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RWJ 06/2015: Kommentar

Kernfrage: Wer hält für Wild an?

Auf Haus Riswick suchte ein engagiertes Publikum aus Niederwild-Hegern, Landwirten und Technikern erneut nach Wegen, möglichst viele Tiere vor dem furchtbaren Mähtod zu retten. In Powerpoint-Vorträgen hörte sich all das wieder mal mutmachend an, wer allerdings später draußen vor dem „Ernte-Monster“ Big M stand, wo dieses Ungetüm nur einmal die Mähwerke anlaufen ließ, wurde doch sehr nachdenklich:

 

Die (wirksame) Zweiton-Fanfare des Wildretters geht im höllischen Lärm des Ernters völlig unter. Mit einer Gesamtarbeitsbreite von über 13 m sind solch sündhaft teure Maschinen auf Flächenleistungen von bis zu 20 ha ausgelegt – in der Stunde! Damit sie sich auch rentieren, müssen sie im Frühjahr laufen. So schnell wie möglich, am besten rund um die Uhr. Genau an dieser Stelle muss man nüchtern erkennen, dass damit das Todesurteil für unzählige Wildtiere gesprochen ist. Kein Landwirt oder Lohnunternehmer kann es sich leisten, für ein Fasanengelege, einen Junghasen oder ein noch so süßes Kitz anzuhalten. Selbst wenn er genau wüsste, wo es liegt, es ihm natürlich leidtut und er seinen grausamen Tod gern vermeiden würde. Daher muss aller technischer Fortschritt bei der Wildrettung nicht in das Finden investiert werden. Die tollste Drohne nützt wenig, wenn sie eindeutige „Wärmeziele“ (= noch lebende Tiere) zwar sicher ausmacht … aber niemand dafür anhält. Im Umkehrschluss müssen Mähverfahren (von innen nach außen) und der Einsatz bewährter, preiswerter Wildretter zwingend vorgeschrieben werden. Und zwar flächendeckend.

 

Matthias Kruse

Wildretter

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