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RWJ 09/2020: Drüsiges/Indisches Riesenspringkraut

Sofort bekämpfen !

Ein RWJ-Leser bekämpft mechanisch regelmäßig Rotes Riesenspringkraut (syn. Drüsiges bzw. Indisches Springkraut/Impatiens glandulifera), da er meint, die invasive Pflanze würde die heimische Vegetation verdrängen, Wild kaum Äsung und Insekten kaum Nahrung bieten und durch Verschattung die Naturverjüngung stören. Ist dies sinnvoll, da Rehe diese Pflanzen gern beäsen und ihre Verbreitung ohnehin nicht aufzuhalten ist ? Wir haben die Frage an die Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung weitergegeben.

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Besonders entlang von Gewässern muss der Neophyt aufwändig bekämpft werden. Foto: HNA/A. Gödecke

Dieser Neophyt verdrängt heimische Pflanzen nahezu vollständig und begünstigt zudem die Erosion. Auch wenn die Blüten des Drüsigen Springkrautes zum Teil von Insekten genutzt werden und die Pflanze gelegentlich von Rehen, Rotund Schwarzwild geäst wird, ist die vollständige Verdrängung der heimischen Vegetation äußerst nachteilig.

 

Neophyten können die jahreszeitlich versetzte Blütezeit einheimischer Pflanzen nicht ersetzen und verdrängen (selbst wenn sie beäst werden) das wesentlich artenreichere und vielfältigere Äsungsangebot heimischer Pflanzen. Die Beäsung verschiedener Seggenarten, von Wechselblättrigem Milzkraut, Mähdesüß und verschiedenen Gräsern ist wegen ihrer filigraneren Strukturen nicht so einfach anzusprechen wie bei größeren Pflanzen. Dadurch wird der Äsungswert heimischer Wildpflanzen leider unterschätzt.

 

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Die über 3 m hoch werdende Pflanze breitet sich auch in NRW nahezu explosionsartig aus und verdrängt die heimische Flora.

Die Bekämpfung des Drüsigen Springkrautes ist in jedem Fall zu empfehlen. Charakteristisch ist ein exponentielles Wachstum – die Menge ist am Anfang gering, wer sie gleich entfernt, spart später viel Arbeit, in der Besiedelungsphase genügt in jedem Fall Handarbeit.

 

Daher wäre es ein Fehler, auf lohnende Mengen zu warten. Dies erfordert später nicht nur höheren Einsatz, sondern erhöht das Risiko, solche Pflanzen nie wieder eindämmen zu können.

 

Fazit: Die Bekämpfung des Drüsigen Springkrautes ist in Übereinstimmung mit rechtlichen Grundlagen und unter naturschutzfachlichen und wildbiologischen Aspekten eindeutig zu empfehlen! Die gelegentliche Annahme durch heimische Tiere darf davon nicht ablenken. Wozu eine Zurückhaltung in der Startphase führen kann, sieht man heute leider am Riesen-Bärenklau (Herkules-Staude), der zunächst auch als Bienenweide gefördert wurde und heute aufwendig zurückgedrängt werden muss.

 

Dr. Michael Petrak

LANUV NRW,

Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung,

Pützchens Chaussee 228,

53229 Bonn,

E-Mail: michael.petrak@lanuv.nrw.de

 

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