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RWJ 10/2019: Welt-Artenschutzkonferenz

Die Schande von Genf

Am 28. August endete in Genf die Welt-Artenschutzkonferenz CITES-CoP (Conference of Parties). Die Ergebnisse und Abläufe während dieser Konferenz führten bei einigen Ländern im Süden Afrikas, der sog. SADC-Gruppe, zu massivem Frust und Enttäuschung. Der RWJ war vor Ort.

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Botswana (hier ein aktuelles Bild vom Chobe), Namibia und Zimbabwe beheimaten mehr als 70 Prozent aller Afrikanischen Elefanten – Tendenz steigend. Dennoch bestraft die Welt-Artenschutzkonferenz diese armen Länder – zugunsten mächtiger Tierschutzorganisationen und zulasten der betroffenen Landbevölkerung.

Nahezu sämtliche Anträge auf Lockerung bestimmter Hemmnisse – wie etwa die Möglichkeit, mit den Einnahmen aus legalem Elfenbein-Verkauf den unzweifelhaft erfolgreichen Schutz für Elefant, Nashorn u. a. Arten zu fördern – wurden von der großen Mehrheit (meist 80 zu 20 %) der anderen Länder abgelehnt, darunter auch etliche, offensichtlich von Tierschutzaktivisten aus USA und Europa „gekaufte“ Stimmen aus afrikanischen Ländern, in denen es schon lange keine Elefanten mehr gibt. Unter Ländern wie Namibia, Botswana, Zimbabwe und Südafrika herrscht ein kompletter Frust, nachdem diese wie „geprügelte Hunde“ aus Genf zurückgekehrt sind. Zeichen dieser Frustration ist der geplante Austritt aus dem CITES-Abkommen von Zimbabwe, Namibia und Botswana – und deren parallel beabsichtigte weitere Annäherung an „ihre Freunde“ in China, Japan und Fernost, mit denen man dann eben nach anderen Lösungen suchen müsse.

 

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Beim Programm der Vereinten Nationen könne man nach den Abläufen in Genf offenbar auf keinerlei Verständnis mehr rechnen, nachdem es dort ganz offenbar nicht länger nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ginge, sondern Stimmen von Tierschützern aus den USA und Europa gekauft würden. Ihr Hauptvorwurf: Diese Gruppen bräuchten symbolträchtige Arten wie Elefanten und Nashörner, um damit weiter Spenden in Millionenhöhe einzusammeln. Von diesem Geld käme bei den betroffenen Kommunen nicht ein einziger Cent an. Für den Schutz müssen aber die Länder eigenständig sorgen.

 

 


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Die Artenschutzkonferenz der Vereinten Nationen mit Tausenden von Teilnehmern hat nahezu die Größenordnung von Olympischen Spielen.

Zum Hintergrund: Die drei Länder beherbergen rund 70 % des Weltbestandes des Afrikanischen Elefanten – und haben mit erfolgreicher Politik (Anti-Wilderei- Kampagnen/Ausgleich von Interessen im Spannungsfeld mit der lokalen Bevölkerung) dafür gesorgt, dass die Bestände in den letzten Jahren angewachsen sind. Sie sehen sich durch die Beschlüsse von Genf für diese erfolgreiche Politik geradezu als bestraft an – allein Simbabwe sitzt auf legalem Elfenbein im Wert von 600 Mio. US-Dollar, die man für den weiteren Artenschutz dringend benötigt – was aber durch die Beschlüsse von Genf unmöglich gemacht wurde.

 

 


Kommentar

Erfolg darf nicht bestraft werden

Nach vielen Gesprächen mit Freunden aus dem südlichen Afrika vor Ort in Genf und danach sowie durch entsprechende Presse-Verlautbarungen bin ich in großer Sorge und verstehe die Enttäuschung etwa der Umwelt minister von Namibia und Botswana, die das „Drama von Genf“ vor Ort selbst miterleben mussten. In dieser krisenhaften Situation wäre es besonders wichtig, diesen Ländern gerade jetzt ein Symbol der Solidarität zu übermitteln – auch und gerade nach den Beschlüssen von Genf. Mitgetragen durch EU und Bundesregierung. Diese im Artenschutz so erfolgreichen Länder brauchen ein Signal, dass man ihre Bemühungen und Investitionen anerkennt. Und sie damit nicht alleinlässt. Elefant, Nashorn, Giraffe und Co. sind das nationale Erbe dieser Länder. Um ihren Frust zu verstehen, stelle man sich nur mal vor, wie wir darüber dächten, wenn Afrikaner darüber bestimmen wollten, was wir mit dem Kölner Dom zu machen haben.

 

Matthias Kruse


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