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RWJ 09/2018: Projekt „Energiepflanzenanbau und Biodiversität im Münsterland“

Mais wildtierfreundlich gestalten

Wenn Mais für die Biogasanlagen durch andere Pflanzen ergänzt werden soll, wird sich das nur durchsetzen, wenn die Lösung wirtschaftlich ist. Die „Stiftung Westfälische Kulturlandschaft“ erprobt verschiedene Möglichkeiten.

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Dieses Bild einer Wildkamera zeigt, dass Fasane-Gesperre das Mais-Stangenbohnen-Gemenge als Deckung und Äsungsstelle annehmen. Fotos: Stiftung Westf. Kulturlandschaft

Biogasanlagen und landwirtschaftliche Tierhaltung (Veredelung) haben zu einem massiven Maisanbau geführt – mit negativen Folgen für die Artenvielfalt. Dieser Entwicklung wollen nun Landwirte entgegenwirken. Die „Stiftung Westfälische Kulturlandschaft“ sucht mit dem Projekt „Energiepflanzenanbau und Biodiversität im Münsterland“ nach ökologisch wertvollen Maßnahmen, die sich in den Anbau nachwachsender Rohstoffe integrieren lassen. Sie sollen einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten und gleichzeitig wirtschaftlich sein. Das Projekt läuft noch bis 2021.

 

Erweiterung der Fruchtfolge

Die Ziele sollen erreicht werden, indem etwa Fruchtfolgen erweitert oder Bewirtschaftungsgänge auf den Äckern zeitlich verschoben werden. Es werden verschiedene Anbaumöglichkeiten erprobt, die in den Maisanbau integriert werden oder als ökologisch wertvolle Ergänzung zum Mais dienen. Allen Varianten ist gemeinsam, dass sie für die Erzeugung von Biogas geerntet werden können.

Dazu zählen einjährige und mehrjährige Biogas-Blühflächen und -streifen, die für eine Vielzahl wildlebender Tiere, zum Teil sogar ganzjährig, einen attraktiven Lebensraum bieten. Diese Flächen helfen dem Niederwild und sind gleichzeitig für Feldvögel und Insekten von Bedeutung.

 

Eine weitere Maßnahme ist der Maisanbau im Gemenge etwa mit Stangenbohnen oder einer Kleegras-Untersaat. Dadurch werden die Flächen für Niederwild und andere Tiere deutlich interessanter, da sie neben Deckung auch Äsung bieten. Zusätzlich wird das überjährige Kleegras während der Brut- und Setzzeit nicht gemäht.

 


Hege und Bioenergie

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Maßnahmen-Kombi aus Blühstreifen und extensivem Getreide erfüllen ganzjährig die Habitatansprüche, nicht nur des Niederwildes.

Bei den Feldversuchen wird bis auf wenige Ausnahmen weder Pflanzenschutzmittel noch Mineraldünger ausgebracht. Wirtschaftsdünger (Gülle/Mist/Gärreste) sind bis 80 kg N/ha erlaubt. Auch der Anbau von Mais wird im Strip- Till-Verfahren in Kombination mit einer bearbeitungsfreien Schonzeit umgesetzt. Dabei wird der Boden streifenweise gelockert und Gülle unter die Maisreihe injiziert. Das bietet eine sichere und bessere Nährstoffwirkung der Gülle durch die wurzelnahe Platzierung und höhere Erträge bei stärkerem Wurzelwachstum.

Der vollständige Verzicht auf Mineraldünger ist möglich. Die Gefahr von Wind- und Wassererosion sinkt deutlich. Außerdem ergibt sich ein besserer Trinkwasserschutz, mehr Bodenschutz durch geringeren Humusabbau, mehr Regenwurmaktivität und bessere Tragfähigkeit der Krume für schwere Erntefahrzeuge. Außerdem spart streifen weises Lockern Arbeitszeit und Diesel. Die bearbeitungsfreie Schonzeit gilt vom 22. März bis zum 15. Mai, um die Brut-, Setz- und Aufzuchtbedingungen für Feldvögel und Hasen zu verbessern. Zu guter Letzt wird der Anbau von Winter- und Sommergetreide-Gemenge erprobt. Dabei wird Getreide gemeinsam mit Wildpflanzen angebaut und als Ganzpflanze für die Produktion von Biogas geerntet. Zugunsten wildlebender Tiere wird über Winter häufig ein Streifen stehen gelassen.

 


Hegemaßnahmen ohne Ernte

Für mehrjährige Maßnahmen wird Getreide extensiv angebaut, nicht geerntet und über den Winter stehen gelassen. Das bietet Rebhuhn, Hase und Fasan ganzjährig einen attraktiven Lebensraum. Gleichermaßen wird eine mehrjährige niederwüchsige und sehr artenreiche Blühmischung getestet. Die Umsetzung erfolgt in den Kreisen Coesfeld und Borken. Kernzonen sind je 500 ha große Projekt räume in Rosendahl- Holtwick und Coesfeld-Stevede.

 


Umsetzung mit den Bauern

Die Maßnahmen werden gemeinsam mit Landwirten vor Ort umgesetzt, nach anfänglichem Zögern stieg die Teilnahmebereitschaft. Über die Projektlaufzeit nahmen bislang etwa 30 Landwirte teil, aktuell werden die Maßnahmen auf 62 ha angebaut, im Herbst folgen weitere Flächen. Ein begleitendes Monitoring untersucht den ökologischen Mehrwert der Maßnahmen mit der qualitativen und quantitativen Erfassung von Schmetterlingen, Wildbienen, Schwebfliegen, Vögeln und Ackerwildkräutern. 2017 wiesen die Projektflächen insgesamt eine deutlich höhere Artenvielfalt im Vergleich zu konventionell bewirtschafteten Mais- und Getreideflächen auf.

 

Felix Höltmann

 

Info: Christiane Baum

Tel. 02 51/4 17 51 81

E-Mail: baum@kulturlandschaft.nrw

www.kulturlandschaft.nrw

Mehr zum Thema: https://lebensraum-brache.de


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