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RWJ 07/13: „Volle Hütte“ in Münster

Remmel sichert fairen Umgang bei neuem Jagdgesetz zu

Vor der imposanten Kulisse von über 1 100 Besuchern sprach NRW-Umweltminister Johannes Remmel zum zweiten Mal auf dem Landesjägertag – und versprach den Jägern einen fairen Dialog auf dem Weg zu einem neuen Landesjagdgesetz.

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Volles Haus - zum Landesjägertag kamen über 1100 Besucher in die Westfalen-Metropole.

Zum Jägertag konnte LVJ-Präsident Ralph Müller-Schallenberg neben dem Minister zahlreiche Abgeordnete aus dem Düsseldorfer Landtag von SPD, CDU, Grünen und FDP begrüßen, darunter Manuela Grochowiak-Schmieding von den Grünen – LJV-Mitglied, passionierte Jägerin und Hundeführerin. Friedhelm Ortgies (MdL/CDU), Vorsitzender des Umweltausschusses, bedankte sich ausdrück­lich für das LJV-Angebot, den Parlamentariern vor Ort „heiße Eisen“ wie die Ausbildung von Jagdhunden an der leben­den Ente oder dem Schliefenfuchs zu erläutern (der RWJ berichtete). Ortgies: „Wer entscheidet, sollte sich vorher informieren, gerade auch über Vorurteile. Wir wollen regeln – und nicht Ihnen den Spaß verderben.“ An den Minister gewandt machte er deutlich, dass der Landtag einen Entwurf für ein neues Jagd­gesetz nicht nur abnicken werde – so etwas sei kein parlamentarischer Stil.

 

Wilhelm Brüggemeier, Vizepräsident des westfälisch-lippischen Bauernverbandes, forderte in seinem Grußwort die Jäger zwischen Rhein und Weser nachdrücklich auf, Schwarzwild verstärkt zu bejagen – auch „auf unkonventionellen Wegen“. Jägerpräsident Müller-Schallenberg sicherte eine scharfe Bejagung zu, allerdings ohne den Einsatz der „Pille für die Sau“, von Nachtzielgeräten oder Lebendfängen.

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Landesjägertag

Remmel: Akzeptanz der Jagd in der Gesellschaft als Leitbild

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„Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit“, so Umweltminister Johannes Remmel zur Jagdgesetz-Novelle in Münster.

Johannes Remmel war vom Jägerpräsidenten ganz klar mit der Erwartung konfrontiert worden, ein neues Jagdgesetz nicht im Hauruck-Verfahren und nicht ausreichender Frist zur Stellungnahme durchzupauken. Der Minister sagte genau dies zu: „Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit, wir wollen erst über Probleme reden und nicht gleich Gesetze machen.“ Dazu werde der Arbeitskreis Jagd und Naturschutz in diesem Jahr noch zwei bis drei Mal zusammenkommen. Das im Koalitionsvertrag zwischen SPD und Grünen verabredete ökologische Jagdgesetz ist laut Remmel – „kein Gespenst hinter dem Vorhang“. Grundzüge seien schon länger bekannt. Der Minister nannte Tierschutz-Einschränkungen bei der Hundeausbildung an lebenden Tieren, die Abschaffung des Rehwild-Abschussplans und eine Überprüfung des Katalogs der jagdbaren Arten (Bejagung nurmit „vernünftigem Grund“). Auch das Problemfeld Kirrung (O-Ton Remmel: „Lockfütterung“) werde man angehen, etwa mit einer strikten Trennung zwischen Jagd- und Fütterungszeiten.

 

Zum Jahreswechsel erwarte er einen Referentenentwurf, danach gebe es 2014 ausreichend Zeit zur Stellungnahme der Verbände und Abstimmung in den parlamentarischen Gremien. Leitbild des neuen Gesetzes werde auf jeden Fall die Akzeptanz der Jagd in der Bevölkerung sein.


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Landesjägertag

LJV-Präsident: Jäger haben gute Argumente für fairen Dialog

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Trotz Terminstress (zeitgleicher Grünen-Parteitag) fühlte sich NRW-Umweltminister Johannes Remmel - hier mit Maria Weckendorf (Rollende Waldschule der KJS Münster), Falkner Claas Niehues und LJV-Präsident Ralph Müller-Schallenberg - sichtlich wohl beim Landesjägertag.

Ralph Müller-Schallenberg versicherte dem Minister für die 65 000 Mitglieder des Landesjagdverbandes, dass sich der LJV intensiv an einem neuen Jagdgesetz beteiligen werde – „auch wenn wir das bestehende Gesetz für gut halten!“

 

Mit Blick auf die schon verabschiedete „kleine Novelle“ (siehe hier), ermahnte der Jägerpräsident die Landesregierung, bei der Verwendung der Jagdabgabemittel (rund 3,5 Mio. Euro jährlich) nicht zu vergessen, dass es allein Jäger seien, die diese Abgabe bei der Lösung des Jagdscheins aufzubringen hätten. Daher müsse gelten: „Jägergeld in Jägerhand!“


Mitgliederversammlung: Solide Finanzen, ab 2015 wird’s eng

Die LJV-Mitgliederversammlung stand ganz im Zeichen knapp werdender Finanzmittel: Während für das laufende Jahr vom DJV letztmalig 95 000 Euro zurückfließen (was u. a. in eine landes weite Wildbret-Kampagne investiert werden soll), wird schon ab 2014 die Luft dünner, so LJV-Schatzmeister Dr. Peter Bottermann. 2014 muss ein Zugriff auf Rücklagen eingeplant werden, um wenigstens noch mit einem „blauen Auge“ davonzukommen. Um auch zukünftig „kampagnenfähig zu bleiben“, so der Hüter der LJV-Finanzen, stünde aber „irgendwann“ auch das Thema Beiträge wieder an. Bis 2014, so sein Vorschlag, der von der Versammlung einstimmig akzeptiert wurde, bleibt der LJV-Beitrag allerdings stabil bei 38 €.

 

In der Diskussion wollte ein Mitglied wissen, ob der LJV nicht Beschränkungen auf bleifreie Büchsenmunition im Landes- und Bundesforst aufheben könne. Er wurde darauf verwiesen, dass jeder Jagdherr in dieser Frage selbstständig sei. Der LJV habe zwischenzeitlich allerdings zumindest sichergestellt, dass es in jedem Regierungsbezirk in NRW mindestens einen Schießstand gäbe, auf dem mit Büchsen bleifrei geübt werden dürfe.

 

Matthias Kruse


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