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RWJ 08/2018: Wildtierfreundliche Landwirtschaft mit moderner Naturnutzung

Geflügelhof aus OWL gewinnt Bundespreis

Mit dem Förderpreis „wildtierfreundliche Landwirtschaft“ zeichnete die Stiftung natur + mensch dieses Jahr den ostwestfälischen Landwirt Richard Schulte aus.

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Tue Gutes und rede darüber – die umfangreichen Hilfsmaßnahmen in der Feldflur werden auf dem Schulte-Hof vorbildlich durch Info-Tafeln begleitet. Wichtig dabei: Es geht keinesfalls allein um Niederwild, sondern ein Gesamtkonzept zum Schutz von Bodenbrütern, Insekten und zahlreichen bedrohten Arten.

Der Hof Schulte aus Delbrück (PB) bewirtschaftet zur Junghennenaufzucht (150 000 Plätze) rund 200 ha Landwirtschaft und betreibt eine Biogasanlage. Auf seinen Flächen wurden zahlreiche Maßnahmen entwickelt, um im Einklang mit Wild und Natur eine aktive Nutzung umzusetzen. Seit 2005 ist Schulte Jagdpächter und betreut 800 ha Revierfläche. Deshalb hat er selbst Einfluss auf den Anbau. So entstanden auf Ackerflächen Wildlebensräume, die im Frühjahr gute Brutund Aufzuchtmöglichkeiten und im Winter ausreichend Rückzugsflächen bieten. Auf über 35 Betriebsflächen werden zahlreiche wildtierfreundliche Maßnahmen umgesetzt. So baut Landwirt Schulte auf fast der Hälfte Wildpflanzen zur regenerativen Energiegewinnung an.

 

Mehrjährige Mischungen aus über 20 aufeinander abgestimmten Pflanzen bieten nicht nur Wild Nahrung und Deckung, sondern sind Lebensraum für zahlreiche Insekten. 5 ha Blühstreifen werden nach zwei bis drei Jahren neu ausgesät, sodass Wild und Insekten nahrungsreiche Lebensräume vorfinden. Außerdem legte er 5 ha Blühstreifen, verteilt auf zwölf Schläge, an. Überdies baut er seit 2015 auf 17 ha (10 Schläge) mehrjährig Wildpflanzen zur Energiegewinnung an. Hinzu kommen 8 ha Miscanthus und 50 ha Zwischenfrucht, die Wild v. a. im Winter zusätzliche Deckung bieten. Der Erfolg kann sich sehen lassen, wie das Beispiel Kiebitz 2017 zeigte – von 400 bis 500 Brutpaaren im Kreis Paderborn wurden gut 100 in Westenholz ermittelt und davon allein 60 auf den von Richard Schulte betreuten Flächen.

 

Wer A sagt, muss auch Prädatoren reduzieren

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v.l. Robert Vornholt (Jury), Georg Graf Kerssenbrock (Vors. mensch + natur), Preisträger Richard Schulte und Dr. Franz-Ferdinand Gröblinghoff (Jury).

Begleitet wird die Bewirtschaftung durch eine zum Überleben vieler Niederwildarten und Bodenbrüter notwendige Kontrolle von Fuchs, Waschbär, Marder und Iltis. Übers ganze Jahr sorgen Lebendfallen für die Reduzierung von Raubwild, erst durch diese intensive Prädatorenkontrolle können Rebhuhn, Hase und Fasan den Lebensraum nutzen. Im Revier wurden 2017 zudem 60 Kiebitz-Brutpaare gezählt, deren Lebensraum mit einer frühjährlichen Feldbrache verbessert wird. Feldlerchen und Steinkäuze bestätigen zudem den Erfolg der wildtierfreundlichen Landwirtschaft.

 

„Alle Landnutzer sind aufgefordert, sich gemeinsam für eine wildtierfreundliche Landwirtschaft einzusetzen“, sagt Georg Graf v. KerssenbrockPraschma (Vorsitzender Stiftung „natur + mensch“): „Auf dem Hof Schulte wird beispielhaft umgesetzt, wie man Wild- und Insektenbestände erhöhen und gleichzeitig wirtschaftsfähig Landwirtschaft betreiben kann. Diese Kombination ist Ziel unseres Förderpreises, dem sich auch die Agrarboden GmbH mit Dirk Meyer Westhoff und Frank Schulze zur Heide verbunden fühlen und den Preis mit 5 000 € dotieren.“

 

Der Schulte-Hof wurde nach einem sechsmonatigen Verfahren aus zahlreichen Bewerbungen aus dem gesamten Bundesgebiet ausgewählt, eine unabhängige Fachjury sichtete die Bewerbungen und zeichnete Richard Schulte einstimmig als „wildtierfreundlichen Landwirt 2018“ aus.


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