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RWJ 10/2015: RWJ vor Ort

Quo vadis - Niederwild?

Die Jägerschaft Rhein-Sieg diskutierte mit Prof. Ulrich Köpke und Betriebsleiter Dr. Berg auf dem Wiesengut Hennef Möglichkeiten, Tieren der Agrarlandschaft zu helfen.

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Als Leiter des Instituts für organischen Landbau entwickelt Prof. Köpke Vorgehensweisen für ein Nebeneinander von Wildflora, -fauna und moderner Landwirtschaft. Die Erhöhung der Grenzlinien, Minimierung von Pflanzenschutz, Klee-Gras-Gemische, Wildkrautstreifen entlang der Schläge, Hecken, die mustergültig auf den Stock gesetzt werden und die Vielfalt der Ackerfrüchte bleiben nicht ohne Wirkung: Im Durchschnitt beherbergt das Wiesengut einen Hasen je ha – weit über dem Durchschnitt der umliegenden Sieg-Auen.

 

Der Versuchsbetrieb der Uni Bonn kann zwar keine Leitlinie des allgemeinen Ackerbaus im Rheinland sein, es ergeben sich aber viele Fragen und Angebote: Ist der Hasenreichtum Ergebnis einer optimalen Ernährung im Säugestadium der Häsinnen, erlauben lichter geführte Bestände mit einer noch weit verbreiteten Kräuterpalette Lebensraum auf ganzer Fläche, sind Vorgewende mit anderem Pflanzenbau die eigentliche Chance des Greening und der Bodenpflege, welche Rolle spielt Insektenreichtum für Fasan und Rebhuhn? Die Diskussion erbrachte einige Kritik an den bisherigen Greening-Bemühungen. Nicht nur die Fläche von lediglich fünf Prozent wurde bemängelt, sondern auch die Wirksamkeit mancher Maßnahme. Wird etwa eine Zwischenbegrünung dunkel und nass gestaltet und dazu noch zur falschen Zeit gemulcht, ergeben sich oft eher Fallen als neue Lebensräume.

 

Interessant auch der Appell nach mehr Absprache zwischen Landwirten und Jägern. Neben der Lebensraumfrage ist Prof. Köpke sich absolut sicher – nur wer die Prädatoren im Griff hat, kann bei den schlechten Grundbedingungen in der Ackerlandschaft noch Erfolge beim Niederwild erzielen.

 

Dr. N. Möhlenbruch

 

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