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RWJ 09/2014: Wildbrücke Heinzenberg

Hoher Besuch

Mit vier Grünbrücken ist Nordrhein-Westfalen bundesweiter Spitzenreiter in Sachen Wildquerungshilfen – Grund genug für das NRW-Umweltministerium, den Parlamentarischen Staatssekretär Horst Becker im Rahmen einer Sommertour mal bei einer Wildbrücke vorbeischauen zu lassen.

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Der Parlamentarische Staatssekretär im NRW-Umweltministerium Horst Becker wurde von Dr. Michael Petrak bei Nettersheim über die Hintergründe der Wildbrücke informiert.
Foto: Frank Martini

Horst Becker machte einen ruhigen und zurückhaltenden Eindruck und schien ehrlich interessiert. Der 58-Jährige von den GRÜNEN war Anfang August an die Autobahn A 1 bei Nettersheim (Kreis Euskirchen) gekommen, um sich im Rahmen der Sommertour 2014 – wildes NRW über die Bedeutung von Grünbrücken zu informieren. Das Umweltministerium hatte 2014 zum Schwer punktjahr für den Natur- und Umweltschutz in NRW erklärt.

 

Keine Frage – Grünbrücken machen Sinn und funktionieren, wie Fotofallen- Bilder der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung NRW beweisen. Sie betreut drei Grünbrücken wissenschaftlich.

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Mit solchen Foto-Fallen konnte der Nachweis geführt werden, dass die Wildbrücke bei Nettersheim bereits vom Rotwild ...
Foto: Forschungsstelle


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...und der Wildkatze angenommen wird.
Foto: Forschungsstelle

Die Zielarten Wildkatze und Rotwild haben die Brücke in der Eifel angenommen, auch andere Arten nutzen sie. Trupps eines 18-köpfigen Rotwildrudels wechseln regelmäßig aus ihrem Tageseinstand auf die satten Äsungsflächen jenseits der A 1, und es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis weitere Rudel folgen.

 

Gut für den genetischen Austausch, dessen Fehlen das nicht landesweit vorkommende Rotwild bedroht. Aber nicht nur Wild wird profitieren, die örtliche Wirtschaft konnte es bereits. Nur bei Nettersheim steht eine Holz-Beton-Konstruktion, der Ort in der Eifel verfügt über ein Holz-Kompetenzzentrum. Finanziert wurde das 3,5-Millionen-Euro-Bauwerk aus Bundesmitteln (Konjunkturpaket II). NRW-Jäger freut das, haben sie doch schließlich diese Lebensraumvernetzung immer gefordert.


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Foto: Frank Martini

Beim Angehen der Brücke erfuhr der Staatssekretär mehr über die Hintergründe der genauen Standortwahl und wurde vom Leiter der Forschungsstelle, Dr. Michael Petrak, auf Wechsel, Fährten, Losung, Verbiss und Schlagschäden aufmerksam gemacht.

 

Vielleicht wusste Becker nicht, dass die Forschungsstelle noch bis 2013 vollständig und danach immerhin zu 80 Prozent aus der Jagdabgabe finanziert wurde. Zumindest, dass der betroffene Jagdpächter eine Kanzel auf einer Freifläche am westlichen Rand der Autobahn abgebaut hat und damit im Einzugsbereich der Grünbrücke nun Jagdruhe hält, hat der Wildbiologe ihm erzählt.

 

Bleibt zu hoffen, dass der freundliche Herr Becker seinem Minister das berichtet – damit auch dieser erkennt, mit wessen praktischer Unterstützung sich Naturund Artenschutz in NRW wirklich zum Erfolg führen lässt …

 

Frank Martini


Wildbrücken in NRW

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