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RWJ 11/2020: Afrikanische Schweinepest in Deutschland

Kommt die Seuche auch zu uns?

Die Sauen-Population in NRW steht zwar mit der in Brandenburg oder Polen in keinem Kontakt, jedoch muss umso dringlicher auf das Einhalten aller Vorsorgemaßnahmen geachtet werden, damit die Seuche nicht durch Menschen auch nach NRW eingeschleppt wird.

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Weil an ASP verendete Sauen in Ost-Brandenburg mehrere Wochen unentdeckt blieben, ist die Prognose zur schnellen Seuchenbekämpfung von vornherein eher kritisch zu sehen. Foto: M. Ulmanis

Deutschland ist seit dem 10. September nicht mehr frei von Afrikanischer Schweinepest (ASP), die Anzahl dokumentierter Fälle bei Wildschweinen in Brandenburg lag zum Redaktionsschluss bei über 80.

 

ASP kommt von Osteuropa bis nach China vor. Der Mensch ist in Europa nach wie vor der wichtigste Überträger des Virus der Afrikanischen Schweinepest. Damit kann ASP jederzeit und an jeden Ort verschleppt werden. Das Risiko der Einschleppung lässt sich durch einige Punkte erheblich mindern – man muss alles unterlassen, was das Virus einschleusen kann:

 

Der freie Handel innerhalb Europas führt dazu, dass notwendige Maßnahmen nicht immer umgesetzt und riskantes Verhalten nicht kurzfristig unterbunden werden kann. So lässt sich das Verbot des Importes von Heu und Anwelksilage aus dem Einzugsbereich der ASP-Gebiete nicht ohne Weiteres ausschließen, da die Trockenheit in Europa zu einem Mangel an Raufutter führte. Dies begünstigt den Warentransport über weite Strecken. Geht ein an ASP erkranktes Wildschwein unbemerkt auf einer Agrarfläche ein, kann der Erreger über abgeerntete Feldfrüchte in Futtermittel geraten. Mit heute bodennah arbeitenden Maschinen wird auch Losung leicht mit eingewickelt, so dass das Virus leicht mit Futtermitteln und Stroh eingebracht werden kann.

 

Für Wildtiere sollte daher derselbe Schutz wie für Haustiere gelten:

 

  • Heu, Stroh und andere Futtermittel aus ASP-Risikogebieten, die nicht als Fütterung oder Einstreu für Hausschweine verwendet werden dürfen, sollten auch nicht für andere Nutztiere, Gatterwild oder Wild verwendet werden. Von der Beschaffung solcher Futtermittel über Internet-Heubörsen ohne zuverlässige Identifizierung der Herkunft muss deutlich abgeraten werden.

 

Solche Vorsichtsmaßnahmen müssen nicht nur für Jäger, sondern v. a. für alle Tierhalter selbstverständlich sein!

 

Hygieneregeln für Jäger

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Jedes Fahrzeug sollte vor der Rückkehr aus ASP-Regionen gründlich gereinigt werden !

Auf der Jagd sind allgemeine Hygieneregeln stets einzuhalten, das Verschleppungsrisiko lässt sich bereits durch einfache Maßnahmen wirksam reduzieren.

 

  • Jeder ist gut beraten, Jagdreisen in von ASP betroffene Gebiete zu vermeiden.

 

Durch die Corona-Situation kommt es aktuell bei Ansitzdrückjagden zu erheblichen Einschränkungen beim Bergen von Wild, der Versorgung der Strecke und dem gemeinsamen Abschluss des Jagdtags.

 

Der Zusammenbruch der Marktpreise führt dazu, dass Sauen häufig direkt an der Strecke abgegeben werden.

 

  • Das Mitnehmen von Wildschweinen aus ASP-Gebieten ist jedoch unverantwortlich!

 

Zur Legitimation des Tötens von Sauen an sich kann man zumindest eine Probe zur Diagnose der ASP gewinnen sowie eine Reduktion der Population als Vorbeugemaßnahme vornehmen.

 

  • Die Anfahrt mit dem eigenen Fahrzeug zu solchen Jagden sollte dringend vermieden werden! Falls dies nicht möglich ist, ist das Fahrzeug bereits vor der Rückfahrt gründlich zu reinigen – eine Unterbodenwäsche ist dabei Pflicht !

 

Dass manche Zeitgenossen nach dem Jagdtag in Polen noch am selben Tag im eigenen Wagen nach NRW zurückfahren, ist höchst unverantwortlich.

 

Bei Drückjagden sind Aufbrüche zentral zu entsorgen. Bei der Einzeljagd in nicht betroffenen und weiter entfernten Gebieten können Aufbrüche dort erlegter Sauen wie bisher im Revier verbleiben. Es ist peinlich darauf zu achten, dass Aufbrüche/Reste von Sauen aus anderen Regionen nie im eigenen Revier entsorgt werden – dass Reste (einschließlich Wildursprungsmarke !) von Sauen aus Rheinland-Pfalz im Münsterland auftauchten, ist unverantwortlich!

 

Zentrale Aufbruchplätze bei Drückjagden sind nach Nutzung soweit möglich zu desinfizieren. An Wildkammern und bei größeren Ansitzdrückjagden sind Konfiskat- Tonnen ebenfalls erforderlich. Nur so lässt sich das Risiko einer Verschleppung einer unerkannten Infektion vermeiden.

 

Sofern keine Konfiskat-Tonne zur Verfügung steht, gehören auch Reste der zu Hause vorgenommenen Zubereitung von Wildbret in die Restmülltonne (Abfälle aus diesen Tonnen werden verbrannt!)

 

Zusätzlich empfehlen sich Desinfektionsmittel (wie Virkon S©) zur Behandlung von Gerät nach dem Aufbrechen und Versorgen des Wildes (z. B. Messer, Scheren, Sägen, Bergehilfen).

 

  • Erlegte Sauen dürfen grundsätzlich nicht auf offenen Trägern transportiert werden, sondern nur in auslaufsicheren Wildwannen oder entsprechenden Behältern, die es preiswert in jedem Baumarkt gibt.

 

Kontaminationen von Ausrüstung, Kleidung, Schuhen, Geräten, Hunden und Fahrzeugen mit Blut sollten weitestgehend vermieden werden. Nach dem Kontakt mit toten oder erlegten Sauen müssen die Hände vor Verlassen des Reviers gewaschen und desinfiziert, die Kleidung gewechselt und anschließend bei mind. 60 °C gewaschen werden. Schuhe oder Stiefel müssen vor dem Verlassen des Reviers gewechselt und unverzüglich gereinigt und desinfiziert werden.

 

  • Stiefel, die man im Revier getragen hat, sollten auf dem Heimweg gesondert verwahrt werden.

 

Bewährt haben sich dafür etwa große Einkaufstüten aus Papier und Kartons, die man nach der Verwendung einfach in der schwarzen Restmülltonne entsorgen kann (Nie in der Papier- o. Bio-Tonne !). Die Stiefel sind anschließend entsprechend zu reinigen und zu desinfizieren. Dieses Vorgehen ist sicherer als die Nutzung spezieller Stiefelbeutel, die sich kaum ausreichend säubern und desinfizieren lassen.

 

Selbstverständlich darf man keine rohen Fleisch- und Wurstwaren aus ASPGebieten und ihrem Nahfeld mitbringen und erst recht nicht in der Landschaft entsorgen. Das Virus ist für Menschen völlig ungefährlich, bei unverdorbenen Lebensmitteln ist Aufessen die beste Vorbeugung gegen eine Verbreitung ! Hygienisch nicht einwandfreie Abfälle dürfen nur in der Restmülltonne entsorgt werden.

 

Schweinehalter dürfen im Einzugsbereich der ASP nicht selbst jagen und müssen generell sehr vorsichtig sein. Mit Stiefeln und Kleidung aus dem Revier darf man nie in einen Schweinestall !

 


ASP in Brandenburg

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Entlang der Ostgrenze Brandenburgs sind zwischenzeitlich drei Landkreise von ASP betroffen. Der weitere Zuzug infizierter Sauen von Polen soll (endlich ...) durch den Bau einer stabilen Zaun-Anlage entlang von Oder und Neiße verhindert werden.


Was für Hunde gilt

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Auch durch Sauen-Losung verunreinigtes Futter (Heu, Silage) kann ASP übertragen !

Für die Jagd im eigenen Revier gilt auch die Verantwortung im Hinblick zum Einsatz von Jagdhunden:

 

  • Hunde aus ASP-Regionen dürfen nicht an anderen Orten eingesetzt werden,
  • beim Einsatz von Meuten ist generell besondere Vorsicht geboten – und im Zweifel darauf zu verzichten,
  • Hunde sind nach der Jagd gründlich zu säubern – dies gilt für im Zwinger gehaltene Hunde genauso wie für Familienhunde.

 

Beim Verdacht auf Schweinepest ist sofort das Veterinäramt zu unterrichten. Verendet aufgefundene Sauen sind über den Amtstierarzt einem Veterinäruntersuchungsamt zur Verfügung zu stellen – verdächtige Sauen dürfen aber nicht in Eigenregie geborgen werden. Rasches Reagieren und Einsenden verdächtiger Sauen sind besonders wichtig – je kleiner ein Ausbruchsherd ist, desto besser lässt sich die Seuche kontrollieren und tilgen. Zeit, die dabei verstreicht, lässt sich nicht mehr einholen, weshalb man die Tel.-Nr. seines Veterinäramtes immer zur Hand haben sollte. Im Verdachtsfall genügen zur Untersuchung auch Röhrenknochen, wenn das aufgefundene Stück nicht mehr vollständig ist.

 

In der Gesamtabwägung gilt es auch, die Verantwortung aller Beteiligten einzufordern, so sind Kreise und Kommunen gut beraten, eine sachgerechte Konfiskatentsorgung sicherzustellen. Der Amtstierarzt sollte dafür Regeln zum Betrieb aufstellen und örtliche Jäger die Verantwortung für dezentral aufgestellte Tonnen übernehmen. Die Unterlassung solcher Maßnahmen könnte im Zweifelsfall erheblich höhere Folgekosten nach sich ziehen.

 

In Sauenpopulationen reißt das Krankheitsgeschehen bei geringer Dichte durch begrenzte Kontaktmöglichkeit untereinander normalerweise ab, bei einem Grundbestand von weniger als einer Sau je 100 ha ist man auf der sicheren Seite – die intensive Sauenbejagung bleibt also eine ganz zentrale Aufgabe.

 

Besondere Verantwortung trägt in diesen Wochen jeder Jagdleiter – angefangen von der Auswahl der Teilnehmer und Hunde über die Durchführung bis zur Versorgung des Wildes. Wer sich der Aktionsräume seiner Jagdteilnehmer nicht sicher ist, kann diese durch ein Desinfektionsbad laufen lassen, sollte aber schon in der Einladung darauf hinweisen, dazu entsprechend robuste Schuhe/Stiefel zu tragen.

 

Fazit: Manch einer wird sich fragen, warum er diese Ausführungen noch einmal liest – sie tragen der aktuellen Situation Rechnung und der mit äußerstem Befremden zur Kenntnis genommenen Einsicht, dass es nach wie vor Zeitgenossen gibt, die die notwendige Umsicht vermissen lassen.

 

Dr. Michael Petrak & Luisa Fischer
LANUV NRW, Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung,
Pützchens Chaussee 228,
53229 Bonn,
E-Mail: michael.petrak@lanuv.nrw.de

 


Letzte Meldung

Zur Eindämmung der ASP richten sich das Umweltministerium, die beiden Landwirtschafts-Verbände und der Landesjagdverband NRW an heimische Landwirte und Jäger: www.ljv-nrw.de

 

 


Download

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 11/2020 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

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