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Aus RWJ 02/2019

Die Forschungsstelle im Verbund der Wildforschung in Deutschland

Die kurzgefasste Übersicht kann keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Sie will jedoch eine Orientierung bieten. Aufgeführt sind Institutionen, die sich mit Fragen der Wildforschung bzw. Teilaspekten befassen.

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Grafik: Martin Müller

Berücksichtigt werden Grundlagenforschung, angewandte Forschung und Tätigkeiten im Bereich der Aus- und Fortbildung. Wildforschung ist auch in Institutionen vertreten, die ihren Schwerpunkt nicht auf diesem Gebiet haben, jedoch Fragen der Wildtierforschung aufgreifen, wenn diese für den primären Aufgabenbereich relevant sind.

 

1. Bundesebene

Auf Bundesebene widmen sich vier Institute der Wildforschung. Institutionen mit Spezialthemen sind in dieser Aufzählung nicht berücksichtigt.

 

- Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung im Forschungsverbund Berlin. Es ist das einzige Institut außerhalb der Geschäftsbereiche der Nutzergruppen. Das Forschungsprogramm und die langfristigen interdisziplinären, dem Artenschutz verpflichteten Projekte des IZW lassen sich mit der Vision zusammenfassen: „Die Anpassungsfähigkeit von Wildtieren im globalen Wandel verstehen und verbessern“.

 

- Thünen-Institut für Waldökosysteme, Bundesforschungsinstitut für ländliche Räume, Wald und Fischerei Institut für Waldökosysteme, Arbeitsgruppe Wildtierökologie. Zu den Arbeitsgebieten zählen Fragen der angewandten Forschung und auch der Beratung mit einem Schwerpunkt in den östlichen Bundesländern. Das Aufgreifen von Fragen der Praxis entspricht den Landesinstituten

 

- Friedrich-Loeffler-Institut – Bundesforschungsinstitut f. Tiergesundheit/FLI

Grundlage ist das Tiergesundheitsgesetz, der Fokus liegt auf Haustieren, Aspekte der Wildforschung werden berücksichtigt, wenn sie für das Infektionsgeschehen bzw. die Übertragbarkeit in den Haustierbereich relevant sind. Ein aktuelles Beispiel ist die ASP – das FLI ist nationales Referenzlabor.

 

- Robert-Koch-Institut (RKI)

Das RKI ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention Kernaufgaben sind die Erkennung, Verhütung u. Bekämpfung von Krankheiten, besonders Infektionskrankheiten. In diesem Kontext werden auch Fragen der Wildforschung aufgegriffen. Ein Beispiel ist die Tularämie. Die FJW arbeitet mit den genannten Bundesinstituten fallweise zusammen.

 


2. Institute an forstlichen Hochschulen

Der Schwerpunkt an den Forstlichen Hochschulen liegt in der Hochschulausbildung besonders der Forstleute. Im Rahmen von Projekten werden für die Praxis bzw. einzelne Regionen relevante Fragestellungen auch unter dem Aspekt der Beratung aufgegriffen. Die internationale Ausrichtung der Hochschulen bedingt auch, dass Untersuchungsgebiete zum Teil nach wissenschaftlichen Fragestellungen (ggf. im Ausland) ausgewählt werden. Zu nennen sind hier:

 

- Abteilung Wildtierwissenschaften der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie, Georg-August-Universität Göttingen

 

- Dozentur Wildökologie u. Jagdwirtschaft, Institut für Waldbau und Waldschutz, Technische Universität Dresden

 

- Professur für Forstzoologie, Institut für Forstbotanik und Forstzoologie, Technische Universität Dresden, Arbeitsgruppe Wildtierforschung

 

- Arbeitsgruppe Wildbiologie und Wildtiermanagement, Wissenschaftszentrum Weihenstephan, Technische Universität München

 

- Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

 


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3. Institute außerhalb der forstlichen Fakultäten

Diese Einrichtungen gehen in ihren Fragestellungen primär vom Wildtier und Lebensraum aus.

 

- Biogeographie, Fachbereich 6 Geographie/ Geowissenschaften, Uni Trier: Im Zentrum stehen Untersuchungen der vielfältigen abiotischen und biotischen Prozesse, die für Verbreitungsmuster von Tier- und Pflanzenarten verantwortlich sind. In diesem Kontext werden auch Fragen der Praxis aufgegriffen.

 

- Institut für Terrestrische u. Aquatische Wildtierforschung (ITAW), Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover: Grundlagenforschung, angewandte Forschung und Beratung für die Praxis. Das ITAW verbindet Hochschulforschung und Anwendung für die Praxis (Schwerpunkt Niedersachsen in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Fachministerium und dem Landesjagdverband).

 


4. Länderinstitute

Länderinstitute verbinden Forschung und Beratung. Baden-Württemberg verfügt über drei Forschungseinrichtungen

 

- Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement Albert-Ludwigs- Universität Freiburg
Internationale Ausrichtung, Schwerpunkt Forschung und Ausbildung an der Universität.

 

- Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA), Abteilung Wald und Gesellschaft, Arbeitsbereich Wildtierökologie
Interdisziplinäres Team zur Forschung, Monitoring und Entwicklung von raumökologischen Planungsgrundlagen zu waldbewohnenden Wildtieren, zahlreiche praxisorientierte Projekte

 

- Wildforschungsstelle beim Landwirtschaftl. Zentrum Baden-Württemberg Zu den Aufgaben zählt die Beratung des Ministeriums Ländlicher Raum und der Jagdbehörden, wissenschaftliche Untersuchungen zu Biologie und Ökologie der Wildarten, Wildverbreitung und Bestandsentwicklung, Wildschadenproblematik, Wildtiermanagement, Auswertung der Jagdstatistik, Fortbildung. Die Stelle Aulendorf wurde nach Muster der NRWForschungsstelle gegründet.

 

In Rheinland-Pfalz werden wildbiologische Fragestellungen in der Forschungsgruppe Wald und Wild, im Forschungsbereich Ökologische Waldentwicklung der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF/Trippstadt) bearbeitet.

 

Nordrhein-Westfalen: Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung (FJW)

 

Brandenburg: Forschungsstelle für Wildökologie und Jagdwirtschaft am Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE), Landesbetrieb Forst Brandenburg


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5. Vereine

- Arbeitskreis Wildbiologie, Justus-Liebig-Universität Gießen
Schwerpunkt Wissenschaft, interdisziplinäre Ausrichtung. Der Verein ist ein Zusammenschluss aller an der Universität vertretenen Fachrichtungen, Erarbeitung von Grundlagen zur Umsetzung des Hessischen Jagdgesetzes im Rahmen aus der Jagdabgabe geförderter Projekte.

 

- Vereinigung der Wildbiologen u. Jagdwissenschaftler Deutschlands (VWJD)
Die Vorläuferorganisation wurde 1954 anlässlich der Internationalen Jagdausstellung Düsseldorf gegründet. Die VWJD ist die deutsche Gruppe der international Union of Game Biologists (IUGB), die FJW zählt zu den Gründungsmitgliedern. Internationale Ausrichtung, Voraussetzung zur Mitgliedschaft ist eine Tätigkeit in der Wildforschung bzw. das Studium eines relevanten Faches.

 

- Gesellschaft für Wildtier und Jagdforschung (GWJF)
Nachfolgeorganisation der „Arbeitsgemeinschaft für Jagd- und Wildforschung“ an der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften in Berlin. Mitglieder sind Wissenschaftler und Praktiker.

 

- Institut für Wildbiologie Göttingen und Dresden Schwerpunkte und Aufgreifen von Fragestellungen, die aus beiden Universitätsstandorten mit forstlichen Fakultäten im notwendigen Maß nicht abrufbar sind.

 


Aufgaben der Forschungsstelle – Wildforschung in NRW

In Nordrhein-Westfalen als Bundesland mit der höchsten Bevölkerungsdichte und den meisten Jägern beschlossen die Jäger bereits 1950 (damals lag die Jagdhoheit noch bei den Alliierten), eine eigene Einrichtung für Forschung, Beratung sowie Ausund Fortbildung zu schaffen und aus Mitteln der Jäger zu fördern.

 

Dies trägt den besonderen Rahmenbedingungen des Landes, charakterisiert durch den Bevölkerungsschwerpunkt in Europa, eine reiche Naturraumausstattung, reiche Wildvorkommen sowie der Notwendigkeit des Ausgleichs der Interessengruppen Rechnung. Der Beratungsbedarf ist in NRW besonders hoch. Der Aufgabenzuschnitt der Forschungsstelle und auch die Finanzierung der gesetzlichen Aufgaben aus der Jagdabgabe tragen diesem Aspekt Rechnung. Durch den Beirat bei der FJW ist die Mitwirkung und Beteiligung der Jäger gesichert. Auf die einschlägige Expertise zur fachlichen Beratung greifen auch Gerichte und benachbarte Bundesländer zurück.

Nordrhein-Westfalen verfügt über keine eigene forstliche Fakultät. Wildbiologisch relevante Fragestellungen im Bereich der Grundlagenforschung werden zum Teil an den Hochschulen aufgegriffen, wie am Institut für Evolutionsbiologie und Ökologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Grundlagenforschung ist naturgemäß nicht primär anwendungsorientiert.

 

Die Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung mit ihrem Aufgabendreiklang aus Forschung, Beratung, Aus- und Fortbildung nimmt eine zentrale Mittlerfunktion in der Wahrnehmung der Belange des Wildes und der Jagdnachhaltigkeit und Nutzung ein. Im Rahmen des wissenschaftlichen Austausches bestehen Kontakte der FJW zu den genannten Institutionen auf Bundes- und Länderebene sowie den Hochschulen. In der Gesamtbilanz haben sich je nach primärer Aufgabenstellung und geo grafischer Lage unterschiedliche Schwerpunkte an einzelnen Forschungsstätten herausgebildet.

 

Eine Förderung der Wildforschung und Jagdwissenschaft aus der Jagdabgabe gibt es im Bereich der Länderinstitute, Vereine und Hochschulinstitute, dies gilt auch für die forstlichen Fakultäten.

 

Dr. Michael Petrak

LANUV NRW,

Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung,

Pützchens Chaussee 228,

53229 Bonn.

E-Mail: michael.petrak@lanuv.nrw.de


Download

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 02/2019 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

RWJ 02/2019: Forschungsstelle


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