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RWJ 04/2014: Bekämpfung der Herkulesstaude

Jeder Jäger kann helfen, die Ausbreitung zu verhindern

Wenn in jedem Jagdrevier nur zwei bis drei Pflanzen des Großen Bärenklaus pro Jahr zerstört würden, hilft man der Natur schon sehr – und den Menschen, die durch diesen Zuwanderer erheblichen Gefahren ausgesetzt sind.

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Steht der Bärenklau in voller Blüte, ist es für die Bekämpfung zu spät - jede Berührung mit der Pflanze ist jetzt hochgefährlich!
Foto: F. Reichelt

Der milde Winter und das frühzeitige Frühjahr sorgen jetzt für einen kräftigen und schnellen Austrieb der Herkulesstauden (Bärenklau) aus den im Vorjahr angelegten Speicherwurzeln. Ihre große Blattmasse bildet die Pflanze im April bis Mai. Im Juni schiebt sie gewaltige Blütenstängel drei bis vier Meter in die Höhe. Dann ist die Herkulesstaude zwar besonders gut zu erkennen, für die sinnvolle Bekämpfung ist es aber dann schon recht spät. Denn alte Pflanzen sterben nach der Blüte ab, die Samen reifen sehr schnell und fallen aus.

 

Eine geplante und effektive Bekämpfung muss also jetzt im Frühjahr beginnen und möglichst vor der Blüte Ende Juni abgeschlossen sein. Was man über die Staude wissen sollte und mit welchen einfachen Mitteln man die beginnende Ausbreitung unterbinden kann, finden Sie in den folgenden Ausführungen:

 

Herkunft und Verbreitung

Die Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum), auch als Riesenbärenklau bekannt, stammt aus dem Kaukasus und wurde im 19. Jahrhundert nach Europa eingeführt. Seit einigen Jahrzehnten breitet sich die 2 bis 4 Meter hohe Staude immer stärker aus. Sie wird durch die Zunahme an Brachflächen, Uferrandstreifen, Industriebrachen und ähnlicher Flächen indirekt gefördert. Die Vermehrung geschieht nicht über die Wurzeln, sondern die Samen. Ausgewachsene Pflanzen bilden 10 000 bis 50 000 schwimm fähige Samen, die unter optimalen Bedingungen 8 bis 10 Jahre keimfähig sind.

 

Vor allem Gewässer mit Überschwemmungsgebieten sowie Verkehrsanlagen (Verwirbelung an Straßen und Gleisen) bilden die Hauptverbreitungswege. Darüber hinaus werden die Samen über Erdbewegungen, Baumaßnahmen, Schälen von Straßenbanketten und Menschen (Zierpflanzen im Garten, wilde Komposthalden, Aussaat als Bienenweide) verbreitet. Die Pflanze besiedelt fast alle Standorte, auch Waldränder, Waldwege und kleinere Lichtungen reichen zum Überleben und zur Vermehrung aus.

 


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Bekämpfung der Herkulesstaude

Probleme und Gefahren

Neben der Verdrängung der heimischen Flora und Fauna rücken besonders gesundheitliche Gefahren für den Menschen in den Vordergrund. Der Saft aller Pflanzenteile enthält photosensibilisierende Substanzen (Furanocoumarine), die in Verbindung mit Sonnenlicht (UVStrahlung) zu schweren, verbrennungsähnlichen Hautschäden führen, die nur schwer abheilen. Die größte Gefährdung durch Sonnenlicht besteht 0,5 bis 2 Stunden nach Hautkontakt, Symptome/Rötungen entstehen nach etwa 24 Stunden. Folgende Schutzmaßnahmen sind daher bei der Bekämpfung unbedingt zu beachten:

 

  • vollständige Bekleidung, Handschuhe und Schutzbrille mit seitlichem Schutz
  • Durchführung der Arbeiten bei bedecktem Himmel oder in den Abendstunden (geringere UV-Strahlung)
  • kein Einsatz von Freischneidern (hohe Spritzgefahr)

 

Gelangt Pflanzensaft auf die Haut, sofort mit Wasser und Seife abwaschen und ggf. einen Arzt aufsuchen – betroffene Stellen mindestens 48 Stunden nicht der Sonne aussetzen und in den Folgemonaten mit Sonnencreme schützen.


Beste Bekämpfung - Vegetationskegel abtrennen

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Beste Bekämpfungsmethode - die Wurzel muss mindestens 10 cm unterhalb der Erdoberfläche durchstochen werden. Auf Weiden sitzen die Wurzeln des Riesen­bärenklaus teilweise tiefer im Boden und müssen 10 cm unterhalb des Wurzelansatzes durchstochen werden.
Zeichnung: Peter Leth, County of Vestsjaelland (DK)

Die Herkulesstaude hat eine rübenförmige Speicherwurzel und kann nur aus dem oberen Teil (Vegetationskegel) wieder austreiben. Daher ist es wichtig, die Wurzel etwa 10 bis 15 cm unter der Erdoberfläche vom Vegetationskegel zu trennen (s. Abb. oben). Dieser wird am besten vom Laub abgetrennt und mit der Schnittfläche nach oben gelegt, damit er nicht wieder anwächst. Alternativ wird er mit dem Restmüll entfernt. Der untere Teil der Wurzel verrottet im Boden.

 

Das Abstechen ist bei Einzelpflanzen und kleineren Beständen die sicherste Methode und kann während der gesamten Vegetationsperiode durchgeführt werden. Je kleiner die Pflanzen sind, desto einfacher lassen sie sich abtrennen und desto geringer ist die Gefahr des Hautkontaktes.

 

Geeignete Werkzeuge sind Spaten (schmal, geschärft) und Hacken, doch besonders beim Hacken kann Pflanzensaft wegspritzen!

 


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Bekämpfung der Herkulesstaude

Sommer-Nacharbeit: Entfernung der Blüten- und Samenstände

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In diesem Stadium der Samenreife beginnt die Pflanze abzusterben.
Foto: F. Reichelt

Die Entfernung der Blüten-/Samenstände ist mit hohem Arbeitsaufwand und gesundheitlichem Risiko verbunden und nur in einem kurzen Zeitraum möglich. Sinnvoll und notwendig ist diese Maßnahme bei Pflanzen und Beständen, die man im Frühjahr übersehen oder aus Zeitgründen nicht bekämpft hat.

 

Wenn der Blütenstand schon entwickelt ist, kann er abgeschnitten/abgemäht werden. Jedoch muss danach entweder auch die Wurzel abgetrennt werden oder es müssen alle 2–3 Wochen Nachkontrollen erfolgen, da die Pflanze erneut kleinere Not-Blütenstände treibt.

 

Wenn die Hauptdolde ausgeblüht hat und schon Samen ansetzt, verfärben sich die Blätter gelb und die Pflanze beginnt abzusterben. In diesem Stadium müssen Samenstände vorsichtig entfernt und über Verbrennung oder Restmüll vernichtet werden. Auf keinen Fall dürfen sie auf den Flächen liegen gelassen oder kompostiert werden, da es selbst an den abgeschnittenen Dolden zur Notreife der Samen kommt!

 

Da die Samen sehr schnell ausfallen, müssen diese Flächen gut markiert bzw. kartiert und in den Folgejahren besonders sorgfältig beobachtet werden.

 

Eine selten genutzte Möglichkeit für Einzelpflanzen ist das Einpacken der Blütenstände in dichte Folientüten, die nach der Samenreife vorsichtig entfernt und entsorgt werden.

 

Mechanische Bekämpfungsmaßnahmen im Naturschutzgebiet sollten mit der zuständigen unteren Landschaftsbehörde abgestimmt werden.

 

Erfahrungen zeigen, dass jedermann mit offenen Augen in der Natur dazu beitragen kann, die Ausbreitung zu verhindern bzw. zu verlangsamen. Die Kenntnis über die Pflanzen selbst ist dabei wichtig – auf keinen Fall dürfen ähnliche Doldenblütler wie der einheimische Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) oder Engelwurzarten (Angelica sp.) bekämpft werden.

 

Die Herkulesstaude ist am besten sofort als Einzelpflanze bzw. in kleineren Beständen zu bekämpfen, da dann die größte Ausbreitungsgefahr besteht und die mechanische Bekämpfung am einfachsten ist. Mittelgroße Vorkommen (über 100 Pflanzen) drängt man am besten über mehrere Jahre hintereinander konsequent von außen nach innen zurück. Wenige vergessende Samenstände auf Flächen, die schon als staudenfrei galten, bilden wieder Samenpotenziale für die nächsten Jahre.

 

Gemeinsame Anstrengungen zeigen eindrucksvoll, dass selbst stark befallene Flächen nach einigen Jahren intensiver Bekämpfung fast von der Herkulesstaude befreit werden können. Wichtig bleiben jährliche Nachkontrollen im Mai/Juni sowie eine dichte Grasnarbe, damit am Boden liegende Samen nicht keimen. Die Kartierung der Vorkommen ist wichtige Grundlage für die erfolgreiche Nachkontrolle über die nächsten Jahre – wo einmal Stauden standen, sind Samen im Boden und können über Jahre keimen.

 

Frank Reichel
Pflanzenschutzdienst Landwirtschaftskammer NRW

 


Bekämpfung der Herkulesstaude

Weitere Informationen

Der Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer NRW hat ein Info-Blatt zusammengestellt, in dem auch die verschiedenen Möglichkeiten der Bekämpfung erklärt werden. Details und  weiterführende Links siehe: www.pflanzenschutzdienst.de.

 

Umfassende Informationen über die Herkulesstaude – auch zu Verwechslungsmöglichkeiten – wurden im Rahmen eines EU-Projektes veröffentlicht: www.giant-alien.dk/manual.html.

 

Auch das Bundesamt für Naturschutz hat viele Informationen zusammengestellt: www.neobiota.de/12641.html

 


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