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RWJ 09/2013: Erkrankungs- und Todesursachen nach Fallwilduntersuchungen in NRW

Dem Fasanentod auf der Spur

Im Spätsommer 2008 wurde in NRW ein massiver Fasanenrückgang offenkundig, für den bis heute eine befriedigende Erklärung fehlt. Seitdem wurden verendete Fasane auf Erkrankungs- und Todesursachen untersucht. Nachfolgend sind seit 2005/06 erstellte Gutachten zusammengetragen.

Das Foto zeigt einen Fasanenhahn

Foto: M. Breuer

Einflüsse durch Witterung, Prädatoren, landwirtschaftliche Praxis (Flächengrößen, Fruchtfolge, Stilllegung, Brachen, Zwischenfrucht, Dünger, Biozide, Pflanzenschutzmittel, Maschineneinsatz u.a.m.) sind nicht Gegenstand der Betrachtung. Zu möglicher Wilderei und illegaler Entnahme können keine Angaben gemacht werden. Die Tiermedizin nimmt an, dass der Rückgang der Besätze in sich selbst reproduzierenden Wildpopulationen anhält, wie dies auch aus England berichtet wird.

 

Von 2005 bis 2013 liegen 145 Befunde für ausgewachsene Fasanen aus Untersuchungseinrichtungen des Landes vor. Bekannt sind jeweils Fundort/ -datum sowie das Ergebnis der tierärztlichen Untersuchung. Für 130 Fasanen ist das Geschlecht und für 104 das Körpergewicht mitgeteilt.

 

Die Anzahl der Einsendungen ist für die Jagdjahre recht unterschiedlich, nach 2007/08 nahm mit dem deutlichen Rückgang der Besätze die Bereitschaft zu, Fallwild untersuchen zu lassen. Die Fundorte spiegeln das Verbreitungsgebiet der Fasanen in NRW wider (siehe Karte).

 

Ab Oktober steigen Fallwildfunde und nehmen ab Januar bis März wieder ab. Das Auffinden von Fallwild nach der Ernte und über den Winter bis zum Beginn der Vegetationszeit ist zu erwarten. Das Gelände ist übersichtlich und die Zeit der Aufzucht ist vorbei.

 

Im Juni und Juli kommen gelegentlich Küken aus ausgemähten Gelegen zur Untersuchung, die im Brutkasten oder unter (Haushuhn)-Hennen bei der Aufzucht eingingen. Oft hatten solche Küken typische Volieren-Erkrankungen.

 

Von 130 Fasanen entfallen auf Hennen 81 (62,3%) und Hähne 49 (37,7%). Überproportional hoch ist der Anteil der Hennen im Dezember – möglicherweise Folge der fast ausschließlichen Bejagung der Hähne. Junge Hähne wiegen im Herbst normalerweise 700 – 1 350, adulte Hähne 1 150 bis 1 550, junge Hennen 750 – 1 000 und alte Hennen 1 150 – 1 300 g. Alle Fasane ab 1,1 kg waren normalgewichtig. 58 % der Hähne und 40 % der Hennen erlagen Verletzungen.

 

Erkrankungs- und Todesursachen

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Fallwild-Fasane in NRW 2005 - 2013

Von den Todesursachen für erwachsene Fasane entfällt der umfangreichste Anteil auf Verletzungen (Trauma 41,4%), für weitere 13,6 % blieb sie ungeklärt. 5% zeigten keine krankhaften Veränderungen, eine Todesursache konnte nicht ermittelt werden.

 

Auf Erkrankungen des Magen- Darm-Traktes kommen 8,6 %, auf Erkrankungen der Leber 5%, Erkrankungen der Lunge 3,6% und auf Erkrankungen von Darm und Leber oder Lunge weitere 3,6%, auf bakterielle Sepsis 2,1%, Infektion mit Mykobakterien 1,4% und Entzündungen ohne Erregernachweis 2,9%. Zwei Fälle mit Tumor und ein Fall von Herz-Kreislauf-Versagen und schließlich 7% mit Vergiftungsverdacht, hinzu kamen zwei Fälle mit Nachweis von Fludioxonil und ein Fall mit Nachweis von Mevinphos (vermuteter Frevel).

 

In zwei Fällen begründeten rot-violette Weizenkörner im Kropf eine Vergiftung mit Zinkphosphid-Ködern. Bei Fasanen mit Nachweis von Fludioxonil handelte es sich um eine Henne und einen Hahn (10/2007), beide hatten Weizenkörner im Kropf.

 

Von 31 Jungfasanen starben 15 an Kokzidiose, fünf an einer Darmentzündung (E. coli), einer an einer Lungenund Darmentzündung, einer an einer Sepsis durch den Rotlauferreger, einer an einer Lungenmykose, einer an einer Muskelmagenverstopfung und einer an einer Verletzung.

 

Von 18 Fasanen mit (sehr) guter körperlicher Verfassung zeigen fünf Fettleibigkeit und zwei Erkrankungen der Leber durch Einlagerung von Fett. Dabei spielt möglicherweise Fütterung eine wesentliche Rolle. Der überwiegende Anteil erlag Verletzungen, in der Regel Kollisionen (Schlag-/ Stoßtrauma).

 

Mit Gewichtsverlust bis zur Auszehrung gehen häufig Erkrankungen der inneren Organe einher. Der Krankheitsverlauf ist in der Regel eher langsam und chronisch.

 

Aus dem Raum Nottuln (COE) wurden 11 Fasane untersucht. Als Erkrankungsund Todesursachen wurden ermittelt: eine Darmkokzidiose, ein Vergiftungsverdacht, zwei Nachweise von Fludioxonil, eine Nervenzelldegeneration des Gehirns (12/2008), ein Bisstrauma, drei ungeklärt (Hennen knapp über 1 kg im November), zwei ohne pathologischen Befund (11/2008).

 


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Dem Fasanentod auf der Spur

Viren, Bakterien, Parasiten und toxikologische Untersuchungen

Unter Viren konnten weder die Klassische Geflügelpest noch New-Castle Disease nachgewiesen werden.

 

Nachgewiesene Bakterien umfassten Escherichia, Streptokokken, Staphylokokken/ Mikrokokken, Pasteurellaartige, Pseudomonasartige und Nonfermenter, Sporenbildner, nicht-sporenbildende grampositive Stäbchenbakterien und Mykobakterien.

 

Die Parasiten umfassen Kokzidien, Sarcosporidien, Bandwürmer, Capillariaeier, Spulwürmer, Heterakis, Syngamus, Trichuris, Askarideneier, Flagellaten/Nematoden sowie Flöhe und Federmilben.

 

An 15 Fasanen aus 2008/09 wurden chemisch-toxikologische Rückstandsuntersuchungen durchgeführt. Soweit Rückstände gefunden wurden, lagen sie im unteren Nachweisbereich (Bestimmungsgrenze), ein ursächlicher Zusammenhang mit dem Fasanensterben wurde deshalb ausgeschlossen.

 

Im Februar 2013 wurden Leber, Kropf und Magen- Darm sechs erlegter Fasanen auf Rückstände analysiert – sie wurden nicht gefunden. Eine Vergiftung durch Aufnahme von Futter kurz vor dem Tod wurde ausgeschlossen.

 


Diskussion

Befunde zum Krankheitsgeschehen spiegeln nicht die Situation in Wildpopulationen wider, sondern öffnen nur ein Fenster – der Blick auf das tatsächliche Geschehen bleibt eingeschränkt: Fasane, die an Straßen verunglücken, werden gesehen und gefunden. Verendete Fasane in der Feldflur werden nur ausnahmsweise gefunden und von Aasfressern und Beute greifern schnell beseitigt – auch kranke Vögel. Selbst telemetrierte Vögel werden häufig nicht mehr untersuchungsfähig aufgefunden. Nur selten werden im Herbst bei Nachsuchen gesund wirkende Hennen vom Hund gegriffen.

 

In der Regel ist die Herkunft der Fasane nicht eindeutig (Volierenhaltung, ausgesetzte Vögel, Wildpopulation). Auch für Reviere, in denen nicht ausgesetzt wird, kann nicht ausgeschlossen werden, dass ausgesetzte Vögel zufliegen, besonders wenn der Lebensraum günstiger ist. Die Frage des Eintrags von Krankheiten in Wildpopulationen konnte nicht eindeutig beantwortet werden, zuletzt ausgesetzte Fasane sollen vielfach „Schnupfen“ haben.

 

Die Zahl nicht gefundener toter Fasane, gemessen an der Wildpopulation im Frühjahr, kann seriös nicht geschätzt werden. Begrenzten Einblick zur Entnahme durch Beutegreifer können nach sorgfältigem und systematischem Absuchen der Gebüsche und Feldgehölze Rupfungen im Winter geben – ob ein Vogel gesund, krank oder anders beeinträchtigt war, kann aber so nicht beurteilt werden.

 

Über den Umfang freigelassenen Wildes in NRW ist zu wenig bekannt, dies gilt auch für die Anzahl nach Freilassung abgewanderter Fasanen, um eine belastbare Schätzung vornehmen zu können. Die jagdliche Praxis sieht das Aussetzen von Fasanen im Frühjahr und Herbst vor. Im April/Mai werden Hennen für Gelege im Revier ausgesetzt. So sollen Winterverluste vermieden werden. Ende Mai werden abgelegte Hennen ausgesetzt (preiswerter als Legehennen). Diese machen im Aussetzungsjahr kein Gelege mehr. Im September werden Vögel aus Aufzucht verlassener Gelege ausgesetzt. Zur Ermittlung der Ursachen für den Rückgang der Fasanenpopulationen stehen keine guten Parameter zur Verfügung, sie man von Streckenaufzeichnungen ab. Angaben zu Fallwild darin sind kritisch zu hinterfragen (Fantasiezahlen?).

 

Nachstehend noch einige Mitteilungen aus Revieren, die im Zusammenhang mit der Ursachensuche von Bedeutung sein könnten und beispielhaft für andere Beobachtungen stehen mögen.

 

Aus Kalkar wird berichtet, dass 2008 der Besatz zusammenbrach – Fasane flogen in ca. 1 m Höhe, ohne hochzu kommen. Eine über dem Boden fliegende Henne war vom Hund gegriffen worden, zwei Hähne hätten eine Höhe von ca. 3 m erreicht. Sie flogen Richtung Rhein, einer fiel in den Fluss. Bei der Henne fand sich in der Skelettmuskulatur eine mittelgradige Muskelfaserdegeneration. Bei dem gut genährten Tier wurde ein rasenartiges Wachstum einer bakteriellen Mischkultur nachgewiesen.

 

Am 21. Februar 2012 griff ein junger Jagdhund im Raum Nottuln eine Henne. Sie war abgemagert und der Kropf leer. Zum 1. April 2011 waren ein paar Fasane im Revier, auch ein paar Gesperre wurden beobachtet. Die Hennen seien im Verlauf des Jahres immer weniger geworden, Hähne waren bis dahin vital. Mit dem „großen Fasanensterben 2008/09“ sei auch das Verschwinden von Rebhuhn, Feldlerche, Goldammer und Blaumeisen einhergegangen.

 

Vom Rückgang des Besatzes sich selbst reproduzierender Wildpopulationen wird seit 2003 mit signifikanten Verlusten im Frühjahr 2005 und 2010 mit den höchsten Verlusten während der Brutzeit aus England berichtet.

 

2008 wurde um Nottuln erstmals in größeren Mengen Gülle aus Biogasanlagen eingesetzt. Am 16. Juli war ein Landwirt auf eine Wiese gefahren. Mehrere Hennen seien aufgestiegen und weggeflogen – keine führte Küken. Mehrere ausgemähte Gelege wurden gefunden, sie waren klein und die Eier nach Öffnen „faul“.


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Dem Fasanentod auf der Spur

Diskussion

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Verendet aufgefundene Hennen - unter einem Holzstapel (l.), in einem Altgrasstreifen (m.)und abgemagert mit fehlender Brustmuskulatur (r.).
Fotos: Alexander Feemers

Im gleichen Jahr seien die Hennen „so weggestorben“. Sie lagen im Gras, in Sträuchern, eingerollt, der Kropf und der Verdauungstrakt leer, obgleich die Futtertröge voll waren. Die Fasanen erhielten Gerste, Raps und v. a. Weizen und Mais. Ungewöhnlich sei gewesen, dass Hennen keinen Mais mehr aufgenommen haben (siehe Fotos oben).

 

2008 trat ein Ereignis auf, das zuvor noch nicht beobachtet wurde – mehrere Faktoren kamen in diesem Jahr zusammen, einige davon mögen Einfluss auf geringeren Zuwachs gehabt haben, ohne das Sterben der Fasanen ausreichend zu erklären, dazu zählen Witterungsereignisse.

 

Nachfolgende Fragen bleiben bisher unbeantwortet: Könnte das erstmalige Ausbringen von Gülle aus Biogasanlagen Einfluss auf Fasanenbesätze gehabt haben, waren Hennen bereits krank, weil sie trotz ausreichenden Futters keine Nahrung aufnahmen, warum waren Eier faul?

 

Typischen Aufzuchtkrankheiten wird keine Bedeutung zugemessen. Die Fettleibigkeit manch untersuchter Fasane mag Hinweis auf Fütterung in Verbindung mit einer lokal intensiven Hege sein – auch das ist ohne Belang.

 

Bei Darmbakterien aus Wildvögeln sind Kontakte zu Hausgeflügel denkbar. Ob diese ein „Sterben“ begründen oder eher als Hinweis zu verstehen sind, dass infizierte Fasanen aus Volieren kommen könnten, bleibt unbeantwortet.

 

In Spanien wurde ursächlich für ein Sterben unter Rebhühnern und Fasanen 2010 das Bagaza-Virus ermittelt, das über Stechmücken und Gnitzen übertragen wird. Erfahrungen mit der Blauzungenkrankheit, dem Schmallenbergvirus oder Larven eines Hundehautwurms in deutschen Stechmücken belegen die zunehmende Bedeutung von Erkrankungen, die bis vor Kurzem diesseits der Alpen keine Rolle spielten.

 

Anders als in NRW zum Jagdjahr 2008/09 war zunächst die Einschätzung in Niedersachsen. 2010 wurde berichtet, der deutliche Rückgang liege im Rahmen der natürlichen Schwankungsbreite. Man fand keine Bestätigung für ein Fasanensterben oder einen außergewöhnlich starken Besatzschwund 2008/09. Danach hielt der Abwärtstrend an und führte zu Einbrüchen, die mit bekannten Einflussfaktoren nicht zu erklären waren. Seither wird in Nieder sachsen nach Ursachen des Rückgangs geforscht, auch in Kooperation mit NRW.

 


Ausblick und Hinweis für Jäger

Wie bereits im Fallwildbericht 2008/09 festgehalten, lassen sich aus Erkrankungsund Todesursachen auch bis 2012/13 keine belastbaren Rückschlüsse auf die Ursachen des Fasanenrückgangs ziehen. In NRW wurde er erstmals im August 2008 offenkundig. Bereits 2006 wurde in Großbritannien ein Rückgang v. a. der Hennen beobachtet – ohne ursächliche Erklärung.

 

Um den vielen Fragen wissenschaftlich seriös nachgehen zu können, benötigt man belastbare Fakten v. a. zum Stützen von Populationen durch Aussetzen.

 

Die vorliegenden Befunde verweisen fast alle Überlegungen noch in den Bereich der Spekulation und lassen eine rasche Klärung der Ursachen nicht erwarten.

 

Nur belastbare Fakten und Untersuchungsmaterial (Einsenden von Fallwild für veterinärmedizinische Untersuchungen) können wesentlich dazu beitragen, die Ursachenklärung zu beschleunigen. Auch konkrete Aufzeichnungen zu Beobachtungen und Fundumständen helfen, ein vollständigeres Bild über das Geschehen zu erhalten. Letztlich ist abzuklären, ob eine Fasanenkrankheit für den Rückgang der Besätze verantwortlich ist.

 

Dr. Walburga Lutz

Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung,

Pützchens Chaussee 228, 53229 Bonn

(gekürzter Fallwildbericht 2012/13)

 

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 09/2013 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

 

RWJ_0913_Forschungsstelle


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