Seite 1

RWJ 06/2021: Rotwild-Lebensraumstudie im deutsch-belgischen Grenzgebiet

Erstes Alttier markiert

In der winterlichen Schneephase gelang Mitarbeitern des Forstamts Elsenborn (Belgien) Ende Januar 2021 die Markierung eines etwa achtjährigen Alttieres – unmittelbar an der deutschen Grenze zum Nationalpark Eifel. Die Forschungsstelle bittet auch alle Jäger auf der deutschen Seite des grenzüberschreitenden Projekts um Beachtung und Hilfe.

fost rotwild mb id168648

Im Grenzraum zu Belgien (s. Karte S.18) sollte beim Kahlwild-Abschuss im kommenden Herbst/Winter das markierte, etwa achtjährige Alttier Hanna unbedingt geschont werden.

Die Markierung lässt wichtige Informationen zur Raumnutzung und zum Verhalten von Rotwild bei extremen Witterungsverhältnissen und der Reaktion auf Störungen wie Jagdbetrieb und Tourismus erwarten. Der Markierungsort liegt im Gebiet des Pilotprojekts Monschau-Elsenborn – dortige Langzeitstudien, verhaltensbiologische Untersuchungen im Nationalpark Eifel und im Rahmen des Wildmanagements im Nationalpark erhobene Daten und Erfahrungen bieten wertvolle Einblicke in die Wechselbeziehungen zwischen Mensch, Lebensraum und Rotwild.

Ergebnisse werden aus einer Vielzahl von Beobachtungen an unterschiedlichen Individuen abgeleitet, die Begleitung eines Individuums über längere Zeiträume ist nur mithilfe individuell markierter Tiere möglich. Dabei ist die Anzahl der beobachteten Stücke naturgemäß geringer.

Die Entwicklung der Satelliten-Telemetrie in den letzten Jahrzehnten erlaubt es, Aktivitäten großräumig und automatisiert zu erfassen.

Die Verfolgung individuell markierter Tiere gibt einen vertieften Einblick in die individuelle Streubreite von Verhalten und Raumnutzung – eine wichtige Grundlage zum Monitoring.

Von besonderem Interesse ist der Vergleich von Aktivität und Raumnutzung auf beiden Seiten der deutsch-belgischen Grenze. Dieser ermöglicht auch eine Einschätzung der Auswirkung der Jagd auf das Verhalten.

In Belgien sind die Jagdzeiten generell kürzer, zudem herrscht Nachtjagdverbot.

Maßnahmen zur Lebensraumberuhigung und Tourismussteuerung werden konsequenter durchgeführt.

 

fost 6-21 vacc.flur unter fi id168332

Waldbestände mit einem reichen Angebot an Heidelbeere als Winteräsung nehmen eine Schlüsselrolle für die Raumnutzung ein und wurden in den ersten Tagen aufgesucht.

Seite 2

RWJ 06/2021: Rotwild-Lebensraumstudie im deutsch-belgischen Grenzgebiet

Der Raum aus Sicht des Rotwilds

fost 6-21 streifgebiet id168336-1 kopie

Streifgebiet des Alttiers Hanna in den ersten Tagen nach der Markierung (Kartengrundlage Tim-Online / Quelle: Forstamt Elsenborn)

Der Charakter der Nordeifel ist geprägt durch Hochflächen, die von Tälern tief eingeschnitten sind – es wird spannend sein, wie sich das Alttier in diesem Raum bewegt. Die Fernwechsel verlaufen über die Höhen, aus Sicht des Rotwilds ist der Lebensraum ungeteilt, unabhängig von der Landesgrenze.

Die allerersten Aufzeichnungen zur Raumnutzung zeigen dies anschaulich.

Das Gebiet des Pilotprojekts Monschau- Elsenborn ist Dreh- und Angelpunkt der Rotwildpopulation in der Nordeifel, Fernwechsel reichen weit nach Belgien und in die übrige Eifel hinein.

Die Markierung bietet die Chance, die Raumnutzung zu erkunden – besonders die Auswirkungen verschiedener menschlicher Aktivitäten in diesem Raum:

- die Lebensraumstruktur ist auf beiden Seiten der Grenze ähnlich, weist jedoch angesichts der Unterschiede in der Waldentwicklung/- behandlung nach dem Zweiten Weltkrieg charakteristische Unterschiede auf,
- die Pflanzengesellschaften der Täler gehen auf beiden Seiten auf eine landwirtschaftliche Nutzung in den letzten 600 Jahren zurück,
- die potenziell natürliche Vegetation ist auf großer Fläche der Haimsimsen- Buchenwald,
- Störgrößen werden wesentlich bestimmt durch Unterschiede in der Besucherlenkung, die Auswirkungen des Gefahrenbereiches Truppenübungsplatz Elsenborn sowie die zeitweilige Sperrung bestimmter Räume, unterschiedlich lange Jagdzeiten und Unterschiede in der Jagdausübung.

Zum Erfolg des Projektes ist es natürlich wichtig, dass das auf acht Jahre geschätzte Alttier Hanna (grünes Halsband, orange Ohrmarken) nicht erlegt wird.

In Verbindung mit der Rotwildjagd notwendiges, sorgfältiges Ansprechen sollte dies in jedem Fall gewährleisten.

Dr. Michael Petrak

LANUV NRW, Forschungsstelle für Jagdkunde
und Wildschadenverhütung,
Pützchens Chaussee 228, 53229 Bonn,
E-Mail: michael.petrak@lanuv.nrw.de


fost 6-21 wasserwerkswald id168337

Fuhrtsbachtal - u.a. anderem mit Bärwurztrift. Dieser Talabschnitt auf der deutschen Seite wurde vom markierten Alttier in den ersten Tagen aufgesucht.


Download

Forschungsstelle Juni 2021


Aktiv nur für Mitglieder!

Bitte melden Sie sich an, oder werden Sie Mitglied.