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RWJ 07/2014: Neue Feldholzinsel in der Essenthoer Feldflur

Jagdgenossen gewinnen Klimaschutzpreis der Stadt Marsberg

Die Mitglieder der Jagdgenossenschaft Essentho (HSK) belassen mit großer Mehrheit die Jagdpacht- Beträge als Guthaben in ihrer Kasse. Davon wird seit Jahrzehnten ein eigener Fuhrpark unterhalten. So nutzen wir gemeinsam Unkrautspritzen, Wiesenmulchgeräte, Schneckenkornstreuer und einen Holzspalter. Bei der jährlichen Genossenschaftsversammlung bilden wir uns mithilfe von Fachvorträgen von Umweltschützern, Jägern oder Förstern fort.

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Ebenso werden regelmäßig Exkursionen durchgeführt. Dazu war man in den letzten Jahren bei Obstbauern im Alten Land bei Hamburg, einer Großimkerei in Rheinland-Pfalz oder zu Fachmessen für landwirtschaftliche Geräte und Maschinen.

 

Aus den angesparten Eigenmitteln wurde ein Grundstück von 5 000 Quadratmetern in Essentho erworben – zur Verbesserung der Jagd, besonders aber auch als Naturschutzmaßnahme. In der ziemlich ausgeräumten Agrarlandschaft sollte dieses Grundstück auch bepflanzt werden – bei der Unteren Landschaftsbehörde des HSK fand man ein offenes Ohr für eine Feldholzinsel.

 

Feldgehölze tragen zum Artenreichtum der Kulturlandschaft bei, dienen als landschaftliche Gliederung, stellen zwischen Wirtschaftsflächen naturartige Elemente dar und haben darüber hinaus eine große ökologische Bedeutung. Als Kleinstrukturen bilden sie Trittsteine zwischen faunistisch wertvollen Biotopen (Biotopverbund), sind Lebens- und Wohnraum für teils bedrohte heimische Arten, bieten Nahrungsraum und Überwinterungsquartiere. Hecken mit ihrem Blütenreichtum im Frühjahr und reichem Fruchtangebot im Herbst bieten vielen Vögeln und Insekten Nahrung. Dornenhecken werden von Vögeln außerdem als Brutplatz, Singwarte, Versteck und Ansitz zur Jagd genutzt. Dadurch ergibt sich auch ein nicht zu vernachlässigender Nutzen für die Landwirtschaft, weil mögliche Ackerschädlinge durch in Hecken lebende (Greif-)Vögel reduziert werden.

 

Nach einigen Treffen mit dem Jagdvorstand, der Unteren Landschaftsbehörde und den Jagdpächtern sollte das Grundstück mit heimischen Gehölzen und alten Sorten hochstämmiger Apfelbäume bepflanzt werden. Flächenpläne, Größenverzeichnisse und Anträge für das Pflanzgut wurden gemeinsam zusammen getragen. Dann erfolgte nach wenigen Wochen die Lieferung der Pflanzen – vollständig gefördert aus öffentlichen Mitteln und somit gesetzlich geschützt. 

 

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Gerade alte Apfelsorten (Schöner von Wiedenbrück, Rote Sternrenette, Rheinischer Bohnapfel) gedeihen in den Höhenlagen des Sauerlandes am besten. Insgesamt 20 Helfer brachten alle Bäume in die Erde und befestigten sie an Pflanzpfählen. Im späten Frühjahr wurde die restliche Fläche als Blühstreifen mit speziellen Saatgutmischungen eingesät – nicht nur Nahrung für Wild und Insekten, sondern ein toller Augenschmaus für Wanderer und Feldbesucher. Wichtig zum langfristigen Erhalt des ökologischen Wertes ist auch die Pflege einer solchen Feldgehölzinsel. So müssen künftig die Gehölze regelmäßig auf den Stock gesetzt werden, damit sie dicht bleiben und ihre ökologischen Funktionen dauerhaft ausüben können.

 

Für ihre Aktivitäten wurde die Jagdgenossenschaft Essentho jetzt mit dem Umweltpreis 2014 der Stadt Marsberg ausgezeichnet!

 

Die Sauerländer Naturschützer würden sich freuen, wenn ihre Feldholzinsel auch ein Vorbild für andere Jagdgenossenschaften, Naturschützer und Umweltinteressierte wäre – und stellen das Projekt auch gern vor Ort vor.

 

K. Stute, Jagdvorsteher 

 


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