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RWJ 04/2013: Ein Musterbetrieb im Münsterland

Weniger Ertrag - für mehr Natur

Auf dem Landesjägertag 2012 wurde die KJS Höxter von der Wildtier- und Biotop­schutz-Stiftung und dem Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen mit dem Biotophegepreis 2012 ausgezeichnet (s. RWJ 9-12). Drei Projekte bewarben sich um den Preis, wir stellen sie in einer kleinen Serie vor.

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Wer Flächen, die eigentlich zum Frucht­anbau genutzt werden könnten, von der landwirtschaftlichen Nutzung ausklammert und der Natur überlässt, hilft nicht nur dem Niederwild.

Landwirtschaftlicher Betrieb Alfons Tenk/Projekt „Wildtierfreundliche Landwirtschaft“

 

Der Wildbestand einer Region oder eines Reviers wird ganz entscheidend von der Qualität des Lebensraumes bestimmt. Natürlich sind auch andere Faktoren mitbestimmend, doch wenn das Biotop nicht passt, sind alle Bemühungen des Jägers um einen landschaftsgerechten Wildbestand mehr oder weniger vergebens. So wichtig einzelne, punktuelle, den Biotop verbessernde Maßnahmen auch sein mögen, ändern diese nichts, wenn die allgemeinen Bedingungen des Umfelds nicht stimmen. Dabei kommt der land- und forstwirtschaftlichen Bodennutzung eine ganz zentrale Position zu.

 

Für das Münsterland, eine der wichtigsten Niederwildregionen in NRW, ist Landwirtschaft der entscheidende Faktor für den Erhalt von Hase, Rebhuhn, Fasan, Kaninchen und Co. – also für das Niederwild. Aus marktwirtschaftlichen Erwägungen wie der Energiewirtschaft verändert sich die bäuerliche Landwirtschaft auch im Münsterland immer mehr zu einer Agrarindustrie – mit allen Negativfolgen nicht nur für Wild, sondern auch für Flora und Fauna insgesamt. Daher sind Initiativen für eine wildfreundlichere Landwirtschaft gar nicht hoch genug einzuschätzen. Im Einzelnen sind dafür beispielhaft zu nennen:

 

  • Anlage von Altgrasstreifen
  • Schaffung von Getreiderand-/Brachstreifen entlang von Hecken als Setz- u. Brutflächen und Insektenlebensraum
  • Belassung nicht mehr benötigter Weidezäune zur Schaffung von Ackerrainen
  • Schaffung von Deckungsinseln Anlage von Lerchenfenstern, Uferrandstreifen und Kleingewässern
  • Schaffung von Blühstreifen

 

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Solch artenreiche Heckenstruktur ist in der Agrarlandschaft selten geworden.

Alfons Tenk gewann 2012 den Förderpreis Wildtierfreundliche Landwirtschaft der Jägerstiftung natur + mensch – wobei die tatsächlichen Gewinner Natur und Landschaft im Kreis Borken waren.

 

Die Kreisjägerschaft Borken meldete dieses Projekt, um damit ein Zeichen für das Niederwild und eine wildtierfreundliche Landwirtschaft zu setzen – Wildgras statt Weizen, Blühstreifen statt Ackerscholle bis zur Straßenkante, Lerchenfenster statt durchgängiger Ernteflächen.

 

Verzicht auf bewirtschaftetes Ackerland zugunsten einer ungestörten Entwicklung wildlebender Tiere bedeutet für jeden Landwirt spürbare Einkommensverluste. Einer, der dennoch das Mit- und Nebeneinander von Landwirtschaft und Natur mit Augenmaß zu verbinden versucht, ist Alfons Tenk, seit mehr als 20 Jahren genießt in seinem Betrieb der Wildtierschutz besonderen Stellenwert. „Wir nehmen seit Jahren an jedem Förderprogramm für Wildtierschutz teil“, berichtet Alfons Tenk. Dazu führt er zusätzlich biotopverbessernde Maßnahmen auf eigene Kosten durch. Im Kern laufen alle Maßnahmen auf ein simples Prinzip heraus – Flächen, die eigentlich zum Fruchtanbau genutzt werden könnten, werden von der landwirtschaftlichen Nutzung ausgeklammert und der Natur überlassen – rund 8 bis 10 Prozent seiner etwa 40 ha großen Ackerflächen stellt Alfons Tenk dafür zur Verfügung. Besonders schwer fällt dieser Verzicht nicht nur wegen der Ertragsminderung – ebenso gravierend ist der Wegfall bei der Berechnung der hart umworbenen Gülleflächen, nach der sich die Größe einer Schweinezucht berechnet.

 

Dass diesem Engagement für Rebhuhn und Hase neben der Freude am Naturschutz auch ein jagdliches Interesse zugrunde liegt, zeigt ein Blick in die Jagd- Chronik mit Strecken, die nur in intakten Lebensräumen und durch eine außerordentliche engagierte Reviergestal tung (mit ergänzender Raubwildbejagung) erreicht werden können.

 

Damit endet unsere kleine Serie „Biotophegepreis 2012“. Wir hoffen, bei der Vorstellung der Projekte war manche Anregung für biotopverbessernde Maßnahmen auch in Ihrem Revier dabei. Die vorgestellten Maßnahmen zeigten einmal mehr, wie wichtig es heute ist, sich aktiv zur Verbesserung der Wildlebensräume einzusetzen.

 

LJV NRW

 

Mehr zum Thema: KJS Höxter gewinnt Biotophegepreis 2012


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