksam, sobald sie ihre rosa Farbe verliert, für Reinigung und Desinfektion Trinkwasser in einem Kanister im Auto mitführen.
  • Bei ASP zusätzlich wichtig: Keine Lebensmittelreste (besonders Rohwürste, Schinken) im Lebensraum liegen lassen, Abfälle restlos mitnehmen !
  • Aufgefundene tote Sauen nie selbst verbringen, sondern umgehend das zuständige Veterinäramt verständigen.
  • Für beide Krankheiten ist das Verbreitungsrisiko durch Sammler, Kartierer und Jäger besonders groß, aber auch durch Touristen und Sportler, die gezielt matschige Stellen oder Gewässer aufsuchen.

 


Klassische Hygiene hilft

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ASP-Verbreitung in Belgien und 100 km Risikozone um das Gebiet Karte: FJW

Beide Infektionskrankheiten machen deutlich, dass bereits klassische Hygieneund Sauberkeitsmaßnahmen helfen ! Noch vor wenigen Jahrzehnten war es üblich, dass Wanderführer vor dem Aufbruch geprüft haben, ob alle Teilnehmer ihre Schuhe ordentlich geputzt hatten – analog gilt auch für die Jagd, dass es kein Beweis für Praxistauglichkeit ist, in Ausrüstung aufzutauchen, die noch Spuren vorheriger Einsätze erkennen lässt. Wer sich der Infektionsrisiken bewusst ist, kann durch einfache Maßnahmen bereits wirksam vorbeugen – eine solche Prophylaxe liegt im gemeinsamen Interesse von Jagd, Naturschutz, Tourismus und Landnutzung.

 

Dr. Michael Petrak LANUV NRW,

Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung,

Pützchens Chaussee 228,

53229 Bonn,

E-Mail: michael.petrak@lanuv.nrw.de

Das Literaturverzeichnis ist bei der FJW erhältlich.


Download

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 02/2018 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

RWJ 07/2019: Forschungsstelle


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