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RWJ 04/2020: Hämorrhagische Krankheit

Bedroht die neue RHD auch Hasen?

Die Hämorrhagische Krankheit (Rabbit Haemorrhagic Disease/RHD), bekannt auch als Virale Hepatitis der Kaninchen bzw. Chinaseuche, tritt in Europa bereits seit den 1980er-Jahren regelmäßig auf. Doch seit 2010 breitet sich eine neue Variante aus, die auch für Hasen ansteckend sein kann.

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Stärker noch als durch Myxomatose leiden die Kaninchenbesätze in NRW seit Jahren unter der RHD.

Die Bezeichnung Chinaseuche erhielt die Krankheit 1984, als sie erstmals in China bei aus Deutschland importierten Angorakaninchen auftrat. Bereits zwei Jahre später führte die Erkrankung zum ersten Mal in Europa zu vermehrten Todesfällen bei gehaltenen und wildlebenden Kaninchen. In Australien wurde der Erreger gar gezielt bei eingeführten Wildkaninchen ausgebracht, um der menschgemachten Plage Herr zu werden. 2010 tauchte in Frankreich eine neue Variante auf – RHDV-2. Während das ursprüngliche Virus lediglich 7–10 Wochen alte Kaninchen infizierte, erkrankten durch RHDV-2 auch jüngere Kaninchen und dazu Feldhasen.

 

 

Der Erreger

RHD wird durch Caliciviren hervorgerufen, die sehr nah mit dem Erreger des European Brown Hare Syndrome (EBHS) verwandt sind. Bei Wildkaninchen werden verschiedene Krankheitsverläufe beobachtet. Bei sehr schnellem Auftreten kommt es zu spontanen Todesfällen ohne weitere Krankheitsanzeichen, während beim akuten Verlauf Mattigkeit, Atemnot, blutiger Nasenausfluss und Krämpfe beobachtet werden können, bevor die Tiere nach wenigen Stunden versterben. Chronische Krankheitsverläufe sind eher selten. Insgesamt können im Rahmen eines Seuchenzugs der neuen Variante bis 100 Prozent der Kaninchenpopulation verenden. Tiere, die die Krankheit überleben, bilden nach wenigen Tagen eine Immunität, die sie langfristig vor Neuerkrankungen schützen kann.

 


Übertragung

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Auch Frettchen als beliebte Jagdhelfer sind mögliche Virusüberträger. Foto: S. Lücker

Infizierte Kaninchen scheiden das Virus mit sämtlichen Sekreten und Exkrementen aus, bedeutendster Übertragungsweg ist somit der direkte Kontakt zwischen den Tieren. Jedoch kann eine Übertragung auch durch Gegenstände, Kleidung, Schuhe oder Mücken und Flöhe erfolgen. Dazu gibt es Belege, wonach Füchse nach Verzehr infizierter Kaninchen kurzzeitig lebensfähige Viren ausscheiden können. Insgesamt kann das Virus in der Umwelt während kalter, trockener Witterung über mehrere Wochen und Monate infektiös überdauern. In NRW-Revieren wird regelmäßig von seuchenartigen Ausbrüchen berichtet, die zum Verschwinden ganzer Populationen führen. Das Überdauern von Kaninchen in Insel-Populationen zeigt aber, dass eine ungestörte Entwicklung möglich ist, wenn das Virus nicht eingeschleppt wird.


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Maßnahmen beim Ausbruch im Revier

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Bei akut verstorbenen Wildkaninchen ist meist nur blutiger Nasenausfluss erkennbar.

Eine Therapie gegen RHD ist bislang nicht bekannt, nur Hauskaninchen können mit Impfungen gegen RHDV-1 + 2 geschützt werden. Aus der Übertragung und langen Haltbarkeit in der Umwelt lassen sich für Wildkaninchen aber einige Vorsorgemaßnahmen herleiten:

 

1. Es wird in jedem Fall empfohlen, verendete Wildkaninchen zur Abklärung der Todesursache an ein Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) in NRW zu bringen (Adressen s. u.), positive Virusnachweise schaffen Klarheit über die Ursache, und die Ergebnisse tragen zur Dokumentation der Ausbreitung bei. Die Kosten für die Untersuchung übernimmt die Forschungsstelle.

 

2. Alle verendeten Kaninchen sollten aus dem Revier entfernt und unschädlich beseitigt werden, um einer weiteren Ausbreitung vorzubeugen.

 

3. Hygienemaßnahmen (Wechseln der Kleidung, Reinigung/ Desinfektion der Schuhe) sind bedeutend, um den Erreger nicht auch noch in bislang unbetroffene Reviere zu verschleppen. 4. Eine dem Bestand angemessene Bejagung (bis zum Aussetzen der Jagd) sowie eine sinnvoll angepasste Prädatoren- Bejagung können helfen, die übrige Kaninchen-Population zu stärken.

 


Auswirkung auf die Wildpopulation

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Eine neue Variante der RHD ist auch für Feldhasen infektiös.

In Spanien und Portugal stuft die Weltnaturschutzorganisation IUCN Wildkaninchen bereits als bedroht ein. Neben zunehmendem Verlust natürlicher Lebensräume stellen v. a. RHD und Myxomatose die vorrangige Bedrohung dieser Spezies dar. Besonders dramatisch sind auch die Folgen für bedrohte Prädatoren wie Iberische Luchse oder Spanische Kaiseradler, die auf Wildkaninchen als Nahrungsquelle angewiesen sind. Auch in Deutschland ist ein Abnehmen der Wildkaninchenbestände merkbar. Daneben ist die Verbreitung des RHDV-2 nun auch für Feldhasen relevant. Neueste Studien belegen, dass die weltweite Verbreitung des RHDV-2 ohne den Menschen als Überträger nicht stattgefunden hätte. Dies stellt die Bedeutung von Hygiene als Vorbeugemaßnahme gegen die Erkrankung deutlich heraus.

 

Luisa Fischer
Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung,
Landesamt für Natur,
Umwelt und Verbraucherschutz NRW,
E-Mail: luisa.fischer@lanuv.nrw.de

 

 


Totfunde bitte melden

Wer tote Wildkaninchen findet, sollte sie einsenden, die Untersuchung ist kostenlos:

 

Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Westfalen,
Zur Taubeneiche 10-12,
59821 Arnsberg

 

CVUA Münsterland-Emscher-Lippe
Joseph-König-Str. 40,
48147 Münster

 

CVUA Ostwestfalen-Lippe,
Westerfeldstr. 1,
32758 Detmold

 

CVUA Rheinland,
Winterstr. 19,
50354 Hürth

 

CVUA Rhein-Ruhr-Wupper
Alte Gladbacher Str. 2,
47798 Krefeld

 

 


Download

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 04/2020 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

RWJ 04/2020: Forschungsstelle


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