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RWJ 05/2018: Premiere am Niederrhein

Nur gemeinsam erfolgreich

Dr. Jörg Weinmann berichtet, welche Widerstände überwunden werden mussten, um eine revierübergreifende Drückjagd am Niederrhein zu organisieren, wie es gelang und warum sich der Aufwand letztlich sehr lohnte.

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Um revierübergreifend Strecke machen zu können, müssen beteiligte Pächter über den eigenen Schatten springen. Außerdem benötigt man die Unterstützung der lokalen Behörden. Symbolfoto: M. Breuer

Revierübergreifende Bewegungsjagden können dazu beitragen, Sauenbestände effektiv zu reduzieren. Das ist allgemein anerkannt. Doch sie werden keineswegs überall durchgeführt – obwohl es möglich wäre. Dem stehen oft persönliche Interessen der Revierinhaber im Wege. Doch die Sorge, „meine“ Sauen würden vom Nachbarn erlegt, sollte nun wirklich der Vergangenheit angehören. Auch das Risiko, mehr Wild krank zu schießen, ist kein Manko der Jagdart – sondern eine Frage der Disziplin und des Könnens der Schützen. Vielerorts sind es aber auch ganz praktische Aspekte, die eine große Bewegungsjagd erschweren. Dass es auch unter schwierigen Bedingungen möglich ist, zeigt ein Beispiel vom Niederrhein.

Die Ausgangssituation

Brüggen (VIE) liegt direkt an der Westgrenze von NRW, durch die Gemeinde schlängelt sich das Flüsschen Schwalm. Die Nähe zu den Niederlanden und die attraktive Landschaft sorgen für viele Wander- und Fahrradtouristen. Intensive Landwirtschaft mit Gemüse-, Kartoffel-, Rüben-, Mais- und Getreideanbau, das milde Klima und der hohe Waldanteil (über 50 Prozent) bieten dem Schwarzwild optimale Lebensbedingungen. Aufgrund der Besiedelungsdichte, der eher kleinräumigen Struktur und des hohen Besucheraufkommens ist eine Bejagung nicht einfach. Zusätzlich durchschneidet die viel befahrene L 373 die Waldreviere der Jagdgenossenschaft. Trotz schwieriger Bedingungen wurde eine revierübergreifende Bewegungsjagd unter verantwortlichen Revierinhabern diskutiert und beschlossen. Dabei wurden jagdpraktische und sicherheitsrelevante Aspekte deutlich:

 

1. Bei einer revierübergreifenden Bewegungsjagd gibt es keine große Treiberwehr, die durch alle teilnehmenden Reviere geht, stattdessen wird in allen Revieren zeitgleich beunruhigt.

 

2. Um die Sauen in Bewegung zu bringen und zu halten, bedarf es einer großen Anzahl brauchbarer Hunde.

 

3. Die L 373 muss für den Zeitraum der Jagd komplett gesperrt werden, da Wild und Hunde kreuzen werden.

 

4. Wander- und Waldwege müssen gesperrt werden, um eine Gefährdung von Spaziergängern zu vermeiden.

 

Angesichts dieser Liste breitete sich Skepsis aus, gerade die Sperrung von Straße und Wanderwegen schien kaum realisierbar. Getreu dem Motto Wer‘s nicht versucht, wird auch nicht erfahren, ob’s geht, wurden diverse Anträge bei den Kreis- und Forstbehörden gestellt. Außerdem wurde ein Treffen mit der Gemeinde, Jagdgenossen und Revierinhabern organisiert. Das Ergebnis:

 

1. Die Straßenverkehrsbehörde genehmigte die Sperrung der L 373

 

2. Das Forstamt genehmigte die Sperrung der Waldwege.

 

3. Der Bürgermeister unterstützte die Durchführung der Jagd auf allen Ebenen und organisierte den Kontakt zur Nachbargemeinde i. d. Niederlanden.

 

4. Die niederländische Gemeinde gab die Straßensperrung rechtzeitig bekannt.

 

5. Das Ordnungsamt errichtete Straßensperren und organisierte die Beschilderung der Straßen und Waldwege.

 

6. Die Freiwillige Feuerwehr setzte die Straßensperrung um.

 

7. Die Polizei stellte zwei Einsatzfahrzeuge, um bei Störungen/Diskussionen an gesperrten Straßen und Wegen einschreiten zu können.

 

8. Das Veterinäramt nahm am Streckenplatz Trichinen- und Blutproben.

 

9. Trichinenproben wurden kostenfrei untersucht.

 

10. Die Tierkörperbeseitigungsanstalt stellte für den Aufbruch am Streckenplatz kostenfreie Container bereit.

 

11. Die Gemeinde trug den maßgeblichen Anteil zur Hundeversicherung.

 

12. Die Jagdgenossenschaft stiftete für ein Feuer am Streckenplatz Strohballen und Holz.

 


Klasse Strecke überzeugt

Am 15. Dezember 2017 wurden gleichzeitig neun Reviere mit einer Gesamtfläche von 1 200 ha bejagt, 105 Schützen wurden angestellt, etwa 70 Hunde und ebenso viele Treiber waren im Einsatz. Die Strecke mit 76 Sauen, einem Stück Damwild, 16 Rehen und zwei Füchsen überzeugte alle. Leider musste die Hundeversicherung in Anspruch genommen werden, da ein Hund schwer geschlagen wurde, drei weitere trugen leichte Verletzungen davon.

 

Fazit: Alle Beteiligten hatten am Ende des Tages viel gelernt und waren zufrieden mit Ablauf und Ergebnis. Die Jagd war nur durch die große Unterstützung der Behörden möglich. Der organisatorische Aufwand ist hoch, für den Einzelnen aber auch nicht mehr als bei einer eigenen Bewegungsjagd. Allerdings müssen wir Jäger es auch wollen. Dazu gehören Disziplin, gute Schießfertigkeit und der Wille, über eigene Schatten zu springen. Gut durchgeführte, effektive Jagden sind die beste Öffentlichkeitsarbeit, die wir leisten können.


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