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RWJ 06/2015: Zwischen Landwirtschaft und Jagd

Mähverluste vermeiden hilft beiden...

Der 7. Wildschutztag des Landesjagdverbandes NRW in Kooperation mit der Landwirtschaftskammer NRW auf Haus Riswick (KLE) stand ganz im Zeichen einer „wildfreundlicheren“ Grünland-Ernte. Sofern es so etwas überhaupt gibt …

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Fachdiskussion vor „Monster-Ernter“ Big M - angesichts der massiven Technisierung auch bei der Grünlandernte wird der Schutz der Wildtiere immer schwieriger.

Gleich zu Beginn setzte Kreislandwirt Josef Peters, der die Teilnehmer des Wildschutztags für den Präsidenten der Landwirtschaftskammer auf Haus Riswick begrüßte, ein erstes Ausrufezeichen. Bei der Gefährdung von Wildtieren gehe es nämlich nicht nur um den Einsatz von Technik – so belegten ganz aktuelle Zahlen niederrheinischer Ornithologen, dass im Frühjahr 2015 etwa 60 Prozent der Kiebitz-Gelege durch Prädatoren, sprich Fressfeinde wie Fuchs, Rabenkrähe und Steinmarder zerstört worden seien …

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Gerhard Thomas (LJV-Präsidium/l.), hier mit Prof. Dr. Rolf Becker (Hochschule Rhein-Waal) und Ulrich Bultmann (LWK NRW), wünschte sich, dass wildschonende Mahd-Methoden und die aktuelle Wildretter-Technik vonseiten der Landwirtschaft flächendeckend als gute fachliche Praxis umgesetzt werden.

Gerhard Thomas, Vorsitzender des LJV-Niederwildausschusses, zeigte sich erfreut über den kontinuierlichen Gedankenaustausch zwischen Niederwild- Hegern und der landwirtschaftlichen Praxis. Sein größter Wunsch sei es, dass gesicherte Erkenntnisse zur wildfreundlicheren Grünlandernte zeitnah und flächendeckend auch umgesetzt würden.

 

Dr. Jürgen Eylert (Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung NRW) nahm diesen Ball gleich auf und erinnerte daran, dass die Methode des Mähens von innen nach außen als „gute fachliche Praxis“ wörtlich in der Präambel der unlängst von Umweltminister Remmel unterzeichneten Biodiversitäts-Vereinbarung enthalten sei – und daran müsse sich die Landwirtschaft messen lassen. Eylert verdeutlichte, dass die Hauptbrut- und -aufzuchtzeit maßgeblicher Niederwildarten und Bodenbrüter von Mai bis August voll in die komplette Grünlandernte falle und damit allein in NRW jedes Jahr ein hunderttausendfacher „sinnloser Tod“ vorprogrammiert sei.


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Grünland-Profi Dr. Klaus Hünting (LWK NRW) machte keinen Hehl daraus, was er von manchen Praktiken hält: „Wer nachts mäht, hat seine Terminplanung nicht im Griff.“

Grünland-Profi Dr. Klaus Hünting (LWK) verdeutlichte den landwirtschaftlichen Laien, warum ein möglichst früher erster Schnitt um den 20. April ernährungsbiologisch für die Futtergewinnung wichtig sei. Demgegenüber sei ein später erster Schnitt Ende Mai nicht nur unproduktiver, sondern wegen des sog. Insel-Effektes (Wild massiert sich auf ungemähten Flächen) zur tödlichen Wildfalle werden könne. Pflanzenbiologisch gäbe es allerdings keinen Grund, auch noch nachts zu mähen, wer dies tue, hätte eher seine Terminplanung mit dem Lohnunternehmer schlecht im Griff …

 

Dr. Mark Holsteg (LWK Tiergesundheit) verdeutlichte die Gefahren für Nutztiere durch ausgemähtes Wild in der Grassilage (Botulismus). So könne ein einziger ins Futter gelangter Hase einen ganzen Rinderbestand auslöschen!


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Rechts die derzeit beste Version des LJV-Wildretters mit verstellbarem Magnetscharnier zu Wirkungsverbesserung, Schalter und externem Stromanschluss für den Schlepper. Links ein aktueller Wildretter aus der Steiermark (A), der bei der Vorführung auf Riswick sehr leise wirkte, in der Praxis aber überzeugt haben soll.

Heinrich Schnetger (LWK) informierte über das recht komplizierte Verfahren von Agrarumweltmaßnahmen, von denen auch Wildtiere zukünftig profitieren könnten. In der Diskussion zeigte sich, dass besonders eine Mahdverpflichtung auf temporär stillgelegten Flächen aus Sicht der Wildtiere höchst problematisch ist, da ihnen im Sommer ein sicheres Aufzuchtareal vorgetäuscht werde, das mit einer sehr späten Mahd dann zur tödlichen Falle werde.


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LJV-Wildretter wird weiter optimiert

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Wildmeister Thomas Berner (LJV) mit erprobter Scheuchen-Kombi für den Vorabend der Mahd - Flattersack mit Wildwarner.

Wildmeister Thomas Berner (LJV), der vor einigen Jahren den praktischen Zweikanalton-Wildretter entwickelte, berichtete über technische Verbesserungen und Details daran. Bei den Bausätzen habe sich herausgestellt, dass die entscheidende Platine derzeit von zwei Herstellern zu beziehen sei – die chinesische Variante Monacor sei gegenüber dem japanischen Beeper deutlich robuster und daher vorzuziehen. Jetzt mitten in der Grünlandernte gäbe es allerdings nirgendwo noch Bausätze – ausverkauft. Berner riet daher, sich im Herbst entsprechend einzudecken und die Wildretter selbst zu bauen.

 

Demgegenüber hat Ulrich Bultmann (LWK WAF) bessere Erfahrungen damit gemacht, die Wildretter fertig zu kaufen. In der neuesten Generation verfügten die Geräte über einen An-Aus-Schalter, externe Stromversorgung über den Schlepper und ein Magnet-Scharnier zur optimalen Einstellung des Beschallungswinkels. Bultmann empfahl, den flächendeckenden Einsatz dieser sinnvollen Geräte über die in jedem Landkreis installierten „Runden Tische Artenschutz“ zu koordinieren.


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Zukunftsmusik oder Männer-Spielzeug? Der Einsatz solcher Drohnen mit Spezialsensoren wird sich in nächster Zeit wohl eher auf Experimente beschränken - die Technik ist noch sehr teuer und anfällig, ihr Einsatz in der Praxis weit von einer Serienreife entfernt.

Prof. Dr. Rolf Becker (Hochschule Rhein-Waal) demonstrierte den Einsatz von Drohnen mit hochsensiblen Sensoren zur Wildrettung (besser Wildfindung). Allein wegen der Kosten und Anfälligkeit dieser Systeme rechnet er nicht damit, dass diese Technik in naher Zukunft in die Praxis einziehen wird.

 

Matthias Kruse


Akustischer Wildretter

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