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RWJ 12/2018: Mit Methoden der Landwirtschaft

Lebensbedingungen für Wildtiere verbessern

Die Nutzung in der Landwirtschaft setzt Rahmenbedingungen für Strukturvielfalt und Lebensraumqualität für Wildtiere in der Agrarlandschaft.

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Agrar-Umweltmaßnahmen: Intensives Ackerland wurde mit dem Uferrandstreifen­programm entlang des Gewässers extensiviert – kein Ertragsausfall, sondern Einnahme von 1 100 €/ha (Gewässerschutz + Schaffung einer Wildäsungsfläche).

Genau wie bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts die landwirtschaftliche Nutzung, geprägt durch eine Vielzahl an kleineren Betrieben, geringere Spezialisierung, eine Vielfalt an Feldfrüchten und eine insgesamt geringere Nutzungsintensität zur Vielfalt beitrugen, haben zunehmende Spezialisierung, Trennung von Pflanzenbau und Viehhaltung und eine insgesamt intensivere Nutzung dazu geführt, dass die Lebensraumqualität für Wildtiere insgesamt gesunken ist. Vielfalt an Lebensräumen und Arten gabs nie „gratis“ – so wie sie früher Folge landwirtschaftlicher Nutzung war, muss sie auch heute durch aktives Management erreicht werden. Vielfalt ist Folge der Bewirtschaftung des Offenlandes.

 

 

Beste Programme für Wild nutzen

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Geschickte Mahd im Grünland erhöht Strukturvielfalt und Nutzungsdauer für Wild. Fotos: M. Petrak

Die Fördermöglichkeiten der Landwirtschaft (EU-Agrarumwelt- und Vertragsnaturschutz- Maßnahmen) bieten wertvolle Chancen zur Reviergestaltung. Die komplexen Details zu Förderbestimmungen sind im „Ratgeber Förderung“ und einschlägigen Veröffentlichungen des LANUV zu finden. Sinnvoll ist ggf. eine Kontaktaufnahme zur Landwirtschaftskammer und zur Naturschutzbehörde. Wichtig ist es, die für das Wild besten Förderprogramme zu nutzen, wesentlich ist dabei die Gesamtsituation des Lebensraums. So sind Wegrand-Programme an viel befahrenen Straßen wegen der Gefahren durch den Verkehr wenig sinnvoll, während sie abseits von Verkehrswegen in intensiv genutzter Agrarlandschaft eine wichtige Bereicherung darstellen. Bereits das Ökokatasterprojekt in den 1980er Jahren hatte gezeigt, dass in intensiv genutzten Agrarlandschaften der Anteil von Graswegen erhebliche Bedeutung, etwa für Feldhasen, hat.

 


Der Verpflichtungszeitraum für Agrarumwelt- und Vertragsnaturschutz-Maßnahmen beträgt fünf Jahre. Frühzeitige Absprachen sind hilfreich. Dazu bietet sich gerade auch der Sommer an, sich nach Defiziten im Jagdrevier umzusehen und sich bereits dann schon Gedanken für das nächste Jahr zu machen. Zur Orientierung sind unterschiedliche Maßnahmen, die aus Sicht des Wildes lohnend sind, in einer Tabelle zusammengefasst – Rebhuhn, Feldhuhn und Lerche haben ähnliche Ansprüche. Für Niederwild gilt es auch, Beutegreifer im Auge zu behalten. Für unregelmäßige Strukturen und weite Streifen – soweit mit den Vertragsbedingungen vereinbar – sind 20 m günstig, Streifen von 5 m Breite dagegen bieten dem Fuchs eine ideale Spürbahn, dem Tier einen Anhalt. Einzelne Maßnahmen lassen sich auch mit verschiedenen Funktionen kombinieren: Schonstreifen am Rand von Feldern mindern den Dünge- Eintrag in Gewässer und nutzen gleichzeitig Wild. Wegrain-Programme in der Feldflur dienen auch dem Erosionsschutz und kommen Pflanzen, Insekten und Wild zugute.

 

Dr. Michael Petrak LANUV NRW,

Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung,

Pützchens Chaussee 228,

53229 Bonn.

Ein Literaturverzeichnis kann angefordert werden, E-Mail: michael.petrak@lanuv.nrw.de


Download

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 08/2018 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

RWJ_12/2018:Forschungsstelle


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