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RWJ 10/2019: Waschbär-Spulwurm auf Menschen übertragbar

Unappetitliche Probleme

Mittlerweile haben sich Waschbärpopulationen in allen Bundesländern etabliert. Da einige ihrer zahlreichen Krankheitserreger auch Menschen gefährden können, sind im Umgang mit dem Kleinbären einige Schutzmaßnahmen zu beachten.

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Auch in NRW breiten sich Waschbären nahe- zu ungebremst aus – mit nicht un­erheb- lichen Gefahren auch für den Menschen. Fotos (2): W. Holtmeier

Die Strecken in NRW belegen einen stetigen und rasanten Anstieg der Population, so wurde im Jagdjahr 2017/18 ein erneuter Höchstwert von 17 201 erreicht – ein Drittel mehr als im Vorjahr. Waschbären können Träger zahlreicher Krankheitserreger sein, die auch beim Menschen Erkrankungen hervorrufen können (Zoonosen). Darunter ist der sog. Waschbär-Spulwurm („Baylisascaris procyonis“) von besonderer Bedeutung. Dieser streichholzdicke, bis 22 cm lange Wurm produziert im Dünndarm von Wasch bären Eier (geschlecht liche Vermehrung) – bis zu 26 000 pro Gramm Kot werden davon ausgeschieden. Wurmeier sind sehr widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen und in der Umgebung noch nach Jahren entwicklungs- und überlebensfähig. In zwei bis vier Wochen entwickelt sich im Ei eine infektiöse Larve, die von Waschbären oder Zwischenwirten (meist Nager, Hasenartige und Vögel) aufgenommen wird.

 

Der parasitäre Zyklus schließt sich durch Aufnahme von Wurmeiern, Larven oder infizierten Zwischenwirten durch Waschbären. Besonders Jungtiere nehmen vermehrt Wurmeier direkt aus ihrer Umgebung auf, etwa rund um gemeinsam genutzte Latrinen. Neben Waschbären können auch Hunde als Endwirt fungieren, in denen sich der Entwicklungszyklus schließt. Regelmäßig infizieren sich auch größere Säugetiere und Menschen durch Aufnahme infektiöser Larven. Da diese aber in der Regel nicht von Waschbären aufgenommen werden (sich der parasitäre Zyklus also nicht schließt), nennt man diese Fehlwirte.

 

Selten, aber hochgefährlich

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Besonders Jungtiere infizieren sich rund um gemeinsam benutzte Latrinen.

Waschbären selbst zeigen in der Regel keinerlei Krankheitsanzeichen, ganz anders bei Zwischen- oder Fehlwirten – teils schwerwiegende klinische Symptome ergeben sich bei der Wanderung infektiöser Larven durch die Darmwand etwa in Leber und Lunge. Zu tödlichen Verläufen kann es kommen, wenn Larven ins Nervensystem wandern, auch Erblindungen von Patienten werden regelmäßig beschrieben. Doch weit häufiger wandern die Larven durch verschiedene innere Organe, wodurch Erkrankte eher unspezifische Symptome zeigen, ja, in den allermeisten Fällen von Infektionen beim Menschen fehlen Krankheitssymptome gänzlich.


Wege der Infektion

In verschiedenen Studien wurde das Vorkommen des gefährlichen Parasiten bei Waschbären in Deutschland bestätigt (s. Tab. u.). Wegen der räumlichen Nähe zu Siedlungen und ihrer oft sehr hohen Dichte ist besondere Vorsicht im Umgang mit Waschbären und ihren Hinterlassenschaften geboten, doch auch der jagdliche Umgang birgt Gefahren: - So können sich in Kot, der in Kastenfallen zurückbleibt, infektiöse Larven entwickeln, - auch beim Umgang mit erlegten Waschbären können sich Jäger und Hunde durch am Fell anhaftende Eier infizieren oder diese verschleppen. Bei einer Umfrage mit Betreibern und Mitarbeitern von Auffangstationen wurde deutlich, dass v. a. fehlende Handhygiene nach dem Hantieren mit den Tieren und während des Säuberns der Gehege die Hauptquelle für Infektionen mit dem Waschbär-Spulwurm darstellt.

 

 

Untersuchungsgebiet Häufigkeit Studie

USA

(Nordosten, Westküste)

 

68 - 82 %

 

Kazacos 2001

Kanada

(British Columbia)

 

61 %

 

Ching 2000

Japan - Matoba 2006

Polen

Nationalpark Warta Mouth

 

3 %

 

Popiolek 2011

Deutschland

Brandenburg

Nord- und Mittelhessen

Sachsen Anhalt (Ostharz)

                          (Brandenburg)

Niedersachsen

 

-

71 %

39 %

45 %

54%

 

Lux/Priemer 1995

Gey 1998

Winter 2005

Helbig 2011

Anheyer-Behmenburg 2013

 

 


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So beugt man vor

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Beim Abbalgen von Waschbären sollte man Mundschutz und Handschuhe tragen. Foto: Dr. M. Petrak

Trotz des rasanten Anstiegs und vermehrten Vorkommens von Waschbären in menschlichen Siedlungsräumen, der teils hohen Nachweisrate des Erregers und seiner hohen Haltbarkeit in der Umwelt wurden bisher kaum Infektionen bei Menschen in Deutschland bekannt. Das Risiko wird zwar als gering eingeschätzt, die Dunkelziffer ist jedoch eventuell hoch, da die Krankheit wegen des Fehlens von Symptomen in ihrer häufigsten Form wahrscheinlich oft unentdeckt bleibt.

 

Beim Umgang mit Waschbären und ihrem Kot sollte auf eine grundsätzliche Hygiene (regelmäßiges Händewaschen) geachtet werden, dazu werden folgende Präventionsmaßnahmen empfohlen:

 

  • Fernhalten von menschlichen Siedlungen, etwa durch Verschluss von Küchen abfällen und Kletter-Sperren an Schornsteinen und Abflussrohren.
  • Beseitigen und Säubern von Latrinen und deren Umgebung durch kochendes Wasser und Abflammen – Spulwurmeier werden erst über 62 °C abgetötet!
  • Dabei ist strikte Hygiene einzuhalten, so sollte man Schutzkleidung (Handschuhe, Mundschutz) tragen und anschließend die Kleidung gründlich reinigen (Kochwäsche).
  • Bei Kontakt mit Waschbären und Kot stets Handschuhe tragen!
  • Auch beim Abbalgen und intensiven Hantieren empfiehlt sich Mundschutz.
  • Beim Transport toter Waschbären verhindert man eine Kontamination von Auto und Kleidung durch auslaufsichere Mülltüten oder leicht zu reinigende Unterlagen.
  • Waschbären in Auffangstationen behandelt man gezielt gegen Spulwürmer, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren.
  • Auch behördlich koordiniertes Auslegen von Entwurmungsmitteln (Fraßköder) zur Reduktion der Ausscheidung von Eiern in Siedlungsgebieten (in anderen Ländern bereits eingesetzt) wäre denkbar (nur in Kombination mit Latrinen-Dekontamination).
  • Auch von Hunden als alternativen Endwirten geht eine potenzielle Gefährdung aus. Dieses Risiko minimiert man durch ohnehin empfohlene regelmäßige Entwurmung.

 

Luisa Ziegler

Fachtierärztin für Wildtierpopulationsgesundheit,

Wirtschafts-, Wild- u. Ziergeflügel, Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW, Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung,

Pützchens Chaussee 228,

53229 Bonn,

E-Mail: luisa.ziegler@lanuv.nrw.de

 

 


Zur Untersuchung der Verbreitung des Waschbär-Spulwurms in NRW können Jäger Fallwild bei folgenden Einrichtungen kostenlos untersuchen lassen:

 

Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Westfalen

Zur Taubeneiche 10-12, 59821 Arnsberg

 

CVUA Münsterland-Emscher-Lippe

Joseph-König-Str. 40, 48147 Münster

 

CVUA Ostwestfalen-Lippe

Westerfeldstr. 1, 32758 Detmold

 

CVUA Rheinland

Winterstr. 19, 50354 Hürth

 

CVUA Rhein-Ruhr-Wupper

Alte Gladbacher Str. 2, 47798 Krefeld

 


Download

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 10/2019 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

RWJ 10/2019: Forschungsstelle


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