Seite 1

RWJ 06/2019: Drama auf Bochumer Friedhof

Jäger von Polizei erschossen

Ein 77-jähriger Rentner wurde am Gründonnerstag auf einem Friedhof in Bochum von Polizisten angeschossen und verstarb zwei Tage später.

 

 

friedhof id112714

Besonders in Ballungsräumen gibt es in NRW zahlreiche Ausnahmegenehmigungen zur Bejagung von Kaninchen in befriedeten Bezirken, darunter vor allem auf Friedhöfen (Symbolbild).

Ein Zeuge hatte die Polizei gerufen, weil gegen 18 Uhr ein Mann in Begleitung einer Frau mit einem durchgeladenen Gewehr den Friedhof betreten habe. Polizeibeamte seien kurze Zeit später auf dem Friedhof eingetroffen. Eine weitere Augenzeugin gab an, den Mann angesprochen zu haben, weil Leute sich erschrecken würden, wenn er mit einer Waffe über den Friedhof laufe. Mit einer kommentarlosen Handbewegung habe er die Frau vertröstet. Der Rentner hatte für den Friedhof eine Erlaubnis zur Bejagung von Kaninchen, allerdings für einen anderen Zeitraum und nur unter strikter Beachtung elementarer Sicherheitsvorgaben (z. B. nur außerhalb öffentlicher Besuchszeiten).

 

Polizei und Staatsanwaltschaft schildern das Geschehen so: Zwei Polizisten sprachen den Mann an, daraufhin sei es zu einer „Bedrohungssituation“ gekommen, bei der auf den bewaffneten Mann geschossen wurde. Der Jäger habe nicht geschossen. Eine Polizistin habe die stark blutende Schulterwunde behandelt, später hätten Rettungssanitäter die Versorgung übernommen. Der 77-Jährige verstarb zwei Tage später im Krankenhaus. Die beteiligten Polizisten waren bis zum Redaktionsschluss nicht aussagefähig, zum genauen Ablauf des Geschehens gaben die Behörden aus „ermittlungstaktischen Gründen“ keine Auskunft.

 

„Wir werden selbstverständlich die aktuelle Entwicklung dieser Tragödie weiter beobachten.“

Aktiv nur für Mitglieder!

Bitte melden Sie sich an, oder werden Sie Mitglied.