Seite 1

RWJ 11/14: Planung ist die halbe Miete

Kleines Treibjagd-ABC

Im Oktober-RWJ gings um die Vorbereitung von Schalenwild- Drückjagden, diesmal stellen wir zusammen, worauf man bei der Planung von Niederwildjagden achten muss.

treibjagd-m.-breuer

Für den sicheren und erfolgreichen Ablauf einer Treibjagd ist schon im Vorfeld ein umfangreicher Maßnahmenkatalog abzuarbeiten.

Manch Revierinhaber stellt sich dieser Tage die Frage, ob er eine Niederwildjagd auf Hase und Fasan durchführen soll? Allgemein hört man zumindest mal wieder von Hennen mit Nachwuchs, leider aber häufig mit wenig Küken. Wenn dem so ist, sollte man sich auch in diesem Herbst in den betroffenen Revieren mit Treibjagden eher zurückhalten.

 

Beim Hasen sind viele freudig optimistisch – entscheidend ist, wie Meister Lampe durch den nassen Sommer und die zahlreichen (früh)herbstlichen Krankheiten gekommen ist, damit ausreichend Langohren für eine Treibjagd übrig bleiben. Hier kann man nur jedem Revierinhaber raten, rechtzeitig vor der Jagd die Besätze mittels Scheinwerfer zu ermitteln und mit den Ergebnissen aus dem Frühjahr abzugleichen. Wenn nicht genügend Hasen da sind, ist es keine Schande, die Jagd abzusagen oder stark einzuschränken. Führte man diese trotzdem durch, bestünde die Gefahr, die Besätze nachhaltig zu schwächen.

 

Vielleicht wäre auch ein morgendlicher Ansitz mit der kleinen Kugel eine Alternative (Kugelfang beachten), um mögliche Verpflichtungen in Sachen „Weihnachtshase“ zu erledigen – nach einem solchen Ansitzmorgen lässt es sich auch mit guten Freunden vorzüglich frühstücken!

 

Für erfahrene Beständer und ihr Personal ist eine „Anleitung“ zwar müßig, aber eine Auffrischung vielleicht doch nützlich, um alle wichtigen Punkte in Erinnerung zu rufen.

 

Woran man denken sollte
Lässt der Besatz eine Gesellschaftsjagd zu, muss man die Teile bestimmen, in denen gejagt werden soll, mithilfe einer Revierkarte (DGK 10/Grundkarte 1 : 10 000) wird die Art der Treiben festgelegt. Diesen Plan erhalten Jagdleiter, Ansteller sowie die Fahrer der Transportfahrzeuge und des Wildwagens.

 

Es muss so geplant werden, dass grundsätzlich von Straßen weg getrieben wird. Auch das Schnallen der Hunde in der Nähe von Straßen birgt immer die Gefahr von Verkehrsunfällen.

 

Wenn öffentliche (besonders stärker befahrene) Straßen – betroffen sind, müssen Warnschilder aufgestellt werden (Gefahrenzeichen Nr. 142 STVO „Achtung Wildwechsel“ in Verbindung mit „Heute Jagd“ und km-Angabe). Für die Aufstellung muss man sich im Vorfeld mit Straßenverkehrsbehörde und -baulastträger in Verbindung setzen – eigenmächtiges Aufstellen von Schildern an Straßen ist nicht erlaubt.

 

Um Schützenstände und evtl. Schussbereiche zu markieren, läuft man alle vorgesehenen Treiben zu Fuß ab, am besten gemeinsam mit den Anstellern oder Gruppenführern. Auch Obertreiber und revierkundige Fahrer müssen rechtzeitig über Art und Reihenfolge der Treiben informiert werden.

 

Hindernisse in den Treiben sollten erkannt, beseitigt oder berücksichtigt werden, rutschsichere Bohlen (alter Hasendraht als Auflage) über Wassergräben gelegt und Überstiege über Zäune erstellt werden – nicht nur ältere Jäger werden es danken. Einige Schützenstände sollten so ausgewählt werden, dass auch ältere oder gehbehinderte Jäger teilnehmen können.

 

Besonders Pferdehalter müssen über Termin und Ablauf der Jagd frühzeitig informiert werden, verbunden mit der Bitte, ihre Pferde am Jagdtag bzw. für die Zeit, in der in der Nähe der Koppel gejagt wird, einzustallen.

 

Wie viele Jäger, Treiber, Bläser und Hundeführer benötigt werden, ergibt sich in der Regel aus Größe und Form der Treiben.

Seite 2

Werden Reviere von mehreren Pächtern bejagt, bedarf es des Einvernehmens. Einzelheiten sollten zuvor besprochen sein – für Gäste ist es peinlich, wenn während der Jagd Uneinigkeit auftritt …

 

In der Einladung muss neben Datum, Uhrzeit und Treffpunkt angegeben sein, auf welche Wildarten gejagt wird – bei Gewässern ist auch der Hinweis auf bleifreie Schrotmunition erforderlich.

 

Auch die Art der Jagd sollte man angeben – Vorstehtreiben erfordern andere Ausrüstung und Kleidung als eine Streife.

 

Auf die Notwendigkeit von Warnwesten/ -kleidung und Hutbändern sollte man hinweisen. Bei Waldtreiben reichen Hutbänder allein nicht, da sie nur eine geringe Warnwirkung besitzen. Für Treiber und Durchgehschützen ist Warnkleidung zwingend erforderlich, dafür sollte man Warnwesten bereithalten.

 

Die Kennzeichnung der brauchbaren Jagdhunde sollte man nicht vergessen und an Frischwasser für sie denken.

 

Angaben zur Verpflegung am Tage und Angaben zu Ort und Zeitpunkt des Schüsseltreibens sind sehr hilfreich.

 

Den Hinweis auf das Mitführen des gültigen Jagdscheins sollte man nicht vergessen, er wird bei der Anmeldung kontrolliert und auf der Teilnehmerliste schriftlich dokumentiert (Jagdleiter/Beauftragte). Alkoholisierte Personen sind von jeder Jagd auszuschließen.

 

Es müssen ein Jagdleiter und mögliche Gruppenführer bestimmt werden.

 

Der Transport der Teilnehmer (PKW, Kleinbusse, landwirtschaftl. Anhänger) zu den Treiben ist festzulegen. Anhänger müssen ausreichend hohe Wände und einen sicheren Aufstieg (auch für ältere Jäger) besitzen, für jeden muss ein Sitzplatz vorhanden sein.

 

Prüfen Sie, ob die Deckungssumme der Haftpflicht des Zugfahrzeugs hoch genug ist – bei voller Besetzung kann sich die Schadenssumme schnell addieren. Ein Eimer für Patronenhülsen und anderen Abfall ist sehr sinnvoll.

 

Transport und Versorgung erlegten Wildes (Wildwagen) müssen geklärt werden, Behälter für Frischwasser und Aufbruch vorhanden sein. Auch zur Verwertung der Strecke des Jagdtages sollte man sich im Vorfeld Gedanken machen.

 

Die Verpflegung muss geplant werden (Mittagessen oder Verpflegung aus dem Rucksack, wer bereitet Feuer- und Lagerplatz vor, wo und wann findet das Schüsseltreiben statt, was soll es zu essen geben, wie und wo können Waffen bei der Mittagspause sicher abgestellt werden?). Bei schlechter Sicht (Nebel, dichtes Schneetreiben, einsetzende Dunkelheit) muss die Jagd abgeblasen werden.

 

Für evtl. Notfälle muss geklärt werden, wer Erste Hilfe leisten kann (Arzt, Tierarzt). Entsprechende Plätze zur Erstversorgung müssen ausgewählt werden, Anfahrtswege für Rettungswagen sind festzulegen – diese sollten am Jagdtag auch frei sein, Rettungswagen können befestigte Wege nicht verlassen!

 

Beim Notruf ist der Aufnahmepunkt allgemein verständlich anzugeben – keine historischen oder ortsüblichen Bezeichnungen, Fahrer von Rettungswagen sind häufig nicht ortskundig und verlassen sich ausschließlich auf ihre Navigation.

 

Damit per Handy schnell Hilfe alarmiert werden kann, ist abzuklären, ob es in den Treiben Funklöcher gibt – dann muss das Notsignal per Jagdhorn bei der Begrüßung am Morgen bekannt gegeben werden. Ausreichend Erste-Hilfe-Material muss vorhanden und bekannt sein, wo es sich am Jagdtag befindet.

 

Wir sind zwar nicht verpflichtet, der Polizei Gesellschaftsjagden anzuzeigen, aber es ist im Rahmen der Kontaktpflege ratsam, die zuständige Dienststelle über den Termin zu informieren. Wenn am Jagdtag Schüsse fallen, kann die Polizei so besorgte Bürger beruhigen.

 

Bei massiven Störungen ist die Jagd sofort zu unterbrechen, Entladen der Waffen anzuordnen, örtliche Polizei anzufordern, zusammen in der Gruppe bleiben, nicht provozieren lassen, auf Deeskalation setzen, Fotos machen.

 

Im Vorfeld einer Gesellschaftsjagd muss man also an vieles denken, aber nur gute Planung gewährleistet sicheren Ablauf und Erfolg – dazu wünsche ich Ihnen ein kräftiges Waidmannsheil!

 

Gerhard Thomas
Vorsitzender im LJV-Niederwildausschuss


Gesellschaftsjagden

Mehr zum Thema


Aktiv nur für Mitglieder!

Bitte melden Sie sich an, oder werden Sie Mitglied.