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RWJ 09/2015: Leserbrief

Vorteilsnahme im Amt?

Zu: „Gängelpachtverträge“, RWJ 08/2015

 

Es ist völlig unstrittig, dass es punktuell hohe Wilddichten und -schäden in einem Warsteiner Revier gab (Wildschäden sind immer korrekt bezahlt worden). Dafür nur den Jagdpächter verantwortlich zu machen, ist nicht richtig. Regelmäßig wurden über Jahre vom Pächter beantragte Abschusspläne gekürzt – ohne Widerspruch der Stadt.

 

Auch eine Erhöhung des Abschussplans hat die Stadt Warstein nicht beantragt. Ebenso ging man im benachbarten Landesforst nicht gegen steigende Wildbestände vor. Bei Nachbeantragungen wurden in der Regel nur Kälber und Schmaltiere freigegeben.

 

Vor einigen Jahren wurden vom Forstamt der Stadt Warstein Wildschäden von angeblich fünf Mio. Euro hochgerechnet, warum hat man nicht schon da gesetzliche und vertragliche Möglichkeiten der Reduktion von Schalenwild genutzt – es war immer ein Förster der Stadt im Jagdbeirat? Dieses wäre völlig kostenneutral gewesen – ist das nicht eine Veruntreuung städtischen Vermögens?

 

Forstliche Fehler nach Kyrill sind aber auch gemacht worden, so waren nur rund 1 % der Holzbodenfläche als Wildäsungsflächen vorhanden. Diese Reviere wurden als Regiejagdbezirke und Lizenzjagden genutzt (Forstausschuss- Beschluss) – bis zu vier Drückjagden und nicht zählbare Ansitzjagden im Jahr führte man in einem Revier auf 560 ha durch. Diese Jagden wurden als kostenlose Drückjagden im Bekanntenkreis des Försters durchgeführt, man brauchte angeblich „besonders sichere“ Schützen. Bei ähnlichen Jagden fallen normalerweise Standgebühren von 100 bis 150 € an – plus Gebühren für Trophäenträger. Vorteilsnahme im Amt?

 

Ist die Lage in Warstein, Rüthen, Brilon und Meschede absichtlich herbeigeführt worden, warum hat man viele Jahre geschlafen? Jeder Förster kennt gesetzliche und vertragliche Möglichkeiten, auch ohne Einverständnis des Pächters erhöhte Wildbestände zu regulieren.

 

Der jetzige Plan, wonach bis zum 15. Oktober 70 Prozent des weiblichen Schalenwildes erlegt sein muss, ist kaum machbar (Reh- und Sikawild haben gerade sechs Wochen Jagdzeit, die Rotwildbrunft ist gerade zu Ende, Drückjagden beginnen meist im November). Diese Regelung würde Förstern (s. Warstein) und deren Freunden kostenlose Drückjagden auf der gesamten Waldfläche der vier Städte erlauben. Da es keine Abschusspläne für Reh- und Sikawild mehr gibt, kann sich jeder vorstellen, wie großzügig die Freigaben sein werden …

 

Jagd ist aber eine nachhaltige Nutzung der Ressourcen (die Jagdpacht in Warstein liegt bei 21 – 25% des Reinerlöses der Waldeinnahmen). Die Stadt befindet sich zwar im Nothaushalt, aber anscheinend gibt es keine Kostenstellenrechnung im Forstamt, sodass man hohe Jagdbetriebskosten perfekt in den allgemeinen Betriebskosten verstecken kann.

 

Sonst müsste man ja erklären, warum aus Kostengründen sonst alles „outgesourct“ wird – und nur die Jagd in eigener Regie durchgeführt werden muss, egal was es kostet.

 

G. Wegener, Warstein per E-Mail

 

Gängelpachtverträge in Rüthen, Warstein, Brilon und Meschede

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