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RWJ 07/2020: Corona lässt grüßen

Hygiene-Spielregeln für Jäger

In Corona-Zeiten gelangen Themen wie die individuelle Händehygiene in den Fokus. Auch im Jagdbetrieb sollte man nach Kontakt mit Fallwild automatisch daran denken, sich anschließend ausgiebig die Hände zu waschen. Aber auch beim Bergen von verunfalltem und der Versorgung von erlegtem Wild gelten Mindestvorgaben für Hygienestandards – eine Übersicht.

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Beim Streifen und Versorgen von Waschbären empfiehlt sich die Verwendung von Mundschutz und Handschuhen.

Generell ist Hygiene bei allen Wildarten zu empfehlen, bei einigen jedoch ganz besonders – v. a. Raubwild wie Fuchs und Waschbär trägt Parasiten, deren infektiöse Stadien über den Kot ausgeschieden werden. So wird die Gefahr der versehentlichen Aufnahme von Eiern des Fuchsbandwurms (Echinococcus multilocularis) mit Wildbeeren, die zuvor mit dem Kot eines infizierten Fuchses in Berührung gekommen sind, diskutiert. In jedem Fall empfiehlt es sich, Wildbeeren von möglichst hohen Standorten und fern von möglichen Pässen zu pflücken.

 

 

Neue Gefahren durch den Waschbär

Neben dem Fuchs trägt auch der sich immer weiter verbreitende Waschbär einen Parasiten, an dem auch Menschen erkranken können. Kommt es zu einer Reifung infektiöser Larven in den Eiern des Waschbärspulwurms (Baylisascaris procyonis), kann man sich potenziell durch deren Aufnahme infizieren. Die Reifung der Larve findet bei bestimmten klimatischen Bedingungen im Kot von Waschbären statt, daher sollte man beim Entfernen von Kot aus Fallen und dem Abbalgen (wegen im Fell haftender Kotreste) stets Einmalhandschuhe sowie Mundschutz tragen. Gleiches gilt natürlich auch beim Abbalgen von Füchsen mit Blick auf die mögliche Aufnahme von Fuchsbandwurmstadien ! Um der Inhalation von Stäuben und Kotresten beim Abbalgen vorzubeugen, sollte man das Fell vorab anfeuchten.

 

 


Schwarzwild-Zoonosen

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Wegen der möglichen Übertragung von Krankheiten auf Menschen (Zoonosen) sollte man sich beim Versorgen und Zerwirken schützen. Fotos (2): Dr. M. Petrak

Auch bei Sauen kommt es regelmäßig zum Nachweis von Krankheitserregern, die Zoonosen hervorrufen können. Als solche bezeichnet man Erkrankungen, die bei Mensch und Tier vorkommen und zwischen diesen übertragen werden können. Beim Schwarzwild zählen dazu etwa Salmonellen, so kann Salmonella Choleraesuis bei Haus- und Wildschwein zu schweren Erkrankungen führen. In Nordrhein-Westfalen wurden in den vergangenen Jahren regelmäßig Salmonellosen bei Sauen festgestellt, vorwiegend junge Wildschweine (Überläufer) zeigten dabei meist Anzeichen einer akuten Blutvergiftung, aber auch chronische Fälle wurden beobachtet. Bei Hausschweinen wurde die Erkrankung in Deutschland bisher selten festgestellt, in Asien und Nordamerika dagegen häufig. Nach der Übertragung auf Menschen kam es auch zu Krankheits- und Todesfällen. Salmonellen werden durch Schmierinfektionen oder den Konsum von unzureichend erhitztem Fleisch auf Menschen übertragen.

 

Es besteht daher das Risiko, dass der Erreger unbemerkt in Hausschweinbestände eingetragen wird und so auch in die Lebensmittelkette gelangt. Doch auch der Verzehr von Wildbret nicht augenscheinlich erkrankter, aber dennoch infizierter Sauen birgt ein Risiko. Es wird nicht allein deshalb dringend empfohlen, Wildschweinfleisch ausschließlich gut durcherhitzt zu verzehren ! Dazu beim Schwarzwild vorkommende Bakterien, die potenziell auch auf Menschen übertragen werden können, sind Bruzellen – Brucella suis führt zu eitrigen Entzündungen v. a. der Geschlechtsorgane. In den letzten Jahren wurden in einigen Kreisen in NRW regelmäßig Sauen beprobt, die Kontakt zu diesem Erreger hatten, da in Blutproben erlegter Tiere Antikörper gegen Bruzellen nachgewiesen werden konnten. Diese Antikörper zeigen eine Immunreaktion auf das Bakterium an.

 

 


Dauerbrenner beim Hasen

Eine weitere Erkrankung, die auch bei uns in den letzten Jahren immer häufiger vorzukommen scheint, ist die Tularämie (Hasenpest), hervorgerufen durch das Bakterium Francisella tularensis. Durch die hohe Anfälligkeit lassen die vorliegenden Fälle bei Feldhasen einen ungefähren Rückschluss auf das Vorkommen des Erregers in NRW zu. In Tabelle 1 wird der Anstieg des prozentualen Anteils der Feldhasen mit Tularämie-Nachweis an der Gesamtzahl der eingesandten Hasen deutlich. Menschen können sich beim Versorgen und Zerwirken infizierter Tiere v. a. über kleine Hautwunden anstecken, aber auch beim Abbalgen durch das Inhalieren (Einatmen) von Bakterien.

 

Nach einer Infektion reichen Krankheitssymptome von hohem Fieber über Kopf- und Gliederschmerzen bis zu Übelkeit. Allgemein erinnert der Krankheitsverlauf damit zunächst an eine virusbedingte Grippe – kann sich jedoch ohne entsprechende antibiotische Behandlung schnell deutlich verschlimmern und gegebenenfalls tödlich enden. Es ist daher unbedingt notwendig, dass man sich beim Auftreten solcher Symptome ärztlich untersuchen lässt und dabei darauf aufmerksam macht, dass man bei der Jagd regelmäßig mit Wildtieren Kontakt hatte!

 

 


Bruzellose-Nachweise 2018/19 in NRW-Kreisen

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Tularämie-Nachweise bei Feldhasen in NRW 2009 – 2019

 

Jagdjahr Feldhasen mit Tularämie-Nachweis Anteil an Gesamtzahl (%)
     
2009/10 5 4,1
2010/11 10 8,6
2011/12 11 9,2
2012/13 7 9,3
2013/14 24 8,6
2014/15 37 10,4
2015/16 25 15,8
2016/17 14 12,5
2017/18 32 15,6
2018/19 39 23,8

 

 


Kleines Hygiene-Einmaleins

Da auch auf den ersten Blick gesund erscheinende Wildtiere potenziell Krankheitserreger tragen können, sollte die Untersuchung jedes Wildkörpers durch Jäger immer sorgfältig und unter strikter Einhaltung der nötigen Hygienemaßnahmen erfolgen – allein schon, um die eigene Gesundheit und die nachfolgender Konsumenten zu schützen. Dazu zählen das Tragen von Einmalhandschuhen, sorgfältiges Händewaschen und Hände-Desinfektion. Auch das Tragen abwaschbarer Schürzen ist von Vorteil. Beim Abbalgen von Hasen, Waschbären oder Füchsen kann sogar das Tragen von Mundschutz (mind. Masken-Schutzstufe FFP 2) angezeigt sein. Auf Essen, Trinken und Rauchen während des Versorgens von Wild sollte stets verzichtet werden ! Fallen beim Versorgen von Wild Veränderungen auf, können Tierkörper oder betroffene Organe zur Untersuchung an die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (Adressen s. unten) versandt werden. Dabei sollte man darauf achten, die zur Interpretation nötigen Daten (Vorbericht, Art, Alter und Geschlecht des Tieres) mit anzugeben.

 

Luisa Fischer

Europ. Fachtierarzt f. Wildtierpopulationsgesundheit,

Fachtierärztin für Wirtschafts-, Wild- u. Ziergeflügel,

Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW,

Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung,

Pützchens Chaussee 228,

53229 Bonn,

E-Mail: Luisa.Fischer@lanuv.nrw.de

 

 


Untersuchungsämter in NRW

Chemisches- und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Westfalen

Zur Taubeneiche 10-12

59821 Arnsberg

 

 

CVUA Münsterland-Emscher-Lippe

Joseph-König-Straße 40

48147 Münster

 

 

CVUA Ostwestfalen-Lippe

Westerfeldstraße 1

32758 Detmold

 

 

CVUA Rheinland

Winterstraße 19

50354 Hürth

 

 

CVUA Rhein-Ruhr-Wupper

Alte Gladbacher Straße 2

47798 Krefeld

 

 


Download

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 07/2020 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

RWJ 07/2020: Forschungsstelle


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