Seite 1

RWJ 07/2018: Hege im Grünland

Wildstreifen schaffen Rückzugräume

Früher wurde beweidet, heute wird gemäht und Gras siliert – mit massiven Nachteilen für Niederwild und Bodenbrüter. Wissenschaftler zeigen nun Wege, mit denen man im Grünland ohne nennenswerte Verluste Rückzugsräume schaffen kann. Ob alternierende Rückzugsstreifen innerhalb einer Grünlandfläche eine praxisverträgliche Alternative darstellen können, wurde in einem Projekt am Klever Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Riswick überprüft. Darüber berichten Dr. Klaus Hünting, Bernadette Bothe und Dr. Martin Pries (alle Landwirtschaftskammer NRW).

wildstreifen seite 1 bild 0001

Rückzugsstreifen bei der Ernte des ersten Schnittes.

In Grünlandregionen mit nahezu ausschließlicher Stallhaltung werden gerade zum ersten Schnitt sehr viele Flächen binnen weniger Tage geschnitten. Durch die Umstellung von Beweidung zu reiner Schnittnutzung verschwanden im Lauf der Zeit viele ehemals in der Landschaft vorhandene Zäune, und kleiner parzellierte Flächen wurden zu entsprechend großen Einzelparzellen zusammengefasst. Mit jedem Zaun, der aus der Landschaft verschwand, ging gleichzeitig nicht bewirtschafteter Rückzugsraum für Niederwild und Bodenbrüter verloren. Streifen zwischen einzelnen Schlägen, die aus der Bewirtschaftung genommen werden, könnten hier langfristig Rückzugsräume schaffen. Dieses ist aber in der Praxis nur im begrenzten Umfang zu realisieren.

Wildschutz ohne Ertragsausfall möglich

wildstreifen seite 1 bild 0003

Abgeernteter Rückzugsstreifen zum 2. Schnitt.

Auf 2,8 ha Dauergrünland ging es weniger darum, zu untersuchen, welche Effekte solch alternierende Streifen tatsächlich auf Niederwild haben, sondern vielmehr darum, wie die Streifen den Ertrag und die Qualität des von der Fläche gewonnenen Futters beeinflussen. Zu Versuchszwecken wurde im ersten Schnitt (5. Mai) im Zentrum ein Streifen nicht mit beerntet. Dieser etwa 200 m lange Streifen hatte auf den ersten 100 m eine Breite von drei und auf den zweiten von sechs Metern. Zum zweiten Schnitt (31. Mai) wurde dieser Streifen abgemäht und seitlich daneben ein gleichartiger Streifen angelegt. Zum dritten Schnitt (21. Juli) wurde die Fläche komplett gemäht. Zu den Schnitt- Terminen wurden Erträge sowohl in der regulär beernteten Fläche als auch im Wildstreifen durch Probeschnitte bestimmt.


wildstreifen seite 1 bild 0002

Probeschnitt zur Ertragsbestimmung.

Der abgemähte Wildstreifen wurde praxisüblich mit einem 18 m-Schwader mit einem Teil des regulären Aufwuches zusammen geschwadet. Aus diesem Misch-Schwad wurde Material ebenso in 220 l-Fässern einsiliert wie Material des aktuellen Aufwuchses allein. Von den so einsilierten Materialien wurden mithilfe der energetischen Futterwertprüfung (Hammeltest) die Verdaulichkeit und der Energiegehalt bestimmt. Die nachfolgende Abbildung zeigt, wie sich die Verwendung der unterschiedlich breite Rückzugsstreifen auf den Trockenmasse-Ertrag je Hektar nach drei Schnitten auswirkt.


wildstreifen seite 3 bild 0002

Wiegen des Probeschnittes.

Anhand der in der Verdaulichkeitsuntersuchung ermittelten Energiehalte der Silagen aus den unterschiedlich breiten Rückzugsstreifen lässt sich in Verbindung mit der Trockenmasse-Ertrag der Gesamtenergie-Ertrag von der Fläche nach drei Schnittterminen ermitteln. Resultierend aus dem erheblichen Massezuwachs der Rückzugsstreifen wurden je Hektar über die drei Schnitte höhere Trockenmasse und Energieerträge bei Verwendung der Streifen realisiert. Da aber das Futteraufnahmevermögen von Milchkühen begrenzt ist, kann es nicht bei der alleinigen Betrachtung der absolut von der beernteten Fläche gewonnenen Trockenmasse bzw. Energie bleiben, sondern vielmehr muss hier die resultierende relative Energiedichte betrachtet werden. Da die gewählten Rückzugsstreifen flächenmäßig bei sechs Metern Breite nur etwa 4,3 Prozent der gesamten Fläche ausmachten, ist der Effekt auf den relativen Energiegehalt der Fläche als Ganzes als eher gering einzustufen.

 

Über die drei ersten Schnitte, die etwa die Kernspanne der Brut- und Setzzeiten des Niederwildes darstellen, sinkt der Energiegehalt im Versuchsjahr 2017 im Schnitt nur um 0,1 MJ NEL je kg TM (siehe Tabelle 4) wenn kein Rückzugsstreifen vorhanden ist, im Vergleich zu einem Streifen von sechs Metern Breite. Fazit: Aufgrund des nur geringen Rückgangs der Energiekonzentration sind mit jedem Schnitt wechselnde Rückzugsstreifen aus der Sicht der Fütterung ein möglicher Weg, um in der Kulturlandschaft Räume zu schaffen, die Niederwild und Bodenbrütern Möglichkeiten geben könnten, Nachwuchs groß gezogen zu bekommen. Dabei ist aber im Interesse des Wildes zu berücksichtigen, dass diese Streifen nicht als Erstes frei gemäht werden, sondern das Wild wie beim Mähen von innen nach außen während des Mähvorgangs in die Streifen gedrückt wird.

 

Dr. Klaus Hünting Landwirschaftskammer NRW 


Bildergalerie Wildstreifen schaffen Rückzugsräume

Aktiv nur für Mitglieder!

Bitte melden Sie sich an, oder werden Sie Mitglied.