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RWJ 04/2015: Vor Beginn der Grünlandernte

Rechtzeitig absprechen

Die Grasernte überschneidet sich mit den Setz- und Brutzeiten vieler Wildtiere. Dabei werden leider jedes Jahr viele Wildtiere getötet. Wie man solche Verluste reduzieren kann und welche Gefahren von Tierkadavern aus gehen, erläutern Dr. Klaus Hünting (Landwirtschaftskammer NRW) und Gregor Klar (LJV NRW).

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Mithilfe des unscheinbaren LJV-Wildretters konnten schon unzählige Wildtiere wie dieses Fasanenküken vor dem Ausmähen bewahrt werden. Fotos: T. Berner

Als man den ersten Schnitt noch zur Heubergung nutzte, kam dabei das meiste Wild zu Schaden. Durch die Erzeugung von Qualitätssilage mit frühem ersten Schnitt wächst die Hauptzeit der Gefährdung heute auf den ersten und zweiten Schnitt.

 

Weitere Gefahr droht Wild auch, wo Grünroggen für Silage angebaut wird, denn anders als beim normalen Getreideanbau erfolgt dessen Ernte fast zeitgleich mit frühen ersten Grasschnitten.

 

Jede Ernte bis zur ersten Maiwoche gefährdet in erster Linie Hasen, unter den späteren Schnitten (Ende Mai/Anfang Juni) leidet nahezu das gesamte Wildar- 29 tenspektrum, neben Rehen, die meist gesetzt haben, sind dann v. a. Bodenbrüter wie Fasanen gefährdet.

 

Ein Verschieben der Mahd auf einen deutlich späteren Zeitpunkt würde dem Wild zwar sehr zugutekommen, aber spätere Schnitte bedeuten Qualitätsund Ertragseinbußen und entsprechen nicht dem Anspruch von Hochleistungsnutzvieh an Grobfuttermittel.

Vergiftungsgefahr durch Botulismus

Gelangen Kadaver bei der Mahd ins Erntegut, könnten Clostridium-Bakterien daraus hochgiftiges Botulinum bilden. Schon minimale Mengen dieses Giftes in Reinform sind tödlich für Menschen, Pferde scheinen empfindlicher darauf zu reagieren als Rinder. Durch die übliche Form der Vorlage mit Mischwagen können vergiftete Partien homogen vermischt bei mehr Tieren zu Vergiftungserscheinungen mit deutlichen Leistungseinbußen führen. Auch daher sollte bei der Ernte jegliche Futterkontamination mit getöteten Tieren vermieden werden.


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Wild verscheuchen - aber wie?

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Es gibt verschiedene Möglichkeiten Wild von Mahdflächen zu vergrämen: Rascheltüten und Flatterbänder sollte man nicht zu früh abends vor der Mahd aufstellen, da Wild solche Störungen schnell wieder akzeptiert und zurück in die Flächen zieht.

 

Akustische Wildretter können auch abends vor der Mahd an Scheuchen montiert werden, in Siedlungsnähe sollte man sie aus Lärmschutzgründen in die entgegengesetzte Richtung zur Bebauung stellen. Die Haltbarkeit der Akkus beträgt 5 bis 6 Stunden, zum Nachteinsatz lassen sich akustische Wildretter mit einer Intervallschaltung versehen.

 

Akustische Wildretter können auch noch während der Mahd Wild vertreiben. Die Bauanleitung dieser kostengünstigen, sehr lauten, am Mähfahrzeug befestigten Sirenen ist über den LJV erhältlich (Tel. 0231/2869600, E-Mail: info@ljv-nrw.de, www.ljv-nrw.de). Sie funktionieren aber leider nicht bei sich drückenden Jungtieren und brütenden Fasanen.


Absuchen hilft am besten

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Kaum zu glauben - Der winzige Wildretter (hier im Einsatz an einem Frontmähwerk) hat seine Bewährungsprobe in der Praxis längst bestanden - probieren Sie's selber aus!

Das Absuchen mit ausgebildeten Jagdhunden kurz vor der Ernte und Hinaustragen gefundenen Wildes ist zwar die effektivste Wildrettung, setzt aber eine gute Kommunikation zwischen Bewirtschafter und Revierinhaber und das Vorhandensein von Rückzugsräumen voraus. Idealerweise wird der Revierinhaber mindestens 24 Stunden vorher über die anstehende Mahd informiert. Denn je nach Flächengröße werden mehrere Suchgespanne zur erfolgreichen Kontrolle benötigt, wozu man entsprechende Vorlaufzeit zur Organisation benötigt.

 

Suchen Sie frühzeitig den Kontakt, um in der arbeitsintensiven Erntezeit das reibungslose Absuchen der Fläche sicherzustellen – so früh wie möglich darüber zu sprechen, ist das entscheidende, rettende Kriterium! Bei der Mahd selber sollte man dem Wild die Möglichkeit geben, die Flächen sicher zu verlassen – es also nicht durch Mähen von außen nach innen immer weiter zusammenzutreiben. Bei modernen, immer breiteren und schnelleren Maschinen ist das Mähen von innen nach außen eine der wenigen Möglichkeiten, Wildtieren eine kleine Fluchtmöglichkeit durch noch ungemähte Teile zu lassen. Das gilt besonders für Althasen und Dreiläufer, selbst Fasanenhennen können so Küken noch in Sicherheit bringen. Eine Diplomarbeit der Uni Potsdam dokumentierte 2004 eindrucksvoll, dass Mähen von innen nach außen nach einer kurzen Einarbeitungszeit nicht zeit- und kostenintensiver ist als traditionelle Arbeitstechniken.

 

Allerdings können abgelegte Kitze auch dadurch nicht gerettet werden – ducken und tarnen schützt Hasen und Rehe zwar vor natürlichen Feinden, aber leider nicht vor Erntemaschinen. Um Kitze und andere Ducker vor dem Mähtod zu bewahren, muss man weiter abends vorher Scheuchen (ggf. mit akustischenWildrettern) aufstellen und vor der Mahd mit brauch baren Jagdhunden absuchen. Werden dabei zusätzlich akustische Wildretter eingesetzt, sollte man sowohl Hundeführer wie alle brauchbaren Jagdhunde mit Gehörschutz ausstatten.


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Langfristiger Schutz

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LJV-Wildretter als Rehwildschreck.

Da Rand- und Saumbereiche bei Wild besonders begehrt sind, sollte man deren Nutzung überdenken – Randstreifen, die nicht gerade im Schattenbereich von Bäumen liegen, könnten etwa bei den ersten Schnitten stehen bleiben. Zum dritten Schnitt wäre dieses eher extensive Material noch geeignet, um als Wickel ballen strukturreiche Jungvieh- und Trockensteher- Fütterung zu gewinnen. Für Randstreifen, auf denen Futter immer wieder mäßig wächst oder schlecht trocknet, bieten sich auch dauerhafte Wild ackermischungen wie die WSM 3 an.

 

Mehrjährige Rückzugs- und Saum flächen locken Wildtiere aus intensiv genutzten Flächen und entschärfen die Problematik beim Mähen der nächsten Jahre.

Blühstreifen anlegen

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Blühende Feldränder sehen nicht nur schön aus, sie sind eine echte ökologische Aufwertung, erhöhen die Artenvielfalt und fördern die Akzeptanz. Schon wenige, gezielt angelegte Streifen mit blühenden Pflanzen vom Frühjahr bis Spätherbst helfen außerdem bei der Mähstrategie von innen nach außen, da sie Wildtiere quasi anziehen. Wo möglich, sollte auch über eine Gliederung großer Ackerschläge mit Blühstreifen unter Nutzung von Förderprogrammen nachgedacht werden.


Ansprechpartner für Förderungen und Regional-Programme

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Ohne Schaffung und Erhaltung von Rückzugsräumen laufen Maßnahmen zur Rettung von Wildtieren ins Leere.

 

Pflegen Sie Ihre guten Kontakte mit Landwirten, nur so können Wildtiere in freier Feldflur für nachfolgende Generationen erhalten und jegliche Futtervergiftung mit getöteten Tieren vermieden werden!


Aktuelle Angebote für den LJV-Wildretter-Bausatz

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Download

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 4/2015 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

 

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