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RWJ 10/14: Gesellschaftsjagden im Herbst - Teil 1

Mitmachen statt abstauben

In diesen Wochen sitzen viele Revierinhaber über der Planung ihrer Gesellschaftsjagden. Während es beim Niederwild eher um die Frage geht, ob man nach der weitgehenden Vollschonung 2013 dieses Jahr schon wieder jagen darf (mehr dazu im November-RWJ), quälen in Sauen-Revieren ganz andere Sorgen. Hier ein paar Tipps zur richtigen Vorbereitung.

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Damit es an der Strecke nicht zu langen Gesichtern kommt, sollte man die Freigabe bei revierübergreifenden Drückjagden im Vorfeld eindeutig klären.
Foto: M. Breuer

Manch Revierinhaber stellt sich in diesen Tagen die Frage, wie er die anstehende Jagdsaison planen soll. Lassen Hase und Fasan eine Gesellschaftsjagd zu? Allgemein hört man zumindest mal wieder von Hennen mit Nachwuchs, leider aber häufig nur mit wenigen Küken. Wenn dem so ist, sollte man sich auch diesen Herbst in den meisten Revieren mit Treibjagden eher zurückhalten.

 

Beim Hasen sind viele freudig optimistisch, sieht man sie doch nach der Getreideernte zahlreich in allen Größen. Entscheidend aber ist, wie Meister Lampe durch die zahlreichen frühherbstlichen Krankheiten kommt, damit ausreichend Langohren für eine Treibjagd übrig bleiben. Hier kann man nur raten, rechtzeitig nach der Maisernte die Besätze per Scheinwerferzählung zu ermitteln – sind vor dem geplanten Termin nicht genügend Hasen da, ist es keine Schande, die Jagd abzusagen. Sie trotzdem durchzuführen, kann nicht nur peinlich werden – schlimmer wäre es, die Besätze nachhaltig zu schwächen.

Sauen effektiv bejagen

Ganz anders siehts rund um die Sauen aus – hier kann, ja muss man in den meisten Revieren mit großem Zuwachs rechnen. Eine deftige Eichenvollmast 2013 und der ausgebliebene Winter legten dazu beste Grundlagen – und dieses Jahr gibts eine Buchenmast …

 

Anders als beim Niederwild braucht man sich bei den Sauen also keine Sorgen über genügend Nachwuchs machen, ganz im Gegenteil: Die Frage muss sein, wie wir es schaffen, den Bestand so weit herunterzufahren, dass Wildschäden erträglich bleiben und die große Sorge der herannahenden Afrikanischen Schweinepest möglichst gering bleibt.

 

Angesichts der reichlichen Waldmasten müssen wir unsere Jagdstrategie anpassen und umstellen, denn eines ist gewiss – Mais wird auch dieses Jahr wieder an den Kirrungen verschimmeln …

 

Wenn also die Sauen nicht dahin kommen, wo wir das wollen, müssen wir rund um attraktive Nahrung auf sie warten. Dazu gehören intensive Ansitze an Grünlandstandorten, wo die Schwarzkittel parallel zur energiereichen Nahrung im Wald ihren Bedarf an tierischem Eiweiß stillen.

 

Auch Pirsch und Ansitz in Laubholzaltbeständen sind Erfolg versprechend. Mit diesen Jagdformen allein werden wir aber die Bestände nicht im geforderten Maß reduzieren, da sie einfach nicht effektiv genug sind.

 

Daher sind gerade in den nächsten Wochen revierübergreifende Drück- und Bewegungsjagden unverzichtbar. Nur mit dieser Jagdart lassen sich in kurzer Zeit hohe Strecken erzielen, und zwar unabhängig vom Mondlicht. Dafür muss man solche Gesellschaftsjagden aber auch sehr sorgfältig planen und durchführen.

 

Wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass Jäger mehr miteinander statt übereinander reden. In Vorbesprechungen muss man gemeinschaftlich getroffene Vereinbarungen festlegen, die die Revierinhaber ihren Gästen mit auf dem Weg geben, besonders wichtig ist eine einheitliche Gewichtsgrenze (Freigabe).

 

Der Erfolg solcher Jagden misst sich nicht nur an der Zahl, sondern vielmehr an der Qualität erlegter Stücke. Um Sauen bestände wildbiologisch richtig und nach haltig zu reduzieren, müssen mindestens 70, besser 80 Prozent der Frischlinge erlegt werden. Sie sind am meisten im Bestand vorhanden und tragen damit erheblich zum Gesamtzuwachs bei. Bereits 85 Prozent der Frischlinge vermehren sich nachgewiesenermaßen bereits, solche Muttertiere sind selber noch unter ein Jahr alt (Frischlingsbachen). An dieser Stelle liegt der „Motor der Population“ – und wenn man den lahmlegen will, muss man Frischlinge bei jeder Gelegenheit erlegen – bei überhöhten Beständen auch mit geringem Gewicht.

 

Das macht sicher keine besondere Freude, ist aber dringend geboten. Die Erlegung geringer Frischlinge ist vielen Jägern befremdlich, sie erlegen lieber Überläufer, meistens männliche. Diese spielen in der Populationsdynamik eine untergeordnete Rolle, weil sie ja keinen Nachwuchs kriegen, werden aber zur begehrten Beute, weil sie oft noch bei gutem Licht (etwa beim Bockansitz) zu sehen sind und ohne Führungsbache unvorsichtig umherziehen. Außerdem bringen sie „was an den Haken“, sprich in die Wildbretkasse.



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Es ist nichts dagegen einzuwenden, aus Überläuferrotten ein, zwei Stücke zu erlegen, danach sollten sie aber geschont werden, damit ein ausreichender Rest erwachsen – und irgendwann mal zu reifen Keilern werden kann. Diese sind für sozial gut strukturierte Bestände neben alten Bachen von sehr großer Bedeutung.

 

Der immer wieder geforderte Bachenabschuss lässt sich nur unter sehr begrenzten Voraussetzungen erfüllen – je nach Entwicklung der Frischlinge ab etwa November bei gutem Licht (nicht bei Mond) und nur nach intensiver Beobachtung beim Einzelansitz, also keinesfalls im Rahmen von Drückjagden!

 

Diese Voraussetzungen zur Bachenbejagung sind übers Jahr nur sehr selten (fast nie) vorhanden, sodass deren tierschutz-, also waidgerechte Erlegung so gut wie unmöglich ist.

 

Aber schon allein durch einen sehr hohen Frischlingsabschuss lassen sich Sauenbestände nachhaltig absenken – und zwar nicht nur anhand theoretischer Populationsmodelle. Das kann in einigen (leider nur wenigen) Gebieten auch praktisch nachgewiesen werden. In Revieren mit überhöhten und ständig wachsenden Beständen werden dagegen in unschöner Regelmäßigkeit nur etwa 40 Prozent der Frischlinge erlegt – eindrucksvoll belegbar in Wildsammelstellen von Schweinepest-Überwachungsgebieten.

 

Die nicht ausreichende Frischlingserlegung muss dringend geändert werden, denn das ist der Schlüssel zur Veränderung – dem Erreichen angepasster Bestände.


„Revierübergreifend“ heißt nicht „abstauben“

Nach der gemeinsamen Abschuss freigabe wird revierübergreifende Bejagung erst richtig effektiv, wenn in allen Revieren auch zur selben Zeit gejagt und getrieben wird. Mancher Revierinhaber interpretiert den Begriff revierüber greifend nämlich so, dass er wartet, was die Nachbarn denn so über die Grenze treiben und dies dann abschöpft. Ein solches „Abstauben“ ist nicht nur unkollegial, sondern auch völlig uneffektiv. Das können wir uns in Zeiten von hohen Beständen und wachsender Angst vor der Schweinpest keinesfalls leisten.

 

Revierübergreifend jagen bedeutet, dass in allen teilnehmenden Revieren die Stände sehr sorgfältig ausgewählt und besetzt werden, in allen Revieren während der gesamten Jagdzeit getrieben wird und dass man nach hoffentlich erfolgreicher Jagd auch gemeinsam Strecke legt. Nur so beugt man Vorurteilen und Spekulationen vor und integriert solche aufwendigen Aktionen dauerhaft in seinen Bejagungskalender.

 

Wildmeister Peter Markett (Davert-Hochwildring)


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